Thyssenkrupp sucht Neuanfang nach Notverkauf des Aufzugsgeschäfts

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Düsseldorf/Frankfurt – Der seit Jahren von einer Krise in die nächste taumelnde Industriekonzern Thyssenkrupp feilt nach dem milliardenschweren Verkauf seiner Aufzugssparte an einem Zukunftskonzept.

“Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit”, sagte Vorstandschefin Martina Merz am Freitag. Es werde keine Schnellschüsse geben. Im Mai solle dem Aufsichtsrat das Konzept vorgelegt werden. “Wir wollen dann ein klares Bild haben für ein Thyssenkrupp ohne Elevator.” Am Abend zuvor hatte der Konzern den Verkauf seines einzig nennenswerten Gewinnbringers für 17,2 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Advent und Cinven und die RAG-Stiftung perfekt gemacht.

“Der Verkaufspreis von 17,2 Milliarden Euro liegt leicht über unserer Erwartung von 15 bis 17 Milliarden Euro”, hieß es in einem Marktkommentar der DZ Bank. Legte die Thyssenkrupp-Aktie zunächst deutlich zu, rutschte sie später wie der unter den Folgen des Coronavirus’ leidende Gesamtmarkt ins Minus und notierte fünf Prozent schwächer bei 8,71 Euro. “Mit dem Deal sind die Probleme alles andere als gelöst”, sagte ein Händler.

DSW: JEDER TAG OHNE NEUES KONZEPT IST EIN SCHLECHTER TAG

Anleger wollen rasch Klarheit haben. “Die Aktionäre wollen jetzt wissen, was für konkrete Veränderungen Thyssenkrupp in den einzelnen Divisionen vornehmen will”, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, zu Reuters. Merz müsse nun liefern. “Es muss ein sehr feingliedriger Plan her, damit man auch messen kann, dass und wie sich Verbesserungen einstellen.” Jeder Tag, an dem das nicht passiere, sei ein schlechter Tag. “Wenn das Unternehmen keine Ideen präsentiert, mit denen es zukünftig wieder Geld verdienen kann, wird automatisch die diabolische Forderung nach einer Sonderausschüttung aufkommen.”

Eine Sonderdividende schloss Merz erneut kategorisch aus. Generell gelte, dass die Einnahmen so weit wie nötig zu Senkung der Schulden verwendet werden sollten. Darüber hinaus solle in die Zukunft des Unternehmens investiert werden. “Wir glauben an das Potenzial unserer Geschäfte.” Diese hätten aber zum Teil nicht die ausreichenden Mittel bekommen. Durch Zuwendungen von Kapital ließen sich mache verbessern. Für andere würden Partner oder Käufer gesucht – notfalls würden sie abgewickelt. “Wir haben auch noch weiteren erheblichen Restrukturierungsbedarf”, betonte Merz. Auch dies koste viel Geld.

Merz wollte sich nicht festlegen, was die künftigen Kerngeschäfte sind. Thyssenkrupp stellt neben Aufzügen und Stahl auch Autoteile, Chemieanlagen oder U-Boote her. Stahl sei sicher eine der Säulen des Unternehmens, bekräftigte die Vorstandschefin. Die Branche ist jedoch sehr konjunkturanfällig, leidet unter Preisdruck, Überkapazitäten und Billigimporten. Zudem steht sie in Deutschland mit der Umstellung auf eine CO2-freie Produktion vor Kosten, die ein Unternehmen alleine kaum stemmen kann. Thyssenkrupp hatte bereits angekündigt, 2000 Jobs in dem Bereich zu streichen und 6000 im gesamten Konzern. “Wir werden beim Stahl uns selbstkritisch auseinandersetzen, was wir selber machen können und was nicht”, kündigte Merz an.

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