“Corona-Warn-App”: Die Vertrauensfrage – Top News

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Das erklärte Ziel der Corona-Warn-App ist es, die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen.

Bislang geschieht diese Kontaktnachverfolgung oftmals analog.

Personen, die sich mit Covid-19 infiziert haben, müssen sich daran erinnern, wem sie in der Vergangenheit begegnet sind.

Das ist fehleranfällig und langsam, oftmals wissen auch die betroffenen Personen gar nicht, wen sie angesteckt haben könnten, etwa unbekannte Mitfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine App könnte hierbei zumindest einen Beitrag leisten, potenzielle Kontaktpersonen anonym zu warnen und so Infektionsketten zu unterbrechen.

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Dabei ist die Rechnung relativ einfach: Wenn beispielsweise die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger die App auf ihrem Gerät installiert haben, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit lediglich 25 Prozent, dass bei einer Begegnung zweier Personen beide die App verwenden.

Immer wieder wird deswegen die Zahl von 60 oder 70 Prozent der Bevölkerung genannt, die sich die App installieren müsste, damit das Programm einen signifikanten Unterschied im Pandemie-Management macht.

Das ist ambitioniert, schon alleine, weil viele Menschen gar kein Smartphone haben.

Zum Vergleich: 60 Prozent der Bevölkerung zu erreichen, das schafft sonst nur Whatsapp.

Keine der Tracing-Apps, die bislang international eingesetzt werden, erreicht diese Durchdringung.

Die höchste Adaptionsrate wird in Island erzielt.

40 Prozent der Bürger haben sich dort “Rakning C-19” installiert.

Der Beitrag zur Corona-Bekämpfung ist aber offenbar eher gering.

💡 Was ist der Sinn einer Corona-Warn-App?

Immer wieder wurde sie verschoben, doch jetzt hat sie immerhin schon mal einen Namen: SAP hat ein Papier zur geplanten “Corona-Warn-App” vorgelegt.

Doch eine Frage bleibt: Werden genügend Bürger die App installieren?

In Island heißt sie “Rakning C-19”, in Kolumbien “CoronApp” und in Nordmazedonien “StopKorona!”.

In vielen Ländern sind schon Corona-Apps im Einsatz, in Deutschland soll es im Juni so weit sein, nachdem der Start bereits mehrmals verschoben wurde.

Nun aber wird es konkret.

Entwickelt wird die App von SAP und der deutschen Telekom.

Die SAP-Entwickler haben nun eine erste Dokumentation zur sogenannten “Corona Warn-App” ins Netz gestellt.

Die wichtigste Nachricht: Die App soll quelloffen sein, womit eine wesentliche Forderung von Netzaktivisten und Datenschützern erfüllt wird.

Quelloffen heißt, dass der Programmcode der App öffentlich einsehbar ist.

So können Experten überprüfen, wie die App programmiert ist, ob es Sicherheitslücken gibt und ob der Datenschutz gewährleistet ist.

Das auch deswegen wichtig, weil Vertrauen die vermutlich wichtigste Ressource ist, die über den Erfolg einer Tracing-App entscheidet.

Denn die Installation der App wird vermutlich freiwillig sein und nur wenn sie viele Menschen benutzen, kann sie im Kampf gegen Corona helfen.

Dennoch: Nach Ansicht vieler Epidemiologen könnte eine solche App zumindest einer von mehreren Bausteinen sein in einer Anti-Corona-Strategie.

Deswegen müssen möglichst viele Bürger davon überzeugt werden, eine solche App auf ihr Handy zu lassen, meinen viele Politiker.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei hatte deswegen kürzlich Steuernachlässe für Corona-App-Benutzer ins Spiel gebracht.

Vor ein paar Tagen schlug der CDU-Europaabgeordnete Axel Voss vor, dass App-Besitzer als Erste etwa Freibäder und Kinos wieder aufsuchen dürfen sollten.

Ambitionierte Ziele

Axel Voss: Ins Freibad nur mit App

Was hilfreich wäre: Eine gute App

Ein Ticket zum Test?

Kommt ein Tracing-Gesetz?

Im Papier von SAP hält man sich dazu eher bedeckt, aber daraus geht auch hervor, dass man sich als User über die Corona-Warn-App über sein eigenes Corona-Testergebnis informieren kann, immerhin ein kleiner Mehrwert.

Das passt auch zum Vorschlag mancher Epidemiologen, die sich die App als eine Art “Ticket zum Test” vorstellen könnten.

Wer von der App signalisiert bekommt, dass ein Kontakt zu einer infizierten Person stattgefunden hat, könnte einen Anspruch auf einen Corona-Test bekommen, so die Überlegung.

Immer wieder wurde sie verschoben, doch jetzt hat sie immerhin schon mal einen Namen: SAP hat ein Papier zur geplanten “Corona-Warn-App” vorgelegt.

Doch eine Frage bleibt: Werden genügend Bürger die App installieren?

Dabei gebe es nachvollziehbarere Anreize, die man setzen könnte.

“Informations – und Kommunikationsmöglichkeiten, spezifische Informationen zum Geschehen, Hilfestellung, all das könnte als Zusatznutzen in eine solche App integriert werden”, sagt zum Beispiel Alfred Winter vom Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig.

Es muss also letztlich darum gehen, eine gute und nützliche App zu bauen, die die Bürger gerne benutzen und ihnen durch die Corona-Zeit hilft.

Eine gute, datenschutzfreundliche App und Anreize, die niemanden benachteiligen, dazu eine transparente und offene Kommunikation: Das könnten die Bausteine sein, um das Projekt “Corona Warn-App” zu einem Erfolg zu machen.

Ein möglicher weiterer Baustein: Ein eigenes Gesetz zu Tracing-Apps, wie es Netzaktivisten oder die Grünen fordern.

Hier könnten dann Fragen des Datenschutzes und Sicherheitsstandards festgeschrieben werden.

Bislang plant die Koalition ein solches Gesetz nicht, die SPD will aber prüfen, ob ein eigenes Gesetz notwendig ist.

“Corona-Warn-App”: Die Vertrauensfrage

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