Die Uhr tickt im Kampf gegen das Coronavirus – Krisenstab in Berlin

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Berlin – Angesichts der rasanten globalen Ausbreitung des Coronavirus verschärfen zahlreiche Länder ihre Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.

Die Bundesregierung richtete einen Krisenstab ein. Innenminister Horst Seehofer sagte am Donnerstag in Berlin, die Lage habe sich “deutlich verschärft”. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Epidemie auch in Deutschland ausbreite, ergänzte Gesundheitsminister Jens Spahn. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte Firmen Hilfe zu. Förderinstrumente könnten notfalls verstärkt werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnte, das Virus übertrage sich sehr leicht. “Wir müssen Zeit gewinnen”, sagte RKI-Leiter Lothar Wieler. Weder gebe es einen Impfstoff noch wisse man, welche Therapeutika helfen. Die Sterberate sei höher als bei der Grippe.

“Es deutet alles darauf hin, dass die Welt bald in eine pandemische Phase des Coronavirus eintritt”, befand Australiens Premierminister Scott Morrison in Canberra. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, der Ausbruch sei “eine Krise, eine Epidemie, die unterwegs ist”. Erstmals übertraf die Zahl der Neuerkrankungen, die binnen 24 Stunden rund um die Welt hinzukamen, die Zahl derer, die aus China gemeldet wurden. Die Volksrepublik, wo das neuartige Virus erstmals Ende Dezember auftauchte, ist aber weiter mit Abstand am stärksten betroffen. Mehr als 78.500 Fälle wurden dort gezählt, 2746 Menschen starben. Darüber hinaus hat sich die Krankheit auf 44 weitere Länder ausgebreitet. Mehr als 3200 Menschen wurden außerhalb Chinas positiv getestet, mehr als 50 starben.

In Deutschland wurden bislang mehr als ein Dutzend Fälle bestätigt. Ob das Virus derzeit unter Kontrolle sei, könne man nicht wissen, sagte RKI-Chef Wieler auf der ersten von bis auf weiteres täglich geplanten Informationsveranstaltungen zur Lage. “Wir gehen davon aus, dass es unter Kontrolle gebracht wird.” Wenn es neue Ausbrüche gebe, könne es aber natürlich sein, “dass wir irgendwann die Kontrolle tatsächlich nicht mehr haben”. Die gute Nachricht sei, dass mehr als 80 Prozent der Infizierten nur milde Symptome aufwiesen. Aber rund 15 Prozent erkrankten schwer. “Das ist viel.” Etwa ein bis zwei Prozent sterben nach bisherigen Erkenntnissen. “Das ist eine schwere Krankheitsform.”

INFEKTIONSKETTEN UNTERBRECHEN

Spahn forderte Reisende, die aus China, Südkorea, Japan, Iran und Italien nach Deutschland zurückkehrten, dazu auf, den Behörden umgehend ihren Aufenthaltsort zu melden. Spezielle Grenzkontrollen als Maßnahme zur Virus-Eindämmung soll es nach Angaben der EU-Kommission aber bis auf weiteres nicht geben.

Wichtig sei, sich regelmäßig die Hände zu waschen und nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge zu niesen, sagte RKI-Präsident Wieler. Gegebenenfalls solle man von zu Hause arbeiten und Großveranstaltung meiden. Es gebe aber derzeit keinen Anlass, ähnlich wie in Italien oder China ganze Städte abzuriegeln. Rein zeitlich sei es nicht möglich sei, dieses Jahr noch einen Impfstoff zuzulassen, sagte er. Zwar werde ein solcher wohl noch 2020 entwickelt, aber er müsse auch getestet werden. Fortschritte seien dagegen bei Präparaten zur Behandlung von Krankheitsfällen zu erwarten.

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WIRTSCHAFT SPÜRT FOLGEN VON VIRUS SCHON JETZT

Die deutsche Autobranche dämpfte die Erwartungen für 2020 wegen des Ausbruchs des Coronavirus schon jetzt. Die Pkw-Neuzulassungen im Heimatmarkt würden um sechs Prozent sinken, warnte der Verband der Automobilindustrie (VDA). Zuvor war man von einem Minus von vier Prozent ausgegangen. Der wichtige Exportmarkt China werde noch stärker betroffen sein. Dort rechne man sogar mit einem Szenario von bis zu sieben Prozent Minus, nachdem man bisher einen Rückgang von zwei Prozent erwartet hatte. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte jedoch, die genauen Auswirkungen des Virus könnten noch gar nicht beziffert werden. “Das Coronavirus wirkt sich spürbar entlang der Lieferketten der Hersteller und Zulieferer aus.” Ein schnelles Abklingen sei nicht zu erwarten. Der für die Branche wichtige Genfer Autosalon in der nächsten Woche soll aber stattfinden. Unklar ist, ob die Internationale Tourismusbörse ITB nächste Woche in Berlin starten kann. Der Krisenstab des Bundes kündigte für Freitag eine Einschätzung an.

Zuletzt griff das Virus, das Lungenentzündungen verursachen kann, auch in Europa immer stärker um sich, besonders in Italien, wo die Infektionszahl auf über 500 stieg und mittlerweile 14 Menschen gestorben sind. In Südamerika ist das Virus ebenfalls angekommen. Mit 26 gibt es die meisten Toten außerhalb Chinas im Iran. Die meisten Infektionsfälle nach China zählt Südkorea. Binnen eines Tages schnellte die Zahl um 334 auf 1595 in die Höhe. Gemeinsame Militärmanöver mit den USA wurden vorsorglich verschoben. In den USA ist das Virus nach Angaben von Präsident Donald Trump nur sehr langsam auf dem Vormarsch.

In Japan, wo mehr als 190 Menschen erkrankt sind, sollen die Schulen im März geschlossen bleiben. Immer mehr wird daran gezweifelt, ob es nicht auch Folgen für die Olympischen Spiele geben wird, die in Tokio am 24. Juli beginnen sollen.

Die Krise schlägt auch voll auf die Finanzmärkte durch. Nach wochenlangen Höhenflügen stecken sie seit sechs Handelstagen tief im roten Bereich. Mehr als 3,6 Billionen Dollar an Börsenwert wurde vernichtet. Befürchtet werden schwere Folgen für die Konjunktur in zahlreichen Ländern.

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