“It’s Corona-Time”: Das Virus in den sozialen Medien – Top Meldungen

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Seit es soziale Medien gibt, können sich nicht nur Krankheiten “viral” verbreiten. So hinterlässt das aktuell grassierende Coronavirus auch seine Spuren im Netz. Dabei zeigen sich gänzlich unterschiedliche Wege, mit der potentiellen Gefahr umzugehen.

In Zeitungen und TV-Nachrichten, bei Facebook und Whatsapp – aber auch am Stamm- oder Kantinentisch war das Coronavirus das wohl beständigste Thema der vergangenen Wochen. Und sei es nur, dass bei jedem Nieser oder Huster im Großraum-Büro jemand im Scherz “Corona” ruft.

Während die Nachrichten im Fernsehen und der Caféteria-Smalltalk uns nur punktuell behelligen, sind die sozialen Medien immer da. Von dort prasseln also fast durchgängig neue Corona-Informationen auf uns ein, die anders als bei klassischen Medien nicht durch eine redaktionelle Prüfung gegangen sind. Den Wahrheitsgehalt der Nachricht können wir zugleich auch nicht an der Glaubwürdigkeit der Quelle festmachen – wie das bei Kollegen oder Stammtischbrüdern der Fall ist.

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Grund zur Frage: Was macht der Coronavirus mit den sozialen Medien – und was macht das mit uns?

Eine der typischen Social-Media-Reaktionen auf das Coronavirus gibt es durchaus auch in der analogen Welt: Sorge und Panik. So zeigten zahlreiche Fotos und Medienberichte in den vergangenen Tagen teils leergeräumte Supermarktregale. Aus Angst, nach einer Ansteckung in Quarantäne zu müssen, deckten sich offenbar zahlreiche Menschen mit Nudeln, Dosenessen und Klopapier ein.

Diese Angst ist auch in Nutzer-Beiträgen im Netz zu spüren. Manche werfen der Regierung etwa zu zögerliches Verhalten vor und fordern Absagen von Veranstaltungen. Andere vermuten wiederum, dass die wahren, viel größeren Ausmaße des Virus vertuscht werden. Wieder andere glauben an ein im Labor gezüchtetes Virus. Spätestens mit Letzterem sind wir im Bereich der Fake News, Verschwörungstheorien und Panikmache angekommen.

Unsere BR24-eigenen Faktenchecker der Faktenfuchs-Redaktion, aber auch die österreichische Website Mimikama listen einiger dieser falschen Informationen auf, die per WhatsApp-Kettenbrief und Facebook verbreitet werden. Geteilt werden etwa gefälschte Berichte über eine Corona-Infektion des Papstes, über tausende Neuinfektionen in deutschen Kleinstädten, vermeintliche Verschwörungsbeweise wie, dass der Name Coronavirus in einem Asterixheft auftaucht, oder die Behauptung, dass Zwiebeln oder Atemschutzmasken gegen das Virus helfen.

Vor allem solche übertriebenen oder gefälschten Berichte können im Zweifel auch in der Realität negative Folgen haben: Sie können zu übertriebener Vorsicht wie Hamsterkäufen verleiten, was wiederum dazu führen kann, dass medizinisches Material wie Schutzmasken oder Desinfektionsmittel denen fehlen, die es wirklich brauchen. Verharmlosungen wie die Zwiebel-Fake-News oder Verschwörungstheorien zu einem Laborvirus können dagegen bewirken, dass Menschen auch auf normale Maßnahmen wie verstärktes Händewaschen verzichten und so zu einer weiteren Verbreitung des Virus beitragen.

Eine weitere Folge von Fake News und Panikmache in sozialen Medien ist, dass arglose Menschen Betrügern auf den Leim gehen, die Angst und Sorge ausnutzen wollen. So gibt es bereits Fake-Shops, die vermeintlich noch heiß begehrte Schutzmasken oder Desinfektionsmittel auf Lager haben, in Wahrheit aber nur das Geld der Käufer kassieren und keine Ware verschicken.

Eine diffamierende, wenn auch eher analoge Seite von Panik und Angst ist die Diskriminierung von Asiaten beziehungsweise Menschen mit asiatischen Wurzeln in der Öffentlichkeit, wenn deren Restaurants gemieden werden oder sich Menschen in der U-Bahn von Asiaten wegsetzen. Auch im Netz finden sich jedoch rassistische Kommentare, die Asiaten und ihre vermeintlichen Essgewohnheiten pauschal für den Coronavirus-Ausbruch verantwortlich machen.

Neben Panik und Angst wird in sozialen Medien auch allerlei Kritik an der eben dieser Panik und Angst verbreitet. Zahlreiche Nutzer teilen hämische bis wütende Posts und Kommentare bei Twitter, Facebook und Co., die Hamsterkäufer, Schutzmaskenträger aber auch die großflächige Berichterstattung klassischer Medien kritisieren.

