Was kann jeder Einzelne gegen Hass im Netz tun? – Top Meldungen

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Wer über das Problem Hate Speech spricht, sieht oft andere in der Pflicht. Forderungen und Vorschläge an Staat, Plattformen und Medien gibt es zuhauf. Doch ist der Einzelne wirklich machtlos gegen Netz-Hass? Wir klären das.

Wie so oft, wenn es um gesellschaftliche Probleme geht, liegt auch beim Thema Hate Speech für viele folgende Lösung nah: Der Staat soll die Strafen erhöhen und die Polizei härter durchgreifen. Ach ja, und Facebook und Google könnten auch endlich einen Wunderalgorithmus basteln, der das Problem löst.

Doch wie so oft, wenn es um gesellschaftliche Probleme geht, lassen sich komplexe Themen wie Hass im Netz nicht mal eben mit ein paar Gesetzen oder ein bisschen Technologie lösen. Auch jeder Einzelne kann helfen, das Internet zu einem weniger hasserfüllten Ort zu machen.

Wie das geht, haben wir bei der Amadeu-Antonio-Stiftung erfragt. Sie beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus und ist so auch selbst immer wieder Opfer rechter und rechtsextremer Hassrede und Bedrohungen. Mit dem Projekt Civic.net kämpft die Stiftung konkret gegen Hate Speech im Internet. Teresa Sündermann ist Bildungsreferentin von Civic.net und hat gegenüber BR24 erklärt, wie jeder Hass im Netz bekämpfen kann.

Auch, wenn in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht, heißt das nicht, dass alles erlaubt ist. Das Grundgesetz sieht beispielsweise Volksverhetzung und Beleidigungen ganz ausdrücklich nicht als Teil der freien Meinungsäußerung.

Wichtig für die Polizei ist, dass man die Adresse (URL) des Posts, den Namen des Verfassers und den Kontext des Beitrags (zum Beispiel unter welchem Facebook-Post der Hasskommentar veröffentlicht wurde) sichert. Am besten mit mehreren Screenshots des Posts oder Kommentars.

Das Problem dabei: Oft ist für einen Laien schwer bis gar nicht einschätzbar, ob ein Inhalt strafrechtlich relevant ist. Doch auch Postings ohne Hakenkreuze und Morddrohungen können zu weit gehen. Die Expertin rät, sich in solchen Fällen an eine Meldestelle zu wenden. Seiten wie hassmelden.de, internet-beschwerdestelle.de oder demokratiezentrum-bw.de/demokratiezentrum/vorfall-melden/ ergründen mit Hilfe von Juristen, ob ein Inhalt strafbar ist und kümmern sich auch um die Weiterleitung.

Neben gesetzlichen Vorgaben gibt es auch Regeln der verschiedenen Dienste und Plattformen im Netz. So haben beispielsweise Facebook und Youtube, aber auch BR24 eigene Richtlinien dafür, wie weit Äußerungen gehen dürfen.

Daher ist es möglich, potentielle Verstöße gegen solche Richtlinien, zum Beispiel Hetze gegen bestimmte Gruppen oder Minderheiten, über die entsprechende Funktion der jeweiligen Website zu melden.

Das hat auch über die mögliche Entfernung eines Hasspostings hinaus einen Sinn, sagt Teresa Sündermann: “Je mehr problematische Beiträge bei den Netzwerken gemeldet werden, desto größer wird der gesellschaftliche Druck auf Plattformen und die Politik, konsequent gegen Hass und Diskriminierung online vorzugehen.”

Ein zentrales Problem mit Hate Speech im Netz bleibt jedoch, dass ein nicht unerheblicher Teil des Hasses nicht zwingend verboten ist. Wer in seinem Hass und seiner Hetze etwa ausreichend vage bleibt oder Fakten, zum Beispiel zum Thema Zuwanderung in Sozialsysteme, schlicht verkürzt, selektiv oder fehlinterpretiert darstellt, tut damit nichts Verbotenes. Er wendet eher unmoralischen Methoden an, wie man sie auch von bestimmten Formen des Boulevardjournalismus kennt.

Die Chancen, dass solche Inhalte gelöscht oder gar strafverfolgt werden, sind daher gelingt. Hier hilft daher laut Expertin Sündermann nur Gegenrede.

Dabei solle man sich stets mit den von der Hassrede Betroffenen solidarisieren und Verbündete aufrufen, einen beim Dagegenhalten zu unterstützen. Etwa im Gegenkommentar zu einem Hassposting fragen: “Sehen das hier noch andere genauso?”. Wer nicht selbst kommentieren will, könne laut Sündermann auch helfen, indem er oder sie Aussagen mit Likes oder Faves unterstützt, die der Hassrede widersprechen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) empfiehlt darüber hinaus, auch mit Ironie, Witz oder auch Memes auf Hass zu reagieren. Dies helfe, Haltung aufzuzeigen und Frust abzulassen. Zugleich muss man sich laut der Bundeszentrale bewusst sein, dass Ironie die Debatte meist wenig voranbringt und potentiell Fronten verhärtet.

Ganz allgemein rät die BpB beim Dagegenhalten, immer auch den Selbstschutz im Hinterkopf zu behalten. Gerade bei Gegenrede gegen eindeutig rechtsextreme Nutzer könnten Anonymität und ein möglichst uneinsehbares Nutzerprofil ratsam sein. Zudem solle man Beleidigungen nicht zu persönlich nehmen und sich von anderen Usern nicht in die Ecke drängen lassen:

Auch abseits des Internets ist es übrigens wichtig, Unterstützung zu zeigen, stellt Teresa Sündermann klar. So kann man sich im Netz vor besonders oft von Hassrede betroffene Gruppen wie Women of Color, Flüchtlinge und Frauen im Allgemeinen stellen, aber die Menschen auch offline unterstützen:

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1. Anzeige erstatten

2. Bei der Plattform melden

3. Dagegenhalten

4. Unterstützung zeigen

Was kann jeder Einzelne gegen Hass im Netz tun?

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