Die Salzburger Jubiläums-Festspiele sind gefährdet – Top Meldungen

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Intendant Markus Hinterhäuser will spätestens bis Mitte Mai entscheiden, ob die Festspiele in diesem Sommer ihren 100. Geburtstag feiern können. Eine Verschiebung in den Herbst sei ausgeschlossen, womöglich sind die Produktionen erst 2021 zu sehen.

“Naja, eine Prognose kann ich nicht erstellen, die kann niemand erstellen”, sagt Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser gegenüber dem BR. “Allerdings deutet nichts darauf hin, dass sich die Weltsituation in absehbarer Zeit bessern wird.” Zu Optimismus hat Hinterhäuser derzeit also kaum Anlass. Selbst, wenn die restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, wie Kontakt- und Reiseverbote, in drei, vier oder sechs Wochen wieder gelockert würden, werden die Auswirkungen dieser Maßnahmen doch noch lange zu spüren sein, und die Durchführung der Festspiele im Sommer gefährdet sein, befürchtet Hinterhäuser.

“Die Deadline wird kommen”, so Hinterhäuser: “Das hat mit dem Beginn der Proben zu tun, das hat mit vielen Dingen zu tun, die wochenlang vor Beginn der Festspiele stattfinden müssen. Es hat auch mit Prozessen und Mechanismen zu tun, die jetzt, im aktuellen Moment, geschehen müssten, wie die Herstellung von Bühnenbildern, von Kostümen. Das ist alles ausgesetzt. Wir arbeiten natürlich im berühmten Homeoffice, aber dennoch, wenn Firmen beauftragt wurden, die nicht in Salzburg sind, die in anderen Ländern sind, die uns derzeit alle verschlossen sind, da wird man kaum Einfluss drauf haben. Es ist eine sehr, sehr komplizierte Situation. Es gibt im Moment keine Deadline, aber sie wird früher kommen, als wir glauben. Ich denke, dass allerspätestens Mitte Mai eine Entscheidung getroffen werden muss, ob das überhaupt realisierbar ist.”

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Noch allerdings hofft Hinterhäuser, die Salzburger Festspiele, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstags feiern, am 18. Juli planmäßig mit dem “Jedermann” eröffnen zu können. Entscheiden darüber werde letztlich aber allein die Politik, die die Vorgaben mache, meint Hinterhäuser. Die weltweite Vernetzung der Festspiele, sowohl, was die ausführenden Musiker und Künstler, als auch, was das Publikum betrifft, sei aber ein großes Problem: “Zu den geschilderten Produktions- und Proben-Mechanismen kommt noch die ganze Reisetätigkeit hinzu. Im Normalfall kommen Menschen aus über achtzig Ländern nach Salzburg. Das sind Künstlerinnen und Künstler, die aus unglaublich vielen Weltgegenden in Salzburg zusammen finden. Ich bin nicht das Orakel, ich kann da gar keine Prognose erstellen. Allerdings schaut es, freundlich formuliert, schwierig aus.”

Auch wenn man die Hoffnung derzeit noch nicht aufgegeben hat, die Festspiele im Sommer durchführen zu können, werde natürlich über ein Worst-Case-Szenario nachgedacht. Eine Verschiebung in den Herbst hinein sei allerdings keine Option: “Wir können die Festspiele nicht in den Herbst verschieben. Das ist vollkommen unmöglich. Dann werden die ausfallen. Für mich als Intendant steht allerdings fest, dass ich soviel wie möglich in das nächste Jahr rüberschieben werde. Ich werde sicher keine dieser Produktionen, an denen nicht nur ideell und konzeptionell gearbeitet wird, sondern tatsächlich auch real gearbeitet wurde, wenn Sie an Bühnenbild und Kostüme denken, ich werde keine dieser Produktion vernichten. Es wird soviel wie möglich von meiner Seite ins nächste Jahr rüber gerettet werden. Wir werden dann in diesem Jahr eben nicht 100 Jahre Festspiele feiern können, sondern versuchen, das ins nächste Jahr zu verschieben, was immer möglich ist, und es wird vieles möglich sein.”

Anders als viele Theater und Opernhäuser können die Festspiele nach Auffassung von Hinterhäuser auch nicht ins Internet ausweichen: “Es ist eine relativ einfache Übung für eine Institution, die das ganze Jahr über ein Ensemble und ein Orchester hat, das ganze Jahr über Veranstaltungen macht, ein Opernhaus zum Beispiel, aus dem Fundus von Aufführungen Streaming anzubieten. Das können wir nicht. Ich kann Andris Nelsons nicht bitten, in Boston Mahlers Dritte Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern zu dirigieren, das geht einfach nicht. Das wird nicht funktionieren. Was wir allerdings machen können, und da haben wir das größte Public Viewing der Welt, im Sommer bei den Festspielnächten am Salzburger Kapitelplatz Produktionen zu zeigen, die es schon gibt. Das werden wir anbieten.”

Welche Folgen eine Absage der Festspiele in finanzieller Hinsicht haben und wie das Defizit aufgefangen werden könnte, darüber habe er sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weitergehenden Gedanken gemacht, so Hinterhäuser. Nur soviel sei klar: es wird sehr kompliziert werden: “Ja, das ist eine Frage, die nich jetzt nicht präzise beantworten kann. Das hat mir vielen rechtlichen Dingen zu tun und damit, ob es behördlich untersagt ist, ob es irgendeine Art höherer Gewalt gibt, die im Spiel ist. Wir haben unzählige Verträge, es wird eine große Herausforderung sein, da eine Lösung zu finden.”

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Mitte Mai muss entschieden werden

Verschiebung in den Herbst unmöglich

Finanzielle Folgen unübersehbar

Die Salzburger Jubiläums-Festspiele sind gefährdet

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