Asiatische Kunden vertrauen den Banken wegen des Coronavirus weniger Neugeld an

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Hongkong/Singapur – Die Coronavirus-Epidemie bremst das Wachstum der Banken im Schlüsselmarkt Asien.

Aus Angst vor einer Infektion meiden derzeit reiche Kunden aus der Region den persönlichen Kontakt mit den Bankberatern. So hätten die Institute in den Monaten Januar und Februar zehn bis 20 Prozent weniger Neukunden als im Vorjahreszeitraum gewinnen können, sagten Banker bei zwei europäischen Vermögensverwaltern der Nachrichtenagentur Reuters. Dieser Trend dürfte vorerst anhalten. Strenge Reisebeschränkungen und die Vermeidung von sozialen Kontakten erschwere es Banken wie Credit Suisse, UBS oder der britischen HSBC, neue wohlhabende Kunden an Bord zu holen, sagten sechs Banker.

Asien war bisher weltweit die Region mit dem stärksten Vermögens-Zuwachs. Entsprechend wichtig ist der Markt für Banken, die reiche Privatkunden bedienen. Dazu gehören etwa auch die Deutsche Bank oder Julius Baer. Ein Großteil der Gelder, die die Branche verwaltet, stammt von reichen Chinesen. Für sie haben Banken in den vergangenen Jahren etwa Trusts oder Family Offices aufgebaut. “Diese Dinge finden derzeit nicht statt, weil die Kunden aus Angst vor einer Ansteckung nicht bereit sind, sich mit unseren Mitarbeitern einzulassen”, sagte der Leiter einer europäischen Privatbank für den Großraum China. Das Neugeschäft sei dadurch beeinträchtigt. Das Analysehaus GlobalData erklärte vergangene Woche, dass das Wachstum der Privatvermögen in China wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie im laufenden Jahr auf 2,6 Prozent sinken könnte. Das wäre der geringste Zuwachs seit der Finanzkrise.

Doch die Angst vor den Auswirkungen der Krankheit hat nicht nur negative Folgen für die Geschäfte der Banken. Die mit vermögenden Privatkunden erwirtschafteten Handelserträge seien in den Region in den ersten zwei Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, erklärten Mitarbeiter bei fünf Vermögensverwaltungs-Instituten. So hätten die jüngsten Marktturbulenzen die Kunden veranlasst, verstärkt in Derivate zu investieren, um sich gegen Kursverluste abzusichern. “Unsere Banker waren ziemlich beschäftigt”, sagte ein leitender Banker eines Schweizer Instituts mit Sitz in Singapur.

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