“Schwarzer Montag” an den Aktienmärkten – Virusangst und Ölpreiskrieg

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Frankfurt – Die Coronavirus-Krise und der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland versetzen Anleger in Panik.

Der Dax fiel am Montag um bis zu 8,4 Prozent auf ein 14-Monats-Tief von 10.572,28 Punkten und steuerte auf den größten Tagesverlust seit dem Platzen der Dotcom-Blase vor mehr als 18 Jahren zu. Sie könnten die Fülle der Hiobs-Botschaften nicht mehr angemessen verarbeiten, sagte Portfoliomanager Thomas Böckelmann vom Vermögensverwalter Euroswitch. “Vielmehr wird der Ur-Fluchtinstinkt geweckt, der mittlerweile skurrile Züge annimmt, ob vor dem Supermarktregal oder an den Börsen.” Der EuroStoxx50 büßte 7,4 Prozent ein und notierte mit 2993,71 Zählern ebenfalls so niedrig wie zuletzt Anfang 2019. Die Die Terminkontrakte auf die US-Indizes fielen um die maximal möglichen fünf Prozent.

“Gegenwärtig bestimmt die blanke Angst die Entwicklung an den Märkten”, sagte Etsy Dwek, Chef-Anlagestrategin beim Vermögensverwalter Natixis. “Allerdings erwarten wir weitere geld- und fiskalpolitische Stimuli in den USA und Europa.” Dies werde die Märkte mittelfristig stabilisieren.

DAS ENDE DER ERDÖL-FÖRDERBREMSE

Am Wochenende hatte Saudi-Arabien als Reaktion auf die russische Blockade einer weiteren Drosselung der Ölförderung Preise gesenkt und eine Ausweitung der Produktion angekündigt.[nL8N2B111Z] Daraufhin brach der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee am Montag um bis zu 31,5 Prozent auf 31,02 Dollar je Barrel (159 Liter) ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit dem Golfkrieg 1991 zu. Dem Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI drohte mit einem Rückgang von bis zu 33,8 Prozent das größte Minus seiner fast 40-jährigen Geschichte.

Im Sog des Ölpreis-Strudels fielen die Aktien europäischer Ölkonzerne wie BP, Shell oder Total um jeweils mehr als zehn Prozent. Der Index für die europäischen Öl- und Gaswerte fiel daraufhin um gut 15 Prozent auf ein 23-Jahres-Tief von 208,62 Punkten und steuerte auf den größten Tagesverlust seit 1986 zu.

Die aktuelle Entwicklung sei vor allem für BP bedrohlich, da die britische Firma einen Ölpreis von 50 Dollar benötige, um Gewinne zu machen, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Eine weitere Gefahr drohe von den Schieferöl-Produzenten in den USA, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Sie seien stark verschuldet und hätten relativ hohe Förderkosten. Schieferöl-Förderer wie Marathon oder Devon verbuchten im vorbörslichen US-Geschäft Kurstürze von jeweils fast 30 Prozent.

“SICHERE HÄFEN” GEFRAGT – AUSVERKAUF BEI ITALIEN-BONDS

Vor diesem Hintergrund flohen Anleger in “sichere Häfen” wie Gold. Die “Antikrisen-Währung” war mit 1702,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut sieben Jahren. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dadurch fielen die Renditen der zehnjährigen Titel aus den USA und Deutschland auf Rekordtiefs von plus 0,318 Prozent und minus 0,863 Prozent.

Im hoch verschuldeten Italien stieg die Rendite der zehnjährigen Bonds dagegen auf plus 1,362 von 1,079 Prozent, so stark wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Zuvor hatte die Regierung in Rom den bei Urlaubern beliebten und wirtschaftlich starken Norden des Landes wegen des grassierenden Coronavirus praktisch komplett abgeriegelt.

Diese Maßnahme versetzte den Touristik-Werten einen weiteren Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 7,7 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 186,35 Punkten. Damit summiert sich sein Minus der vergangenen Wochen auf fast 30 Prozent. Das ist der größte Kursrutsch seiner Geschichte.

DOLLAR UND ROHSTOFF-WÄHRUNGEN UNTER DRUCK

Am Devisenmarkt fiel der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 94,725 Prozent. Investoren rechnen inzwischen damit, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche um einen weiteren vollen Prozentpunkt senkt. Sie hatte den Zins bereits vergangene Woche überraschend um einen halben Prozentpunkt herabgesetzt. Gleichzeitig wetten sie auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt durch die Bank von England (BoE) Ende März und auf insgesamt drei Herabsetzungen des Einlagensatzes durch die Europäischen Zentralbank (EZB) bis Oktober.

Dies schickte die Finanzwerte beiderseits des Atlantik auf Talfahrt, weil die Margen im klassischen Kreditgeschäft dadurch unter zusätzlichen Druck geraten. Der europäische Bankenindex fiel auf ein Elf-Jahres-Tief. An der Wall Street büßten Citigroup & Co. vorbörslich jeweils knapp zehn Prozent ein.

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