VW kann nach Diesel-Vergleich abheben – Gewinn steigt

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Hamburg/Berlin – Mit dem Vergleich zur Entschädigung Hunderttausender Dieselbesitzer hat Volkswagen eine wichtige Hürde genommen und kann im Rennen mit Tesla um die Führung in der Elektromobilität durchstarten.

Die mit dem Verbraucherverband VZBV im zweiten Anlauf vereinbarte Entschädigungssumme von 830 Millionen Euro kann sich der weltgrößte Autobauer dank voller Kassen leisten. Denn der auf die Aktionäre entfallende Reingewinn kletterte 2019 um 12,8 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Daraus sollen den Anteilseignern eine um 1,70 Euro erhöhte Dividende von 6,50 Euro je Stamm- und 6,56 Euro je Vorzugsaktie zufließen. Den Konzernumsatz steigerten die Wolfsburger um sieben Prozent auf 252,6 Milliarden Euro, die Netto-Liquidität im Autogeschäft schwoll um zehn Prozent auf 21,3 Milliarden Euro an.

Damit hebt sich Volkswagen abermals von der Konkurrenz ab, von denen etliche unter dem Druck hoher Investitionen in umweltschonende Antriebe und der mauen Autokonjunktur ächzen und ihre Prognosen kassiert haben. Lediglich die französische Opel-Mutter PSA war mit einer bereinigten operativen Rekordrendite von 8,5 Prozent im Autogeschäft noch besser.

Volkswagen hat nach dem Dieselskandal vor viereinhalb Jahren umgesteuert und setzt für die Zukunft ganz auf E-Mobilität. Der von den Wolfsburgern entwickelte Elektrobaukasten MEB sorgt dafür, dass die Kosten bei hohen Stückzahlen sinken. Als Erster soll im Sommer 2020 der neue ID.3 auf den Markt kommen, kurze Zeit später soll der ID.4 folgen. Mit den E-Autos will VW von Anfang an Geld verdienen, allerdings belasten die hohen Investitionen anfangs noch die Rendite. Das soll sich mit steigender Auslastung der Werke in den nächsten Jahren ändern.

Dennoch traut sich Konzernchef Herbert Diess für das laufende Jahr wieder eine Umsatzrendite in einer Spanne zwischen 6,5 und 7,5 Prozent zu. 2019 lag die Marge auf Grundlage des bereinigten Betriebsgewinns mit 7,6 (Vorjahr 7,3) Prozent leicht darüber. Die Prognose verband Diess am Freitag allerdings mit dem Hinweis, dass die Geschäftsaussichten aufgrund der anhaltenden weltweiten Spannungen und Konflikte sowie der Ausbreitung des Coronavirus mit Risiken behaftet seien.

DIESELGATE KOSTET WEITERE MILLIARDEN

Die Aufarbeitung des Dieselskandals hat die Bilanz auch 2019 geschmälert. So verbuchte der Konzern 2,3 Milliarden Euro an Sondereinflüssen – vor allem wegen Rechtsrisiken für die sogenannte Musterfeststellungklage und weiteren Kosten für die Wiedergutmachung von “Dieselgate”. Mit dem außergerichtlichen Vergleich mit dem Verbraucherverband VZBV für 260.000 Anspruchsberechtigte kann Volkswagen nun jedoch einen Strich unter ein wichtiges Kapitel machen. Das Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig kann damit beendet werden. Es war der erste, viel beachtete Prozess für diese in Deutschland neu eingeführte Art der Sammelklage, mit der Verbraucher ihre Interessen vor Gericht bündeln können. Betroffene VW-Kunden haben bis Mitte April Zeit sich zu entscheiden und das Angebot anzunehmen, oder individuell zu klagen. Die Autobesitzer erhalten je nach Alter und Typ ihres Diesel zwischen 1350 und 6257 Euro. Im Gegenzug müssen sie auf Klagen verzichten.

Volkswagen will eine Plattform im Internet einrichten, auf der vergleichsberechtigte Kunden ab Ende März eine Einmalzahlung einfordern können. Der Konzern hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, die Abgaswerte bei Millionen von Dieselautos manipuliert zu haben.

Den ersten Anlauf für eine Einigung hatte Volkswagen vor zwei Wochen mit dem Vorwurf überhöhter Honorarforderungen der Verbraucherschutzanwälte platzen lassen. Damals hatten sich die Wolfsburger schon zu einer Entschädigung in der nun vereinbarten Größenordnung von 830 Millionen Euro für die beim Bundesamt für Justiz für die Musterfeststellungklage eingetragenen VW-Kunden bereit erklärt. Damals war allerdings noch von 460.000 Anspruchsberechtigten die Rede. Die endgültige Zahl fiel in dem Vergleich deutlich niedriger aus, weil man sich in den Verhandlungen darauf verständigte, nur Dieselhalter zu berücksichtigen, die ihren Wagen vor dem 1. Januar 2016 gekauft haben. Danach hätten die Käufer laut Volkswagen wissen müssen, dass der Diesel manipuliert war.

Nicht wenige Kläger hatten mit dem Prozess in Braunschweig die Hoffnung auf eine Gleichbehandlung verbunden, nachdem Verbraucher in den USA mit Milliarden entschädigt worden waren. Eine vergleichbare Wiedergutmachung hierzulande lehnt VW ab und verweist auf eine komplett andere rechtliche Situation. Allein in den USA hat Dieselgate den Konzern einschließlich Strafen mehr als 25 Milliarden Euro gekostet. Inklusive Bußgelder in Deutschland sowie Kosten für Anwälte hat Volkswagen für die Aufarbeitung mehr als 30 Milliarden Euro bezahlt.

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