Kommen Corona-Hilfen für manche Unternehmen schon zu spät? – Top Meldungen

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Nicht alle Unternehmen werden die Corona-Krise überstehen. Für einige scheint die Hilfe zu spät zu kommen. Direkte Zuschüsse für kleine Firmen und Solo-Selbstständige wie in Bayern bringt nun auch der Bundestag auf den Weg.

Die Coronakrise und der damit verbundene Stillstand von weiten Teilen der Wirtschaft haben einige Firmen bereits in Bedrängnis gebracht. Erste Insolvenzanträge wurden gestellt. Ein endgültiges Aus der Unternehmen kann vielleicht abgewendet werden, wenn die Staatshilfen jetzt schnell greifen, wie zum Beispiel die Soforthilfen der Länder oder das Rettungspaket des Bundes über 750 Milliarden Euro.

Der fränkische Automobilzulieferer Leoni will Staatshilfe beantragen, um die Folgen der Pandemie zu überstehen. Dasselbe gilt für den Autozulieferer Nanogate. Leoni stand vorher schon unter Druck und will jetzt Werke schließen und Arbeitszeiten verkürzen. Die Steakhauskette Maredo hofft trotz Insolvenzantrags noch auf eine Rettung. Die Restaurantkette Vapiano ist ebenfalls zahlungsunfähig, will einen formellen Insolvenzantrag aber vermeiden. Das Insolvenzrecht wurde wegen der Pandemie aufgeweicht und die reguläre Erklärungsfrist von drei Wochen ausgesetzt.

Bis Ende September wird jetzt die Uhr angehalten, damit jedes Unternehmen eine Chance hat, an Stelle der Insolvenz oder begleitend dazu einen Antrag auf Hilfen zu stellen. Für Unternehmen ist eine Insolvenz häufig ein so tiefer Einschnitt, dass sie sich davon nicht mehr erholen. In der Industrie traf es die Luftfahrt- und die Reisebranche am härtesten. Lufthansa spricht mit der staatlichen KfW Entwicklungsbank über mögliche Beihilfen, die aber noch nicht nötig seien. Der Reiseveranstalter TUI und der Ferienflieger Condor kündigten bereits an, um Staatshilfen nachzufragen.

So gut wie nichts mehr geht in der deutschen Modebranche, die höchstens noch im Onlinehandel ihre Waren absetzen kann. Wegen der geschlossenen Läden fordern Modeunternehmen von der Bundesregierung eine Soforthilfe von 850 Millionen Euro. Das geht aus einem Schreiben hervor, das unter anderem s.Oliver-Chef Claus-Dietrich Lahrs und Bogner-Geschäftsführer Heinz Hackl unterzeichnet haben. Das Hilfspaket sollte den 30 größten Herstellern von Bekleidung in Form eines Liquiditätsfonds zur Verfügung gestellt werden, auf den sie nach Bedarf zugreifen können.

So könnten die Hersteller den Facheinzelhandel mit Ware für die Herbst- und Wintersaison beliefern. Die Zahlungsziele für diese Händler könnten dann auf 180 Tage ausgedehnt werden. Sie hätten dann die Chance zum Verkauf der Waren in ihren Läden, bevor sie die gelieferte Ware bezahlen müssten. Der Fonds würde der Branche Zeit und Sicherheit geben, um die Geschäfte nach dem Ende der Pandemie schnell wieder aufzunehmen.

Ohne eine solche Branchenlösung drohen nach Aussage der Modefirmen Lieferschwierigkeiten und Zahlungsengpässe. Das kann zu weiteren Liquiditätsproblemen führen und im schlimmsten Fall zu Insolvenzen, die man auf jeden Fall vermeiden will. Auf das Kreditprogramm der KfW wollen die Firmen sich nicht verlassen. Marc O’Polo-Chef Dieter Holzer kritisierte im Interview mit dem “Manager Magazin”, dass die Regierung über KfW-Darlehen viele Unternehmen nicht oder zu spät erreiche.

Auch mit KfW-Darlehen bleibt für die Hausbank als Kreditvermittler ein Restrisiko, das zu hoch sein könnte, damit die Bank das Geld freigibt. Viele Händler haben derzeit schon finanzielle Schwierigkeiten, mit denen die Risiken für sie als Schuldner bereits gestiegen sind. So verlor die Modebranche mit der Schließung ihrer Geschäfte bereits ihre Frühjahrs- und Sommer-Kollektion, deren Verkäufe kaum noch möglich sind. In einer solchen Situation erscheint es nicht ratsam, für Zinsen von bis zu sieben Prozent einen KfW-Kredit auf die Firma aufzunehmen.

“Wir brauchen eine Lösung zum Fortbestand des Facheinzelhandels und der Industrie”, heißt es in dem Schreiben der Modebranche an die Bundesregierung. Der Brief endet mit der Bitte, die Regierung möge die Vorschläge schnell und unbürokratisch prüfen. Wenn nicht sofort gehandelt würde, stünden viele Hersteller und Händler vor dem Aus, mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen. Außerdem drohten die Innenstädte zu veröden, wenn zahlreiche Geschäfte schließen müssten.

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