Banken rüsten sich für die Corona-Katastrophe

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Frankfurt – Die deutschen Finanzinstitute sind wegen des sich ausbreitenden Coronavirus in Alarmbereitschaft.

Mit Hochdruck arbeiten Manager an Notfallplänen, wie bei einer Verschärfung der Viruskrise das tägliche Bankgeschäft aufrecht erhalten wird. Konkret geht es etwa darum, wie Handel und Zahlungsverkehrsdienste weiterlaufen, wenn es zu größeren Krankheitsausfällen bei Mitarbeitern kommt. Krisenstäbe treten mindestens einmal täglich zusammen und bewerten die aktuelle Situation, Hygienevorkehrungen wurden verschärft. Schon seit Tagen gibt es bei den Geldhäusern Einschränkungen für Geschäftsreisen, um Beschäftigte vor Ansteckungen zu schützen.

Die Deutsche Börse wies am Montag in einem Rundschreiben darauf hin, dass Händler im Notfall auch außerhalb ihrer zugelassenen Räume am Börsenhandel teilnehmen dürfen – etwa wenn die Behörden Zutrittsverbote oder Quarantäne anordnen. Die Händler müssten dann unverzüglich die Börse über Art und voraussichtliche Dauer des Notfalls informieren. Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten laufen die Systeme der Börse nach Unternehmensangaben bislang reibungslos. “Bisher gab es keine Vorfälle, die uns veranlasst hätten, über präventive Maßnahmen hinaus Maßnahmen zu ergreifen”, sagte ein Börsensprecher. Der vergangene Freitag sei mit 2,8 Millionen ausgeführten Orders und einem Handelsvolumen von 18,6 Milliarden Euro der umsatzstärkste Handelstag auf dem Handelssystem Xetra seit 2008 gewesen.

Auch die Deutsche Bank, die große Abteilungen im Handel und Zahlungsverkehr betreibt, hat Pandemie-Pläne in der Schublade. Einem Insider zufolge arbeiten derzeit Mitarbeiter in Singapur, China, Hongkong und Italien aufgeteilt von zu Hause aus und in Büros. In anderen Ländern würden solche Aufteilungen vorbereitet, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Die Bank wolle damit sicherstellten, dass Teams jederzeit einsetzbar seien. Persönliche Meetings seien in diesen Krisengebieten untersagt. “Auch ein privates Bierchen nach Feierabend ist zur Zeit nicht mehr möglich”, sagte ein Banker.

Deutschlands größtes Geldhaus hat bereits vergangene Woche weltweit Geschäftsreisen eingeschränkt und erlaubt Reisen in die besonders betroffenen Gebiete wie China, Hongkong und Italien nur, wenn Vorgesetzte aus beiden Ländern zustimmen. “Wir haben gut vorbereitete Notfallpläne und Managementteams, die die Situation sehr genau beobachten”, sagte eine Sprecherin. “Wir verfolgen die Einschätzung und Beratung der Regierungsbehörden und ändern unsere Verfahren entsprechend.” Es gebe derzeit bei der Bank keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Ob größere Events stattfänden, werde von Fall zu Fall geprüft. In drei Wochen feiert die Deutsche Bank in Berlin mit zahlreichen Gästen ihren 150-jährigen Geburtstag. Die Commerzbank sagte bereits internationale Veranstaltungen wie eine im März geplante Führungskräftetagung ab. Auch für Geschäftsreisen gibt es seit einigen Tagen Einschränkungen.

FIEBERMESSEN IN MAILAND

Wie zahlreiche andere Geldhäuser bittet auch die BayernLB ihre Mitarbeiter, die aus einem den Krisengebieten zurückkehren, erst einmal zu Hause zu bleiben. Die Mitarbeiter in der Mailänder Niederlassung hätten in der vergangenen Woche im Home Office gearbeitet, sagte ein Sprecher. Dienstreisen in gefährdete Regionen würden – soweit möglich – unterlassen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) stellt im Zuge ihrer Pandemieplanung sicher, dass Mitarbeiter tatsächlich von zuhause arbeiten können. So werden Endgeräte zur externen Einwahl in das Banksystem (Token) bereitgestellt, wie ein Banksprecher sagte.

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Bei der UniCredit in Italien, dem in Europa am stärksten vom Coronavirus betroffenen Land, wird bei Personen seit vergangener Woche an den Eingängen von größeren Filialen die Körpertemperatur gemessen. Zudem stellt die Bank Atemmasken, Desinfektionsmittel und antibakterielles Gel zum Händewaschen zur Verfügung. Nachdem bei einem Mitarbeiter in Mailand das Virus nachgewiesen worden sei, habe das Institut die Abteilung ins Homeoffice geschickt und den Arbeitsbereich umfassend gereinigt. Alle Kollegen, die mit dem Mitarbeiter in Kontakt gestanden hätten, seien aufgefordert, sich 14 Tage lang selbst in Quarantäne zu begeben, teilte die Bank mit.

Regelmäßig desinfizieren die Geldhäuser Bedienfelder der Geldautomaten. Das Reinigen von Geldnoten, was offenbar in China gemacht wird, hält die Bundesbank dagegen für nicht notwendig. Das Virus werde nach jetzigem Stand nicht über Euro-Banknoten verbreitet, erklärte die Bundesbank. Der mögliche Einfluss von Produktion und Umlauf der Euro-Scheine auf die öffentliche Gesundheit werde aber ohnehin regelmäßig überprüft.

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