Hält das Internet der Corona-Krise stand? – Top Meldungen

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In ganz Deutschland bleiben die Menschen zuhause – Homeoffice statt Büro, Netflix statt Kino. Eine Herausforderung für die Infrastrukturen des Internets. Die Telekom hat deshalb einen Notfallplan aktiviert – und sogar die Netzneutralität wackelt.

In ganz Deutschland stellen Firmen und Organisationen gerade ihren Arbeitsbetrieb auf Homeoffice um. Sogar dieser Artikel wird nicht, wie üblich, aus dem BR24-Newsroom in München online gestellt, sondern aus dem Wohnzimmer des Redakteurs. Die Umstellung klappt mal mehr, mal weniger gut – aber immer drängt sich eine Frage auf: Wenn immer mehr Menschen von zuhause arbeiten, und auch sonst einen Kino- oder Theaterbesuch zwangsweise gegen einen Netflix-Abend eintauschen müssen – ist das für die Infrastruktur des Internets in Deutschland zu viel?

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Die Sorge ist erstmal berechtigt: Genau wie alle anderen Versorgungsnetze kann auch die Internetversorgung überlastet sein. Das weiß jeder, der einmal auf einem vollen Festivalgelände versucht hat, auf dem Smartphone eine Website zu laden. Auch andere Länder machen sich über die kommende Belastung Gedanken. “Wir wissen einfach nicht, wie die Infrastruktur das alles aushalten wird”, sagte der amerikanische Kommunikationsexperte Tom Wheeler der New York Times. Und in Italien ist der Datenverkehr massiv in die Höhe geschossen – Schuld sind vor allem Videospiele.

BR24 hat deshalb bei der Deutschen Telekom AG nachgefragt, wie es um den Stand der deutschen Netze steht. Ein Sprecher sagt: “Aktuell verzeichnen wir keinen nennenswerten Anstieg des Datenverkehrs.” Man habe außerdem bereits im Januar die “Notfall- und Pandemiepläne” aktiviert. Oberstes Ziel sei es, “den Betrieb der Infrastruktur sicherzustellen und aufrechtzuerhalten”.

Aber trotzdem muss man über den Ernstfall nachdenken: Was, wenn der Freizeitkonsum im Internet durch Netflix und YouTube in ein paar Wochen so viel Bandbreite zieht, dass das ganze Netz lahmt? Das wäre fatal. Viele Unternehmen, aber auch medizinische Facheinrichtungen, die das Coronavirus bekämpfen, sind auf schnelles Internet angewiesen. Allerdings verbietet es EU-Recht, bestimmte Dienste anders zu behandeln. Das regelt die Netzneutralität.

💡 Was ist die Netzneutralität?

Die Netzneutralität ist das Prinzip, das Internet-Provider keine Daten von bestimmten Quellen besser behandeln dürfen als andere. Wenn ein Anbieter twa die Videos eines bestimmten Streaming-Anbieters systematisch schneller und flüssiger anzeigen würde als die der Konkurrenz, so würde das gegen die Netzneutralität verstoßen. Die genaue Auslegung des Prinzips der Netzneutralität wird seit Jahren in der EU kontrovers diskutiert.

Auf Anfrage von BR24 erklärt jedoch die Bundesnetzagentur: Sogenanntes “Verkehrsmanagement”, also die bevorzugte Behandlung von bestimmten Datenströmen, sei grundsätzlich zulässig, solange “objektiv unterschiedliche technische Anforderungen” vorhanden seien. Ein lebenswichtiger Datenaustausch zwischen Kliniken ließe sich somit anders kategorisieren als ein Katzenvideo auf YouTube – und könne im Ernstfall auch entsprechend behandelt werden.

Zudem sieht die EU-Verordnung zur Netzneutralität Ausnahmen im Falle von einer “außergewöhnlichen Überlastung” vor, etwa im Falle einer “erheblichen Zunahme des Netzverkehrs aufgrund von Notsituationen”. Dass wir uns in einer solchen Notsituation befinden, dürfe kaum zu bezweifeln sein. Es steht also nicht zu befürchten, dass massenhaftes Video-Streaming das Netz zu überlastet. Im Ernstfall wird die Politik eingreifen können.

Wer im Fall der Fälle auf bestimmte Filme und Serien nicht verzichten möchte, der kann diese bei vielen Streaming-Anbietern auch herunterladen. So stünden Breaking Bad & Co. auch dann zur Verfügung, wenn das Netz schwächelt oder bestimmte Angebote gedrosselt werden. Auch das ist eine Form von Hamstern, nur eben eine sehr viel weniger gefährlichere als das analoge Hamstern, vor dem Experten und Politiker warnen. Wer hierbei das Netz schonen möchte, der solle eher Nebenverkehrszeiten nutzen. Etwa die Zeit zwischen 14 und 16 Uhr oder Nachts ab etwa 20 Uhr.

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