Österreichischer Notenbankchef gegen übereilte Reaktionen der EZB auf Coronavirus

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Frankfurt – Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann ist gegen übereilte Reaktionen der Europäischen Zentralbank auf die Ausbreitung des Coronavirus. “Die Geldpolitik sollte nur weiter gelockert werden, wenn es zu einem wirtschaftlichen Einbruch kommt und nicht schon bei einer Abflachung der Wachstumsdynamik”, sagte das EZB-Ratsmitglied in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der “Börsen-Zeitung”. Man dürfe nicht überreagieren. “Ich gehe davon aus, dass es im EZB-Rat weiter eine breite Unterstützung für eine Politik der ruhigen Hand geben wird.”

Holzmann erwartet nur geringe Auswirkungen der Epidemie auf die Weltwirtschaft und die europäische Wirtschaft, sollte das Virus in den nächsten Monaten überwunden werden. Aus seiner Sicht liegt die Auswirkung dann “im Bereich von Zehntelprozentpunkten”. Entsprechend erwartet Holzmann derzeit auch keine großen Folgen für die im März anstehenden neuen Wachstum – und Inflationsprognosen der EZB. “Mit dramatischen Korrekturen der Projektionen ist wohl nicht zu rechnen”. Es gebe weiterhin Gründ, die wirtschaftliche Lage im Euro-Raum mit einem gewissen Optimismus zu sehen.

“Wenn sich die Wirtschaft ab dem Sommer wieder beschleunigt, sollte man den Ausstieg aus der Negativzinspolitik einleiten – und das lieber früher als später,” sagte der Notenbank-Gouverneur. Vielleicht seien dann 2021 bereits Zinserhöhungen möglich. Zur aktuellen Strategieüberprüfung bei der EZB sagte Holzmann, er könne damit leben, das Inflationsziel bei rund zwei Prozent zu belassen oder auch, es auf exakt zwei Prozent zu setzen. “Entscheidend ist, dass es genug Flexibilität gibt und wir nicht sklavisch einem bestimmten Ziel hinterherhecheln.”

Reporter: Frank Siebelt; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168.

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