Biden hebt am “Superdienstag” ab – aber wichtige Staaten stehen noch aus

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Washington – Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten verengt sich auf ein hart umkämpftes Duell zwischen Joe Biden und Bernie Sanders.

Die beiden Rivalen schnitten nach ersten Prognosen am “Super Tuesday”, dem wichtigsten Tag der Vorwahlen, mit Abstand am besten ab. Vor allem der noch vor einer Woche abgeschriebene Ex-Vizepräsident Biden startete durch. Der 77-Jährige, der für das moderate Lager steht, fuhr wichtige Siege in mindestens acht der insgesamt 14 Bundesstaaten ein, in denen am Dienstag abgestimmt wurde. Der bisherige Spitzenreiter Sanders vom linken Parteiflügel setzte sich in drei Bundesstaaten ab, steuerte aber auch in Kalifornien nach Berechnungen von US-Medien auf einen wichtigen Erfolg zu. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat hat die meisten Delegierten zu vergeben, die am Ende für die Präsidentenwahl im November den Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump nominieren.

Auch in Texas, dem zweitwichtigsten Schlüsselstaat des Super-Wahltags, lief die Auszählung der Stimmen noch. Hier zeichnete sich wie in Maine ebenfalls ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Biden und Sanders ab. Der Milliardär Michael Bloomberg konnte im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa punkten, lag ersten Auszählungen zufolge aber in Kalifornien immerhin noch vor Biden auf Platz zwei. Der Ex-Bürgermeister von New York stand das erste Mal auf den Wahlzetteln. Die ersten vier Vorwahlen im Februar hatte er ausgelassen und sich stattdessen ganz auf den “Super Tuesday” konzentriert und dafür 500 Millionen Dollar in Wahlwerbung gesteckt. Medienberichten zufolge wollte er die Zukunft seiner Kampagne überdenken. Seine Sprecherin Julie Wood betonte allerdings, dies müsse nicht heißen, dass Bloomberg das Handtuch werfe.

“WIR SIND SEHR DEUTLICH AM LEBEN”

Sollte er aussteigen, dürfte davon am ehesten Biden profitieren, da auch Bloomberg vor allem Wähler in der politischen Mitte anspricht. Biden war vor Beginn des Vorwahlmarathons lange als Favorit gehandelt worden, schnitt dann aber überraschend schwach in den ersten drei Wettbewerben ab. Erst am Samstag gelang ihm in South Carolina ein dringend benötigter Etappensieg. Biden, der acht Jahre Stellvertreter von Barack Obama im Weißen Haus war, verdankte dies wie auch am “Super Tuesday” besonders seiner Beliebtheit bei afroamerikanischen Wählern. Nach South Carolina stiegen seine direkten Konkurrenten Pete Buttigieg und Amy Klobuchar aus dem Rennen aus und empfahlen ihren Anhängern, Biden zu wählen.

Das zahlte sich am Dienstag offenbar aus. Statt Stimmen an zu viele andere moderate Bewerber zu verlieren, sammelte Biden in Alabama, Arkansas, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia die meisten Delegierten ein. “Sie nennen es nicht umsonst ‘Super Tuesday’”, sagte Biden. “Wir sind sehr deutlich am Leben.”

Doch auch Sanders zeigte sich nach wie vor siegessicher. “Wir werden die Nominierung der Demokraten gewinnen, und wir werden den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes besiegen”, sagte der 78-Jährige vor Anhängern in Vermont. Sanders holte dort sowie in Colorado und Utah die meisten Stimmen. 2016 war er im Kampf um das Kandidatenticket nur knapp an Hillary Clinton gescheitert, die anschließend dem Republikaner Trump unterlag.

MITTE ODER LINKS?

Der Zweikampf Biden/Sanders steht stellvertretend für den Richtungsstreit in der Demokratischen Partei. Während Biden dafür plädiert, die tief gespaltenen USA nach vier Jahren Trump wieder zu einen, stilisiert sich Sanders selbst als demokratischer Sozialist, der aus amerikanischer Sicht eine Reihe äußerst linker Positionen vertritt. Sollte der Wall-Street-Kritiker Kandidat werden und gegen Trump gewinnen, dürfte das an den Börsen für Unruhe sorgen.

Insgesamt ging es am Dienstag auf einen Schlag um mehr als ein Drittel der 3979 Delegiertenstimmen. Je besser ein Bewerber in einem Staat abschneidet, umso mehr dieser Stimmen erhält er. Für eine Nominierung auf dem Parteitag der Demokraten im Juli muss ein Bewerber mindestens 1991 Delegierte hinter sich vereinen.

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