70 Jahre Constantin Film: Erfolgskino made in Germany – Top Meldungen

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Was macht eine Produktionsfirma erfolgreich? Ihre Kreativität, sagt Martin Moszkowicz, Chef der Constantin Film. Ein Interview über ein Jubiläum in Krisenzeiten, Filme von “Der Name der Rose” bis zu “Fack ju Göhte” – und das Kino als Erlebnisort.

“Die unendliche Geschichte”, “Der Name der Rose”, “Der bewegte Mann” oder “Fack ju Göhte”: Die Constantin Film ist eine feste Größe im deutschen Kino. Gegründet wurde sie am 1. April 1950 in Frankfurt, seit 1957 ist sie in München ansässig. Nun fällt das Jubiläum der Produktionsfirma in eine Zeit, die auch das Kino in eine Krise stürzt. Christoph Leibold hat mit Martin Moszkowicz, dem Leiter der Constantin, über 70 Jahre Film und einen Firmengeburtstag in Zeiten von Corona gesprochen.

Christoph Leibold: Herr Moszkowicz, auch die Filmbranche ist nicht immun gegen Corona. Aber ist es da vielleicht genau anders als beim Menschen, wo die Älteren besonders anfällig sind – sind Sie als alteingesessene Firma mit heute 70 Jahren Erfahrung, mit Know How und Kapital womöglich besser gewappnet in der Krise als es, sagen wir, ein junges Startup wäre?

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Martin Moszkowicz: Das hoffe ich – ich glaube, in beiden Fällen geht es darum, dass man gesund ist. Und zum Glück ist die Constantin Film in einer guten Phase in diesen schweren Zeiten. Also wir sind gut gewappnet. Auf der anderen Seite sind natürlich die Herausforderungen mannigfaltig. Wir versuchen damit so gut umzugehen, wie es geht. Aber wir fahren genauso wie viele, viele andere natürlich auf Sicht.

Skizzieren Sie uns diese großen Herausforderungen und die gravierendsten Auswirkungen auf die Constantin Film AG jetzt in dieser Krise …

Das kann man eigentlich an zwei Bereichen fest machen: Das eine ist, dass alle unsere Produktionen, nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit, im Augenblick still stehen. Und das bringt viele, viele Folgeschäden mit sich. Wir müssen diese Produktionen verschieben, das bedeutet Kosten, das bedeutet, dass kreativ an dem einen oder anderen Projekt Änderungen gemacht werden müssen. Und das Zweite ist, dass wir keine Filme auswerten können im Augenblick: Die Kinos sind zu, praktisch in der gesamten Welt. Das heißt, unsere Filme können nicht ins Kino kommen. Wir haben ein bisschen Glück im Unglück, dass wir nur zwei Produktionen hatten, die jetzt geplant waren, aber für diese beiden Produktionen müssen wir neue Starttermine erst später im Jahr suchen, vielleicht sogar erst im nächsten Jahr. Das steht im Augenblick noch nicht fest.

Sie beklagen auch Versäumnisse seitens der Politik im Umgang mit der Corona-Pandemie, gerade auch was das Krisenmanagement für die Filmindustrie betrifft. Welche wären denn das?

Naja, es ist zum einen so, dass lange Zeit nicht ganz klar war und es in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur ganz unterschiedliche Ansagen und Bestimmungen dazu gab, wie mit Produktionen umgegangen werden soll. Ich glaube auch, dass nicht jede Produktion völlig identisch betrachtet werden kann. Es gibt auch heute noch Produktionen, die drehen unter großen Vorsichtsmaßnahmen und mit den entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln. Das kann man machen, wenn man das kreativ geschickt angeht. Unsere Produktionen sind davon aber nicht betroffen, wir drehen im Augenblick nicht.

Eigentlich wäre ja der runde Geburtstag heute ein Grund zur Freude, aber ich denke, momentan hält sich die Feierlaune so ein bisschen in Grenzen. Wenn Sie aber einmal – wie ein Jubilar das tun würde – zurückblicken auf 70 Jahre Constantin Film: Was macht sie besonders stolz? Was macht diese Firma einzigartig?

