Adidas und Puma leiden unter Virus-Folgen – Kunden bleiben aus

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München – Die weltweite Ausbreitung des neuen Coronavirus macht die Sportartikelkonzerne Adidas und Puma ratlos.

“Niemand kann vorhersagen, was passieren wird”, sagte Adidas-Chef Kasper Rorsted am Mittwoch in Herzogenaurach. “Wir müssen mit der Realität in der Welt zurechtkommen.” Allein in China, wo das Virus seinen Ursprung hat, fehlen der weltweiten Nummer zwei hinter Nike schon in den ersten drei Monaten eine Milliarde Euro Umsatz und eine halbe Milliarde Euro operativer Gewinn. Ob sich das im Lauf des Jahres aufholen lässt, ist fraglich. Die Krise sei aber nur ein vorübergehender Rückschlag, gab sich Rorsted zuversichtlich. Der kleinere Lokalrivale Puma hat die Hoffnung aufgegeben, dass sich die Lage rasch wieder normalisieren wird: Das sei “trotz erster ermutigender Signale aus China” nicht absehbar – zumal das Virus auch nach Europa vordringt.

Die Adidas-Aktien brachen erneut um fast zehn Prozent ein und notierten zum ersten Mal seit fast einem Jahr unterhalb der 200-Euro-Marke. Puma-Papiere verloren 3,7 Prozent. Binnen drei Wochen haben sie ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Für beide Sportartikelhersteller gehört China zu den größten Absatzmärkten, zugleich lassen sie dort bis zu ein Fünftel ihrer Schuhe und Textilien produzieren. Adidas-Chef Rorsted klammerte die Folgen des Coronavirus aus den Erwartungen für das laufende Jahr kurzerhand aus. Außerhalb Chinas werde der Umsatz wie geplant wechselkursbereinigt um sechs bis acht Prozent steigen. Auch die Erwartung für den Nettogewinn – ein währungsbereinigter Zuwachs um 10 bis 13 Prozent auf 2,1 bis 2,16 Milliarden Euro – dürfte angesichts des Virus illusorisch sein. China steht für 23 Prozent des Umsatzes, die Margen sind dort so hoch wie nirgends sonst.

KEINE LAUFSCHUHE FÜR DIE QUARANTÄNE

“Wer zwei Wochen lang in Quarantäne in seiner Wohnung sitzt, kauft keine neuen Laufschuhe – weil er in der Wohnung nicht läuft”, sagte der Adidas-Chef. “Aber wir wissen, dass die Kunden zurückkommen werden.” Ein Großteil der Läden in China war wegen der Epidemie für Wochen geschlossen, die geöffneten waren wie leergefegt. Seit Jahresbeginn brach der Adidas-Umsatz dort um etwa 80 Prozent ein. Während das Geschäft seit Anfang März etwas anzieht, bekommen Adidas und Puma die Absatzkrise nun in Japan, Südkorea und anderen Ländern zu spüren, in denen Touristen aus dem Reich der Mitte ausbleiben. Bei Adidas macht das weitere 100 Millionen Euro Umsatz und etwa 50 Millionen Gewinn aus.

Weltweit werde der Umsatz zwischen Januar und März mehr als zehn Prozent unter Vorjahr liegen. Ein Verlust drohe im Quartal aber nicht, sagte Finanzvorstand Harm Ohlmeyer. 2019 hatte der Umsatz dank des florierenden Online-Geschäfts um sechs Prozent auf 23,6 Milliarden Euro zugelegt, unter dem Strich stand ein Rekordgewinn von 1,92 Milliarden Euro.

Rorsted räumte ein, dass inzwischen auch in Europa in den Läden weniger los sei – vor allem im fast abgeriegelten Italien. Puma ist noch deutlicher: “In ganz Europa verzeichnen wir eine niedrigere Kundenfrequenz.” Prognosen für die nächsten Wochen und Monate seien “unmöglich” geworden. Vor drei Wochen hatte Puma – trotz Corona – einen währungsbereinigten Umsatzanstieg um zehn Prozent und ein Wachstum des operativen Gewinns (Ebit) um 14 bis 18 Prozent für 2020 in Aussicht gestellt.

Immerhin sei bei den meisten Lieferanten von Adidas und Puma in China die Produktion wieder angelaufen, wenn auch nicht mit voller Kapazität, hieß es in den Mitteilungen. Aus China bezieht Adidas 19 Prozent seiner Schuhe, Trikots und Bälle, bei Puma ist es ähnlich. Im Februar hatte Adidas in China alle Lieferungen an die Großhändler storniert, um Ladenhüter bei der Saisonware zu vermeiden. Liegengebliebene Schuhe, Hemden und Hosen sollen im Lauf des Jahres über den eigenen Vertrieb losgeschlagen werden.

WAS WIRD AUS DER FUSSBALL-EM?

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Verbot sportlicher Großveranstaltungen in vielen Ländern Europas, mit denen die Behörden die Ausbreitung des Virus verhindern wollen. Im Sommer stehen die Fußball-Europameisterschaft in zwölf Ländern und die Olympischen Spiele in Tokio an. Rorsted sagte, er wolle über eine Absage oder Verschiebung nicht spekulieren. Die Folgen für Adidas wären mit 50 bis 70 Millionen Euro Umsatz aber begrenzt.

Im November will Rorsted seine Strategie für die nächsten fünf Jahre vorstellen. Zumindest bis dahin muss auch die US-Marke Reebok um ihre Zukunft bei Adidas bangen, obwohl sie 2019 dank Zuwächsen in Nordamerika um zwei Prozent gewachsen war. “In der neuen Strategie wird Reebok seinen Platz finden – oder auch nicht.” Die Zusage, die lange defizitäre Marke bis 2020 auf einen profitablen Wachstumskurs zu führen, habe er erfüllt.

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