Industrie vor einer Virusepidemie in vollem Gange – “Unruhen kommen

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Berlin – Die deutsche Industrie hat sich vor der rasanten Ausbreitung des Coronavirus in überraschend guter Form befunden.

Ihre Aufträge stiegen im Januar mit 5,5 Prozent zum Vormonat so kräftig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ein Teil des Zuwachses geht zwar auf Großaufträge zurück. Doch auch ohne diesen Effekt wären die Bestellungen mit 2,3 Prozent kräftiger gewachsen als von Ökonomen vorhergesagt. Diese hatten nur ein Plus von 1,4 Prozent erwartet. Allerdings warnen Experten davor, dass der Höhenflug wegen der weltweiten Coronavirus-Epidemie ein abruptes Ende nehmen dürfte. Diese dürfte die Nachfrage nach Produkten “Made in Germany” dämpfen und Lieferketten unterbrechen.

“Ein Silberstreif am Auftragshorizont, aber leider kein Zeichen für eine nun spürbare Konjunkturbelebung”, kommentierte Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe den unerwartet guten Jahresauftakt. “Wegen des Coronavirus sind weitere Störungen im Produktionsablauf und beim Auftragseingang vorgezeichnet.” Das Bundeswirtschaftsministerium gab sich vorsichtiger: Es bleibe abzuwarten, “wie sich die neuen Risiken durch den Coronavirus auswirken”. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass die Nachfrage nach deutschen Waren kräftig sinken wird. “Die Auftragseingänge dürften im Februar deutlich gefallen sein: Einmal als Gegenbewegung zu dem starken Januar-Anstieg und wegen der ersten Auswirkungen des Coronavirus”, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Die gesamte deutsche Wirtschaft werde wohl im laufenden ersten Quartal “leicht schrumpfen”.

“NACHFRAGEAUSFÄLLE BELASTEN DIE BILANZEN”

Die Virus-Krise hatte zuerst beim wichtigsten deutschen Handelspartner China begonnen, wo sich inzwischen mehr als 80.000 Menschen infiziert haben. Viele Fabriken schlossen deshalb ihre Pforten, erst allmählich startet die Produktion wieder. “Nachfrageausfälle in China und anderen betroffenen Ländern belasten die Bilanzen deutscher Firmen”, warnte etwa der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Mittlerweile hat sich das Virus in mehr als 80 Ländern ausgebreitet. In Deutschland sind bislang mehr als 500 Fälle bekannt, was etwa zur Absage von Messen führte. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter befürchten große Einbußen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat deshalb das Jahr wegen der Coronavirus-Epidemie bereits abgeschrieben. “Die Industriekonjunktur dürfte auch im laufenden Jahr in der Rezession verharren und sich zu der längsten seit der Wiedervereinigung ausweiten”, heißt es im aktuellen Quartalsbericht. “Nicht Brexit, nicht Trump, sondern das Coronavirus und seine weltweite Verbreitung haben derzeit den größten negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.” Die Industrie schrumpfte schon vor dem Virus-Ausbruch sechs Quartale in Folge – vor allem wegen der schwächeren Weltkonjunktur, aber auch wegen der Probleme in der Autoindustrie.

Das Auftragsplus im Januar sei insbesondere im Luft- und Raumfahrzeugbau sowie im Maschinenbau auf Großaufträge zurückzuführen, erklärte das Statistische Bundesamt. Die Aufträge aus dem Inland fielen im Januar um 1,3 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland zogen hingegen um 10,5 Prozent an. Dabei nahmen die Aufträge aus der Euro-Zone um 15,1 Prozent, die aus dem restlichen Ausland um 7,8 Prozent zu.

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