Continental will Sparprogramm nach Rekordverlusten intensivieren

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Hamburg – Der Autozulieferer Continental ist tief in die roten Zahlen geraten und will sein Sparprogramm verschärfen.

“Die Unsicherheit in den für uns relevanten Industrien wächst zusehends. Eine erhoffte konjunkturelle Erholung wird sich weiter verzögern”, sagte Konzernchef Elmar Degenhart am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanz für das vergangene Jahr. Daher prüfe das Management nun, wie man über das bereits laufende Strukturprogramm hinaus mit zusätzlichen Maßnahmen reagieren könne. Die Aktionäre, darunter als größter die Familieneigner des fränkischen Zulieferers Schaeffler, sollen trotz des schlechtesten Ergebnisses seit zehn Jahren vier Euro Dividende je Aktie erhalten. Für das Jahr davor waren 4,75 Euro je Anteilsschein geflossen.

Das wirtschaftliche Umfeld werde 2020 herausfordernd bleiben, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Dazu zählte er neben Produktionsrückgängen, Turbulenzen durch die Coronavirus-Epidemie, Handelskonflikten und den schärferen Abgasvorschriften in Europa auch die sich rasant entwickelnde Digitalisierung. Die globale Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen werde voraussichtlich um zwei bis fünf Prozent sinken. Darin seien die bis zum heutigen Tag erfassten Auswirkungen durch das Coronavirus berücksichtigt. Die weiteren Folgen der sich ausbreitenden Epidemie seien nicht abschätzbar.

Wegen der Unsicherheit rechnet der weltweit drittgrößte Autozulieferer in diesem Jahr bestenfalls mit einem stabilen Konzernumsatz von 44,5 Milliarden Euro, hält aber auch einen Rückgang auf 42,5 Milliarden Euro für möglich. Bei der bereinigten operativen Rendite nimmt sich das Management eine Spanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent vor. Im abgelaufenen Jahr war die Marge auf 7,4 (9,3) Prozent geschrumpft. Hohe Abschreibungen und Kosten für den Umbau sorgten 2019 für einen Nettoverlust von 1,2 Milliarden Euro – das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren, wie ein Sprecher sagte. Im Vorjahr hatte ein Konzerngewinn von 2,9 Milliarden Euro zu Buche gestanden.

Conti hatte im Herbst milliardenschwere Sonderbelastungen angekündigt, von denen der größte Teil auf Wertberichtigungen auf das Geschäft mit Innenausstattungen von Autos entfällt. Hinzu kamen Kosten für Restrukturierungen, mit denen sich der Konzern gegen die Autokrise stemmt und zugleich stärker auf die Digitalisierung und die Elektromobilität ausrichtet. Conti hat einen radikalen Umbau angekündigt, von dem bis 2029 bis zu 20.000 Arbeitnehmer weltweit betroffen sein werden.

Die Niedersachsen verschenken zudem ihre abgespaltene Antriebssparte Vitesco Technologies an die eigenen Aktionäre, statt – wie zunächst geplant – einen Teil davon an die Börse zu bringen. Mit der Abspaltung reagiert der Konzern auf die Branchenkrise, von der Vitesco-Kunden wie Daimler, Audi, Renault und Peugeot mit der Tochter Opel betroffen sind. Allein könne sich Vitesco besser auf die Zukunft ausrichten, lautet die Begründung. Die ertragsschwache Sparte macht mehr als 90 Prozent ihrer Umsätze mit Komponenten für Verbrennungsmotoren, weniger als zehn Prozent der Jahreserlöse von zuletzt rund 7,7 Milliarden Euro stammen aus dem Geschäft mit Teilen für Elektroantriebe.

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