Platzhirsch unter Druck – Konkurrenz für Bayer-Sojabohnensaatgut nimmt zu

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Chicago/Winnipeg – Bayer muss zunehmend um seine Vorherrschaft auf dem rund vier Milliarden Dollar schweren Markt für Sojabohnen-Saatgut bangen.

Denn der Rivale Corteva, der aus der Fusion der US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont hervorging, nimmt dem deutschen Pharma- und Agrarchemieunternehmen immer mehr Marktanteil ab. Bayer geht davon aus, dass die Pflanzungen seines gentechnisch veränderten Sojabohnen-Saatguts Xtend in diesem Jahr stagnieren werden. Das wäre das erste Mal seit dem Marktstart, dem drei Jahre rasantes Wachstum folgten, die zu einem Marktanteil von 66 Prozent führten. Corteva erwartet hingegen, dass sein neues Konkurrenzprodukt Enlist, das dieses Jahr erstmals breit auf dem Markt verfügbar sein wird, schon auf einen Anteil von 20 Prozent kommt.

Zu dieser Entwicklung tragen Landwirte wie Ron Heck aus dem US-Bundesstaat Iowa dabei. Er lässt Bayers Saatgut fallen und will diesen Frühling ausschließlich das neue Sojasaatgut von Corteva auf mehr als 800 Hektar aussäen. Ein Grund dafür sind auch die Probleme mit dem Herbizid Dicamba von Bayer, auf das die Xtend-Sojabohnen abgestimmt sind. Sie wurden gentechnisch so verändert, dass sie gegen den Unkrautvernichter resistent sind. Doch Dicamba machte negative Schlagzeilen, nachdem eine neue Zusammensetzung des Mittels nach Angaben von Landwirten zu erheblichen Schäden an der Ernte führte. Nach Einschätzung von Experten verflüchtigte sich Dicamba, trieb über die Felder und erreichte so auch Pflanzen, die nicht dagegen gewappnet waren.

“Die Begeisterung, Dicamba-Bohnen zu pflanzen, hat erheblich nachgelassen, insbesondere wenn Enlist-Bohnen verfügbar sind und die Probleme damit alle verschwinden”, sagt Landwirt Heck. Doch Bayer, das sich die Produkte mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto ins Haus holte, schaut dem nicht tatenlos zu. Schon steht eine nächste Produktgeneration mit dem Namen XtendFlex in den Startlöchern, die zusammen mit einem zusätzlichen Herbizid verwendet werden kann. Bayer-Manager Ryan Rubischko, verantwortlich für das Sojabohnen-Produktportfolio, sagte, dieses neue Saatgut werde in begrenzten Mengen in diesem Jahr auf den Markt gebracht – abhängig von den noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen. XtendFlex soll nach Angaben des Leverkusener Konzerns das erste Sojabohnensaatgut sein, das gleich gegen drei Herbizide resistent ist. Spätere Generationen sollen sogar gegen sechs gewappnet sein.

Monsanto hat den Sojabohnenmarkt seit den 1990er mit seinen Roundup Ready Sojabohnen dominiert, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie gegen den Unkrautvernichter Glyphosat resistent sind. Wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids sieht sich Bayer mit einer Klagewelle in den USA konfrontiert, die das Unternehmen schwer belastet. Da ein übermäßiger Einsatz von Glyphosat in den vergangenen Jahren zu Resistenzen bei vielen Unkräutern führte, ist die Nachfrage nach Sojasaatgut, das auf andere Herbizide abgestimmt ist, hoch.

DIE KARTEN WERDEN NEU GEMISCHT

Xtend-Sojabohnen kamen 2017 zusammen mit Dicamba auf den Markt und wurden damals auf gut acht Millionen Hektar angepflanzt, das sind rund 22 Prozent der Anbaufläche. Dieser Anteil wuchs schnell auf fast 18 Millionen Hektar 2018 oder fast 50 Prozent der Anbaufläche. Doch Dicamba wird immer mehr zum Sorgenkind. Im vergangenen Monat verurteilte ein US-Geschworenengericht Bayer und den Chemiekonzern BASF, der das Herbizid ebenfalls herstellt, zu einer Strafe über 265 Millionen Dollar an einen Pfirsichbauern. Der Landwirt führt Schäden auf seiner Obstplantage auf Dicamba zurück, das von benachbarten Feldern herübergeweht sei. Nach Einschätzung der Kanzlei Peiffer Wolf Carr & Kane, die mehrere geschädigte Bauern vertritt, werden voraussichtlich mehr als 2000 Landwirte die Unternehmen wegen Dicamba verklagen. Bayer will gegen das Urteil in Berufung gehen und sieht nach eigenen Angaben deshalb keine Beeinträchtigung der Nachfrage nach Xtend Sojabohnen.

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Doch eine Umfrage unter fünf von Reuters befragten US-Händlern – darunter mit Stine Seeds einer der größten unabhängigen – ergibt, dass sich Cortevas Saatgut stark verkauft. Bei diesen Händlern macht Enlist zwischen 20 und 33 Prozent der Sojabohnensaatgut-Verkäufe für diesen Frühling aus.

Stine erklärte, sein Absatz bei Sojabohnensaatgut sei alleine wegen der erhöhten Nachfrage nach Enlist um 30 Prozent gestiegen. Den Konkurrenzdruck bekommt neben Xtend auch das Produkt LibertyLink Sojabohnen zu spüren, das von BASF und MS Technologies entwickelt wird. Der Saatguthändler Dave Kestel, der neben der Corteva-Marke Pioneer, Xtend und LibertyLink verkauft, sieht den Markt vor einer entscheidenden Wende: “Monsanto saß für eine lange, lange Zeit auf dem Fahrersitz

und das wird sich nun ändern “, sagt er.

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