Lieferengpässe bei Arzneimitteln: Politik will Notfallapotheke – Top Meldungen

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Die Zahl der Lieferengpässe bei Arzneimitteln hat sich 2019 verdoppelt. Die Corona-Pandemie droht die Situation zu verschärfen. Die Politik kündigt Konsequenzen an. “So kann es nicht mehr bleiben“, sagt Bayerns Ministerpräsident Söder.

Wenn der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, durchgeht, wo es derzeit Lieferengpässe für Arzneien gibt, kann er viele Bereiche aufzählen.

Für 295 Medikamente sind derzeit (Stand 17.3.) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Lieferengpässe gemeldet.

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Die Zahl der betroffenen Packungen summierte sich nach Berechnungen des Apotheker-Dachverbandes ABDA vergangenes Jahr auf 18 Millionen – das ist eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Die Lage könnte sich durch die Corona-Epidemie noch verschärfen, befürchten Fachleute wie der Chef des Bayerischen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, obwohl es derzeit noch keine starke Zunahme der Probleme durch die Krise gebe.

Ein großer Teil der Arzneiwirkstoffe, die Patienten auf der ganzen Welt einnehmen oder gespritzt bekommen, stammt inzwischen aus China. Bei Arzneien mit Patentschutz nutzt die Pharmaindustrie ihre jeweiligen Monopole oft, um ausgesprochen hohe Preise zu verlangen – bei den Wirkstoffen, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist, herrscht hingegen ein scharfer Preiswettbewerb, bei dem China damit punkten kann, dass dort die Produktion sehr billig ist.

Wie sehr nun aber die Probleme durch die Corona-Pandemie auch auf die chinesische Pharmaindustrie – und in der Folge auf die Arzneiversorgung weltweit – durchschlagen, lässt sich nach Ansicht von Morris Hosseini noch nicht abschätzen, er ist Seniorpartner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger und beobachtet den internationalen Arzneimittel-Markt.

Aber nicht nur mögliche Beeinträchtigungen der Produktion in China oder Indien durch die Coronakrise verschärfen Arznei-Lieferengpässe in Deutschland.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Impfstoffe gegen Pneumokokken knapp geworden sind. Das sind Bakterien, die schwere Lungenentzündungen auslösen können. Gerade älteren Patienten wird seit Ausbruch der Corona-Pandemie von Ärzten empfohlen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen – weil diese Bakterien eine mögliche Corona-Infektion zusätzlich verschlimmern können.

Doch die hohe Nachfrage hat die Produktionsplanung des Impfstoffherstellers überrollt und für leere Regale gesorgt, berichtet der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann.

Wenn Menschen in Deutschland eine potenziell lebensrettende Impfung nicht mehr bekommen können, erreichen die Lieferengpässe bei Arzneien und Impfstoffen eine neue Qualität.

Das führe dazu, dass Ärzte vor Entscheidungen stehen, die sie in Deutschland in den vergangenen Jahren selten treffen mussten: Die Entscheidung, wer einen Impfstoff oder ein Medikament bekommt, weil nicht genug für alle da ist.

Auch die Politik ist besorgt. Bundesgesundheitsminister Spahn und der bayerische Ministerpräsident Söder sagten am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in München, man müsse Lehren aus der Corona-Krise ziehen und darüber nachdenken, Produktionskapazitäten auch im eigenen Land vorzuhalten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ergänzte, man brauche künftig eine Notfallapotheke im Land und eine Infrastruktur, die das, was gebraucht wird, herstellen kann, wenn es ernst wird. „So kann es nicht mehr bleiben“, stellte Söder fest.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml hat bereits angekündigt, sie wolle sich gemeinsam mit der Bundesregierung dafür stark machen, dass europäische Pharma-Standorte von den Krankenkassen bevorzugt werden sollten gegenüber ausländischen Produzenten, die keine europäischen Sozial- und Umweltstandards einhalten.

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