Glaubenskrieg um Corona-App: Streit verzögert Einführung – Top News

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Der Virologe Christian Drosten etwa bezeichnet eine solche App als “bevorzugtes Werkzeug”, um Infektionswege zurückzuverfolgen.

Die große Hoffnung: Irgendwann müssen nicht mehr 83 Millionen Deutsche in Quarantäne verharren, sondern nur diejenigen, die mit einer infizierten Person Kontakt hatten.

Das Leben könnte sich etwas normalisieren, ohne dass die Anzahl der Infektionen erneut explodiert.

Datensparsam, anonym, effektiv: Eigentlich sollte PEPP-PT die Grundlage liefern für eine Corona-App.

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Doch jetzt ist offener Streit ausgebrochen, das Projekt steht unter Beschuss.

Was ist da schief gelaufen?

Es hatte ein bisschen was von einem Avengers-Film, wo sich bekanntlich unterschiedliche Charaktere zusammenraufen, um der Welt etwas Gutes zu tun.

Für PEPP-PT hatten sich Wissenschaftler, Unternehmen und Virologen zusammengerauft, um der Welt ebenfalls etwas Gutes zu tun.

PEPP-PT, das sollte die technische Basis sein für Corona-Tracing-Apps in ganz Europa.

Tracing-App wiederum sollen irgendwann dabei mithelfen, Kontakte von Corona-Infizierten nachzuverfolgen, um die Pandemie einzudämmen.

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Die Idee, hinter der sich die meisten Experten und Datenschützer versammeln können, ist die, eine Tracing-App auf Basis von Bluetooth zu entwickeln.

Das hätte den Vorteil, dass keine Bewegungsprofile angelegt werden müssen.

Die App würde stattdessen pseudonymisiert nur das analysieren, auf was es wirklich ankommt: Welche Personen hatten zueinander Kontakt? Oder genauer: Welche pseudonymisierten Smartphones hatten zueinander Kontakt?

Datensparsames Contact-Tracing per Bluetooth

Probleme.

Herausforderungen.

Offene Fragen.

Zentral oder dezentral: Das ist hier die Frage

Christian Boos: Länder sollen entscheiden

Ein leidenschaftlicher Streit und ein offener Brief

Am Ende doch ein Flickenteppich?

Anders als in China, Südkorea oder Israel, wo Anti Corona-Apps im Einsatz sind, will man hier großen Wert legen auf den Datenschutz.

Eine solche App soll schließlich freiwillig sein, das heißt, sie muss so gestaltet sein, dass die Bürger keine Angst um ihre Privatsphäre haben und keine Bedenken haben, eine solche App zu installieren.

– Wie sicher ist Bluetooth?

Datensparsam, anonym, effektiv: Eigentlich sollte PEPP-PT die Grundlage liefern für eine Corona-App.

Doch jetzt ist offener Streit ausgebrochen, das Projekt steht unter Beschuss.

Was ist da schief gelaufen?

– Was ist mit Menschen, die kein Smartphone haben?

Natürlich hat das Konzept einige Probleme, Herausforderungen und offene Fragen.

Dazu gehört:

– Was, wenn sich zu wenig Menschen die App installieren?

– Was passiert mit den Daten?

– Wie gut ist die Messung?

– Was, wenn die App falschen Alarm schlägt?

Glaubenskrieg um Corona-App: Streit verzögert Einführung

– Was, wenn die App missbraucht wird und Leute sich “zum Spaß” als infiziert melden?

Auf manche dieser Fragen gibt es Antworten.

Bei anderen, etwa der Frage, wie zuverlässig Bluetooth einen Kontakt wirklich messen kann, wird man abwarten und gegebenenfalls nachjustieren müssen.

Und über allem steht außerdem die Tatsache, dass die Kontaktnachverfolgung, so wie sie heute von den Gesundheitsbehörden mit Hilfe von Telefon, Stift und Papier durchgeführt wird, auch gewaltige Probleme mit sich bringt und ebenfalls nicht besonders zuverlässig ist.

– Wieder einmal wird versucht, ein soziales Problem technisch zu lösen.

Das kann nicht funktionieren.

Im Fall der Tracing-App heißt das: Sollen sensible Daten an einen zentralen Server geschickt werden? Oder sollen sie auf den Geräten verbleiben und nur mit anderen Geräten ausgetauscht werden? Der IT-Unternehmer und PEPP-PT-Mitinitiator Christian Boos sagt im Gespräch mit BR24, dass ihm das letztlich egal sei.

Beide Systeme hätten Vor- und Nachteile, letztlich müssten die jeweiligen Länder entscheiden, welches System besser zu ihrem Gesundheitssystem passe.

Er selbst präferiert ein zentralisiertes System, Voraussetzung sei allerdings, dass der eingesetzte Server nicht “allwissend” sei.

Klar aber ist auch: Eine App, die kaum jemand auf sein Handy lassen will, kann und wird im Kampf gegen Corona nicht helfen.

Deswegen ist die größte Frage vermutlich weniger technischer als vielmehr psychologischer Natur: Wie kann man so viel Vertrauen für diese Lösung schaffen, dass der größte Teil der Bevölkerung mitmacht? Und hier sind wir dann doch wieder bei der Technik und bei einer Frage, über die die IT-Community seit Jahrzehnten streitet: Soll ein System zentralisiert funktionieren oder dezentral?

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