Ifo-Präsident sieht deutlich erhöhtes Rezessionsrisiko

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Berlin – Ifo-Präsident Clemens Fuest hält eine Rezession in Deutschland wegen der Coronavirus-Epidemie für möglich und sieht Notkredite für eigentlich gesunde Unternehmen als Medizin.

“Wir haben ein deutlich erhöhtes Rezessionsrisiko”, sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag vor Journalisten in Berlin angesichts unterbrochener Lieferketten und sinkender Nachfrage etwa in der Reisebranche. Steuersenkungen oder ein Investitionsprogramm der Regierung hält der Ökonom nicht für die richtige Antwort auf diese Krise. “Wenn Leute Angst haben vor einer Großveranstaltung oder davor, ins Kino zu gehen wegen des Coronavirus, dann werden sie jetzt nicht gehen, weil die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte sinkt”, begründete der Experte. Stattdessen sollte die Politik den Konkurs von Unternehmen verhindern, die eigentlich gesund sind – etwa mit Notkrediten. Auch Kurzarbeit sei ein geeignetes Mittel, solchen Firmen über schwierige Zeiten hinweg zu helfen.

Fuest sieht auch die großen Notenbanken am Zug, um negative Folgen für die Weltwirtschaft durch die Epidemie zu dämpfen. “Da kommt es vor allem auf die Fed an”, sagte er mit Blick auf die US-Notenbank Federal Reserve. Diese habe noch genügend Spielraum, um ihre Zinsen zu senken und mit billigerem Geld die Märkte zu beruhigen. Für die Europäische Zentralbank (EZB), die anders als die Fed seit Jahren eine Nullzinspolitik fährt, sei es etwas schwieriger. “Die EZB könnte Anleihekäufe jetzt noch ausweiten”, sagte Fuest. Dadurch würde mehr Geld in die Wirtschaft gedrückt werden.

Viel tun gegen die drohende weltweite Konjunkturflaute kann nach den Worten von Fuest US-Präsident Donald Trump. “Eigentlich wäre jetzt der Moment für Trump, die protektionistische Politik abzubauen”, sagte er mit Blick auf den Handelsstreit der USA mit China und anderen Ländern, der etwa zu Strafzöllen führte. Mit dem Abbau von Handelshemmnissen könnte ein wichtiger Impuls gesetzt werden. “Klar scheint mir zu sein, dass die Wiederwahl von Trump jetzt unwahrscheinlicher ist”, sagte Fuest. “Er kriegt jetzt eine Wirtschaftskrise. Und das schadet immer dem Amtsinhaber.” Die rationale Antwort auf die von der Epidemie ausgelöste Flaute müsse daher lauten: “Handelskrieg einstellen, auch mit China.”

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