Corona: Ambulanten Pflegediensten geht Schutzkleidung aus – Top Meldungen

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Den ambulanten Pflegediensten in Bayern fehlen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Ohne Nachlieferungen können sie Bedürftige bald nicht mehr zu Hause versorgen – Krankenhäuser werden stärker belastet. Sie brauchen jetzt schnell Hilfe.

Versorgungsengpässe durch die Corona-Pandemie treffen die ambulanten Pflegedienste in Bayern besonders hart. Ihnen fehlen die grundlegenden Hygienematerialien zur Versorgung der Kranken und Pflegebedürftigen zu Hause. Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz, Desinfektionsmittel sind in vielen Einrichtungen rar geworden und auf dem Markt nur noch zu überhöhten Preisen erhältlich. Die kriminelle Energie der Verkäufer sei enorm, sagt ein Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes: “Wir werden in einer Tour über den Tisch gezogen.”

Die Lage sei ernst, die Reserven werden knapp, bekräftigt auch die Caritas Bayern. Doch ohne ihre Schutzausrüstung können Pflegerinnen und Pfleger nicht in die Wohnungen von Menschen mit Virus-Infektionen oder alten Menschen, die durch den SARS-CoV-2 Erreger besonders gefährdet sind. Die Gefahr einer Ansteckung oder Übertragung von Krankheiten wäre viel zu hoch. “Im schlimmsten Fall müssen wir unsere Dienste einstellen”, gab das Bayerische Rote Kreuz bekannt.

Diese Entscheidung wäre radikal aber zwingend und würde das bayerische Gesundheitssystem vor eine Zerreißprobe stellen. Denn kranke und pflegebedürftige Menschen, die nicht zu Hause versorgt werden können, müssten auf Krankenhäuser verwiesen werden. “Das wäre in dieser Situation fatal und könnte die Versorgungslage in den Krankenhäusern zuspitzen”, sagt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, DBfK Südost.

Was also tun? Georg Sigl-Lehner ist Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern und leitet das Pflegeheim St. Klara in Altötting. Er gibt zu: “Wir waren auf die Dimension des Coronavirus nicht vorbereitet. Die Welle rollt auf uns zu und wir haben keine Schutzkleidung. Aber wir sind es, die vor Ort gerüstet sein müssen.” Georg Sigl-Lehner will die angespannte Lage deshalb selbst ein Stück weit entschärfen. Reine Wut auf die gescheiterten Lieferketten und Vorwürfe an die Politik bringen ihm und den Pflegekräften schließlich noch keine neue Schutzkleidung.

Stattdessen wirbt der Präsident der Vereinigung der Pflegenden bei Handwerksbetrieben um Schutzmasken. Denn das begehrte Gut werde auch von Schreinereien, Trockenbauern oder Lackierern genutzt, so Sigl-Lehner. Regionale Betriebe sollten ihre Bestände prüfen und direkt an die örtlichen Einrichtungen abgeben. Es wäre ein Zeichen der Solidarität. Vom Bayerischen Handwerkstag kommt Zustimmung. Der Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl sagte, er unterstütze die Idee “von ganzem Herzen”. Auch das Bayerischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit (LGL) äußert sich positiv über den Aufruf. Die Idee sei “grundsätzlich sehr gut”, sagte ein Sprecher.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat inzwischen auf den Mangel reagiert und FFP2/FFP3- und OP-Masken, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel angeschafft. Mehr als 800.000 Schutzmasken seien im bayerischen Zentrallager angekommen, gab Ministerpräsident Markus Söder bekannt.

Weitere Lieferungen durch den Bund und die Eigenproduktion im Freistaat würden folgen. Die Weitergabe an die Pflegeeinrichtungen vor Ort sollen jetzt die Katastrophenschutzbehörden der Landratsämter und kreisfreie Städte gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk koordinieren. Die Reihenfolge werde durch die medizinische Notwendigkeit bestimmt, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Wann und wie viel Schutzausrüstung sie bekommen, wissen die Caritas Bayern, das Bayerisches Kreuz und die vielen anderen ambulanten Pflegedienste, die gerade von Haustür zu Haustür fahren, also noch nicht.

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Im schlimmsten Fall muss ambulante Pflege ihre Dienste einstellen

Folge wäre eine Überlastung der Krankenhäuser

Corona-Pandemie traf Pflege unvorbereitet: schnelle Hilfen sind nötig

Schutzmasken von Handwerksbetrieben sollen Lage entschärfen

Auch die bayerischen Behörden reagieren

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