Viele Nutzer kritisieren hierbei eine aus ihrer Sicht unangebrachte Hysterie um das Thema. Sie unterstellen dabei etwa Medien, Politik und Wirtschaft, das Thema aus reinem Eigeninteresse größer zu machen als es eigentlich ist. Verglichen wird die Situation etwa mit Krankheiten wie der Vogelgrippe, der Schweinegrippe oder Ebola, die trotz großer Medienhysterie letztlich harmlos geendet seien. Und überhaupt sei das Coronavirus für gesunde Menschen letztlich kein größeres Problem. Viele sind daher in ihren Tweets und Posts demonstrativ genervt von der aus ihrer Sicht allgegenwärtigen Berichterstattung zum Thema, die sie als Panikmache begreifen.

Dabei verweisen die Nutzer nicht selten auf andere Probleme, die aus ihrer Sicht viel dringender wären, aber durch das Coronavirus keine Aufmerksamkeit erhalten, beispielsweise Rechtsextremismus, der Klimawandel oder Migration. Das Phänomen, auf ein Thema mit dem Verweis auf die Wichtigkeit eines anderen Themas zu reagieren, nennt man Whataboutismus.

Auch lustige bis wütende Aufrufe zu Gelassenheit und Behauptungen, dass es sich um ein reines Medienphänomen handele, bleiben jedoch nicht folgenfrei. Eine gewisse, besonnene Vorsicht ist derzeit nämlich nicht unangebracht: Wer sich regelmäßig die Hände wäscht, hilft eben nicht nur sich, sondern auch anderen, weil er oder sie die Krankheit nicht weiterverbreitet.

Neben emotionalen Reaktionen wie Panik, Angst oder Wut gibt es im Netz jedoch auch sehr sachliche Beiträge zum Thema Coronavirus. Diese stammen nicht selten von offiziellen Stellen wie Gesundheitsbehörden, von klassischen Medien oder Gesundheitsexperten. Diese weisen in der Regel, in ruhiger Tonlage darauf hin, wie man sich wirklich schützen kann und in welchen Regionen derzeit Vorsicht geboten ist.

Zur Sachlichkeit mischen sich auch immer wieder Posts oder Tweets, die schon jetzt bestimmte Lehren aus der aktuellen Lage anmahnen. Etwa wird ein Umdenken in der Pflege- und Gesundheitsversorgung gefordert, weil Corona hier gewisse Schwachstellen aufzeige. Andere wiederum stellen angesichts der Coronavirus-Folgen Gedanken über die Zukunft des Arbeitens im Home Office oder die Notwendigkeit von Messen und Konferenzen an.

Auch die neben Wut und Empörung wohl typischste Internet-Reaktion darf natürlich nicht fehlen: Witz und Humor. Gerade bei weniger Text- und Link-basierten Plattformen wie TikTok oder Instagram regiert in Sachen Coronavirus der Spaß. Dort ist durchaus Häme gegenüber Hamsterkäufern und Corona-Panik im Allgemeinen zu vernehmen, allerdings werden auch konstruktivere Formen des Humors bemüht.

So macht bei TikTok etwa ein Video zweier vietnamesischer Jugendlicher die Runde, das Vorsichtsmaßnahmen gegen die Corona-Verbreitung (Händewaschen, ins Armgelenk niesen, kein Händeschütteln) tänzerisch aufzeigt.

Andernorts werden die deutschen Hamsterkäufe von Nudeln und Klopapier humoristisch aufgegriffen, in dem hypothetische Gerichte aus diesen beiden Zutaten für den Ernstfall erdacht werden. Auch Witze über das Corona-Bier sind allgegenwärtig. Ebenso kleine Sketche, die jedes noch so kleine Husten oder Niesen mit dem Meme-Sound “Hey, it’s Corona time” unterlegen, machen bei TikTok die Runde.

Der humorvolle Umgang mit einer Bedrohung wie dem Coronavirus hilft gegen Panik und Angst sowie beim Verarbeiten der Gefahr. Man darf und soll also über Corona lachen. Nur zu stark verharmlosen, sollte auch der Humor die Krankheit nicht. Hände waschen und Ellbogen-Niesen sind, wie bereits erwähnt, im Moment durchaus angebracht, um die Verbreitung des Virus‘ zu verlangsamen.

Dass die Bekämpfung des Coronavirus auch auf den Plattformen der sozialen Medien geführt werden muss, zeigen auch Reaktionen der Anbieter, die der Social-Media-Watchblog zusammengetragen hat. So löscht etwa Facebook – das sich sonst mit dem Entfernen von Falschinformationen durchaus schwer tut – Fake News und Verschwörungstheorien zum Thema Corona, wenn diese von Gesundheitsexperten als falsch angezeigt werden.

Zudem versuchen Anbieter wie Facebook, Twitter, Youtube oder TikTok durch Anpassungen des Algorithmus‘ oder offensive Verlinkungen und Infoboxen ihren Nutzern offizielle und gesicherte Informationen priorisiert in Timeline, Videofeed oder Newsfeed zu spülen. Gesundheitsorganisationen können bei Facebook und Twitter gar vergünstigt oder kostenlos Anzeigen schalten.

Panik, Angst und Rassismus

Whataboutismus, Panikkritik und Medienschelte

Sachlichkeit und Lehren

Humor und Memes

Wie reagieren die Anbieter?

“It’s Corona-Time”: Das Virus in den sozialen Medien

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