Man muss dazusagen: Das genau Gründungsdatum der Constantin liegt ein bisschen im Dunkeln, insofern haben wir öfter Gelegenheit, Jubiläen zu feiern. Die Gründungsdokumente sind nicht mehr so hundertprozentig auffindbar, die Constantin ist durch viele Inkarnationen gegangen. Ich glaube, das Wichtigste der Constantin ist, dass wir eine sehr kreativ orientierte Firma sind: Wir versuchen immer alles, was wir machen, von der Kreativität aus anzugehen. Und ich glaube, dass das etwas ganz Besonderes ist. Das ist auch das Erbe, das uns Bernd Eichinger mitgegeben hat, dass wir eben versuchen, immer wieder durch gute Ideen erfolgreich zu sein. Und das ist etwas, was die Constantin jetzt über 70 Jahre gezeigt hat, in ganz vielen verschiedenen gesellschaftsrechtlichen Inkarnationen, die Firma hat sich ja mehrfach verändert. Ich habe das Glück, dass ich ein paar Jahre dabei war, wir haben guten Grund zu feiern. Und wir werden bestimmt ein großes Fest nachfeiern, wenn diese furchtbare Situation, in der wir alle sind, sich wieder verbessert hat.

Es wird ja gern gemäkelt über den deutschen Film. Nennen Sie ein, zwei herausragende Filme der Constantin, von denen Sie persönlich sagen würden, dass Sie dieses schlechte Image widerlegen.

Ach, ich möchte da keinen einzelnen herausgreifen, weil das sehr ungerecht gegenüber den vielen anderen wäre. Mir gefallen fast alle unsere Produktionen. Das geht los bei großen Komödien wie der “Fack Ju Göhte”-Reihe, oder wir können zum “Untergang” zurückgehen. “Das Geisterhaus”, “Die unendliche Geschichte”, “Der Name der Rose”: Ich glaube, dass die Firma eben eine ganz große Bandbreite an Kino- und Fernsehproduktionen hat. Das macht uns auch aus, dass wir uns nicht auf ein ganz bestimmtes Genre festgelegt haben. Und darauf bin ich eigentlich stolz, dass wir es geschafft haben, über viele Jahre immer wieder Marken zu setzen für den deutschen und den internationalen Film.

Die Corona-Krise schlägt jetzt zu in Zeiten, da es den Kinos ohnehin nicht so gut geht. Sie haben in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL die Hoffnung geäußert, dass danach bei den Leuten vielleicht wieder die Sehnsucht nach Kino geweckt ist. Da könnten Sie auch recht haben, weil viele dann vom Streamen womöglich mehr als genug haben werden. Dumm wäre es nur, wenn dann die Hälfte der Kinos gar nicht mehr aufsperrt, weil sie wegen der Corona-Schließung pleite gemacht haben.

Ich bin ganz sicher, dass es einen großen Bedarf an Kinoerlebnis geben wird, sobald wir aus dem Schlimmsten dieser Krise raus sind. Die Kinos sind diejenigen, die im Moment am allermeisten leiden. Das muss man so sagen. Wir als Firma produzieren natürlich auch fürs Streamen und für Fernsehsender, das heißt, wir können da ausweichen, aber die Kinos können im Augenblick nur zumachen. Das heißt, dass die natürlich eine extreme Belastung hinter sich bringen müssen. Und ich habe leider auch die Furcht, dass da doch das eine oder andere Haus eben so in Mitleidenschaft gezogen wird, dass es nicht mehr aufmachen kann. Da müssen wir was tun. Ich halte die Kinolandschaft in Deutschland gerade in der Fläche für extrem wichtig. Das Kino hat ja nicht nur etwas damit zu tun, dass da Geld verdient wird, sondern es ist auch ein sozialer Ort, ein Erlebnisort. Und dafür braucht es durchaus staatliche Unterstützung wie in vielen anderen Bereichen auch. Ich hoffe sehr, dass man den Kinos unbürokratisch und schnell hilft. Kredite, die ja immer im Moment im Vordergrund stehen, helfen dem Kinobesitzer nicht unbedingt, denn die muss er zurückzahlen. Wovon? Er macht ja nicht mehr Umsatz in Zukunft, sondern er wird versuchen, wieder auf die Füße zu kommen. Ich finde, da muss man nach anderen Instrumenten suchen.

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