UBS kürzt den Bonus des Konzernchefs nach Frankreichs Geldstrafe

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Zürich – Konzernchef Sergio Ermotti bekommt die Niederlage der UBS vor einem französischen Gericht beim Bonus zu spüren.

Die größte Schweizer Bank kürzte die Gesamtvergütung ihres Ende Oktober abtretenden Chefs auf 12,5 Millionen Franken von 14,1 Millionen im Vorjahr, wie dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht zu entnehmen war. Die UBS machte die in erster Instanz gegen das Institut verhängte Rekordbuße im Steuerverfahren in Frankreich, die enttäuschende Aktienkursentwicklung und die niedrigere Eigenkapitalrendite für den Rückgang verantwortlich. “Wir erhielten Rückmeldungen, die eine stärkere Abstimmung auf die Aktionärsinteressen forderten und wir haben dieses Feedback ernst genommen”, erklärte die Vorsitzende des Kompensations-Komitees, Julie Richardson.

Die Gesamtvergütung der 13-köpfigen Geschäftsleitung stieg auf 102,1 (Vorjahr 100,8) Millionen Franken, weil ausgeschiedene Manager arbeitsvertragliche Zahlungen erhielten. Wird auch eine Sonderzahlung von gut acht Millionen Franken an Hoffnungsträger Iqbal Khan eingerechnet, den die UBS vom Rivalen Credit Suisse abgeworben hatte, schüttete die Bank an ihre Top-Manager gar 110,2 Millionen Franken aus. Der konzernweite Bonus-Pool ging dagegen um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar zurück.

Ermottis Vergütung für 2019 setzte sich aus 2,8 Millionen Franken Grundgehalt und einem Bonus von 9,7 Millionen Franken zusammen. In dem Rückgang spiegelt sich der Geschäftsverlauf des Vermögensverwalters. Das Niedrigzinsumfeld und der Preisdruck hatten den Gewinn der UBS im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar gedrückt.

Zudem trägt die UBS mit der Kürzung auch der Kritik der Aktionäre Rechnung. Auf der Generalversammlung im vergangenen Mai verweigerten die Eigner der Konzernleitung um Ermotti sowie dem Verwaltungsrat um Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber wegen des Rechtsstreits in Frankreich die Entlastung. Ende Februar 2019 hatte ein Gericht in Paris die UBS wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Euro verurteilt. Zuvor hatte die Bank Vergleichsangebote für geringere Summen ausgeschlagen – und sich damit Kritik eingefangen, sie habe sich bei dem Fall verspekuliert.

Im Juni findet der Berufungsprozess statt. Die UBS will nun einen Teil der Boni für den Konzernchef und weitere Konzernleitungsmitglieder sowie einen Teil der Aktienvergütung des Verwaltungsratspräsidenten mit der endgültigen Beilegung des Verfahrens verknüpfen. Dies unterstreiche ihre Verantwortung für die erfolgreiche Beilegung des Rechtsfalls im besten Interesse der Aktionäre, auch wenn es sich um eine Altlast handle, erklärte Richardson.

Trotz der Einbußen 2019 dürfte Ermotti weiterhin einer der bestverdienendsten Manager in der Schweiz, wenn nicht gar in Europa, sein. Der Pharmakonzern Roche wies für Konzernchef Severin Schwan für das Jahr 2019 eine Vergütung von 11,5 Millionen Franken aus, wobei etwas mehr als die Hälfte der ihm über mehrere Jahre verteilt zustehenden Bonuszahlungen berücksichtigt wurden. Sein Kollege bei Novartis, Vasant Narasimhan, wurde vergangenen Jahr mit 10,6 Millionen Franken entlohnt. Die beiden Pharmakonzerne erzielen deutlich mehr Gewinn als die UBS. Zudem entwickelten sich die Aktienkurse 2019 viel besser.

Anfang November übergibt Ermotti das Steuer an Ralph Hamers, Vorstandschef des niederländischen Geldhauses ING.

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