Meister des “Unkrauts”: Künstler Lois Weinberger gestorben – Top News

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Neophyten, das sind Pflanzen, die bewusst oder versehentlich – auf jeden Fall aber durch menschliche Mithilfe, in Lebensräume gebracht werden, in denen sie vorher nicht heimisch waren.

Weinbergers Interesse für diese Arten zeigt schon, dass es ihm immer um beides ging, um die Natur und um den Menschen.

Parteiisch war er dabei nicht: “Ich würde sagen, dass ich kein Pflanzenliebhaber bin.

Es ist so, dass ich bestimmte Pflanzen mag, wie ich auch nicht alle Menschen mag.

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Weinberger wurde am 24.

September 1947 in Stams in Tirol geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Schlosser und Kunstschmied.

Anschließend besuchte er die Wiener Kunstschule.

Neben den klassischen Ausdrucksformen Skulptur, Malerei und Grafik nutzte der Konzeptkünstler auch moderne Kommunikationsmittel wie Aktion, konzeptueller Darstellungen, Installationen, Readymades, Film und Copy Art.

1991 erhielt Weinberger eine Einladung zur Biennale in Sao Paulo, kurz darauf eine Professur an der Akademie Karlsruhe.

Er war am Internationalen Atelier-Programm “Künstlerhaus Bethanien” in Berlin beteiligt und hielt Vorträge an der Bauhaus-Universität Weimar.

In der Nacht von Montag auf Dienstag ist der Künstler in Wien gestorben.

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Er ließ der Natur freien Lauf: Auf der documenta in Kassel bepflanzte er ein Bahngleis mit wilder Vegetation, neben dem Brandenburger Tor bewässerte er eine Brachfläche.

Der Tiroler wurde für seine Konzeptkunst international gefeiert.

Der Name sagt vielleicht nicht jedem sofort etwas, aber wer mal in Kassel bei der documenta war, ist auf jeden Fall an Weinbergers Kunst vorbeigeschlendert, womöglich unbemerkt.

Denn Weinberger war ein Meister des Unkrauts.

Mit seinen Pflanzen-Werken war er ein Pionier zum Thema Kunst und Natur und hat in Kassel bis heute bleibende Spuren hinterlassen.

Das Gleis am nur sporadisch genutzten Bahnhof, das er 1997 für die documenta 10 bepflanzte, ist noch immer mit Neophyten überwuchert.

Zum Beispiel Nachtkerzen.

Lois Weinberger verfolgte zusammen mit seiner Frau Franziska seit den Siebziger Jahren die Verbindungen von Natur und Gesellschaft, wie er sagte in “präziser Achtlosigkeit” – er wollte “dabei sein, ohne einzugreifen”.

Mit dem wild bewachsenen, übrigens wunderschönen Bahngleis zur documenta 10 schuf er ein frühes Bild für die Migrationsbewegungen der Gegenwart, auch bei der documenta 14 in Athen und Kassel war er 2017 noch einmal dabei und zeigte in der griechischen Hauptstadt Fundstücke, die er unter den Dielen des Bauernhofs seiner Eltern gefunden hatte.

In Kassel ließ er wieder sogenanntes “Unkraut” in der Karls-Aue spießen.

Die Arbeit mit Pflanzen war für ihn fundamental.

Sie habe “mit archäologischen Prozessen zu tun, die gesellschaftliche Verbindungen ermöglichen”, sagte er: “Den Wert eines Gartens sehe ich darin, ihn als Träger zur Bedeutungsentstehung zu sehen, die über ihn hinausweist und zur Nichtvergleichbarkeit führt.

” 2009 bespielte Weinberger, wieder mit seiner Frau, den österreichischen Pavillon bei der Biennale in Venedig, in dem er einen riesigen verrottenden Laubhaufen zeigte (“Laubreise”).

Unvergessen ist auch das Bild, auf dem Weinberger 1994 mit einer Gießkanne in der verwilderten Brachfläche am Brandenburger Tor im wiedervereinigten Berlin herumstapft.

Auf der Fläche steht inzwischen das Holocaust-Mahnmal.

Pflanzen erzählen immer auch politische Geschichten – viele junge Künstlerinnen und Künstler kommen heute darauf zurück.

Vor dem “21er” Haus in Wien errichtete Weinberger 2012 den Stahlkäfig “Wild Cube”, der ebenfalls von der ungebändigten Natur “erobert” wurde.

Ähnliche Arbeiten von ihm waren und sind in Berlin, Dresden, Sao Paolo, Tokio, Marseille und Florenz zu sehen.

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“Ich bin kein Pflanzenliebhaber”

Konzeptkunst in Karlsruhe und Weimar

Er ließ der Natur freien Lauf: Auf der documenta in Kassel bepflanzte er ein Bahngleis mit wilder Vegetation, neben dem Brandenburger Tor bewässerte er eine Brachfläche.

Der Tiroler wurde für seine Konzeptkunst international gefeiert.

Meister des “Unkrauts”: Künstler Lois Weinberger gestorben

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