Reisebranche blickt aufgrund des Coronavirus nur vorsichtig in die Zukunft

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Frankfurt/Berlin – Die deutsche Tourismuswirtschaft gibt sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorsichtig für die laufenden Geschäfte.

“Je länger diese Krise anhält und je länger das nicht verlässlich gelöst ist, desto stärker wird natürlich auch die Reisebranche betroffen sein”, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, am Donnerstag in Frankfurt. Genaue Auswirkungen seien derzeit nicht abschätzbar. “Was sich aber abzeichnet, ist, dass wir eine zunehmende Verunsicherung haben bei den Kunden.” Dies gelte nicht nur für Urlaubs-, sondern auch für Geschäftsreisen. Bei Buchungen für Asien-Trips sei Zurückhaltung zu spüren. Die Deutschen seien zwar in Urlaubslaune, sagte Fiebig. Man stehe aber “einem herausfordernden Jahr” gegenüber.

Pauschalreisen seien bei Urlaubern zwar noch recht beliebt, erklärte der DRV, der vor allem die Interessen von Reiseveranstaltern vertritt. Die Nachwirkungen der Insolvenz des Branchenschwergewichts Thomas Cook seien aber noch nicht völlig ausgestanden. Wegen des Coronavirus rechnet Fiebig mit einem stärkeren Last-Minute-Geschäft. Bisher lägen die Buchungen für den Winter 2019/2020 und den kommenden Sommer drei Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr.

Die Ausbreitung des Virus nicht nur in Asien, sondern zuletzt auch verstärkt in Europa und in Deutschland sorgt bei Fluglinien für spürbare Ausfälle. Die Lufthansa hat bereits ein Sparpaket angekündigt.[nL5N2AQ4AK] Auch die Kreuzfahrtbranche mit Anbietern wie TUI dürfte Gegenwind spüren, da mehrere Schiffe jüngst wegen des Coronavirus unter Quarantäne lagen und Passagiere nicht von Bord gehen durften. Fiebig brach eine Lanze für Pauschalreisen in Zeiten des Coronavirus. Denn Urlauber hätten hier einen Vorteil gegenüber Einzelreisenden, da Veranstalter vor Ort seien und sich um individuelle Lösungen kümmern könnten.

Im Reisejahr 2018/19 gaben die Deutschen laut DRV für ihren Urlaub insgesamt 98,1 Milliarden Euro aus und damit 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen sogenannten “Greta-Effekt” habe es nicht gegeben, sagte Fiebig mit Blick auf die Klimaschützerin Greta Thunberg, die sich gegen Flugreisen ausspricht. “Durchschnittlich geben deutsche Urlauber für ihre pauschal oder in Bausteinen organisierte Flug-Urlaubsreise 1012 Euro pro Person aus – zum Vorjahr ein Plus von drei Prozent.”

Der DRV setzt derweil auf eine rasche Reform der Insolvenzabsicherung rund um Pauschalreisen. Die Bundesregierung will hierzu im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorlegen. Denn bei der Thomas-Cook-Insolvenz wurde deutlich, dass der Deckel von 110 Millionen Euro bei weitem nicht ausreicht, wenn einer der größten Anbieter Pleite geht. Für nicht abgedeckte Schäden springt nun der Bund ein.[nL8N28L4P8] Fiebig plädierte für eine Lösung in Anlehnung an ein Modell der Niederlande. Demnach sollten die Reiseveranstalter eine Sicherheit abgeben, die sich an Umsatz und Kreditrating orientiere. Zudem solle für jeden Reisenden ein Betrag in einen Fonds abgeführt werden, der Geld zur Abdeckung potenzieller Schäden verwalte.

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