Wer hilft eigentlich den Obdachlosen in Zeiten von Corona? – Top Meldungen

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In Wärmestuben bekommen Obdachlose oft die einzige warme Mahlzeit am Tag – oft auch die einzigen freundlichen Worte. Wenn diese Hilfsangebote nun wegen der Corona-Krise wegbrechen, dann wird es für die Schwächsten der Gesellschaft besonders hart.

Dort, wo sonst um die Mittagszeit 250 Menschen sitzen und essen, stehen jetzt die Stühle hochgeklappt auf den Tischen. Es hallt in den menschenleeren Räumen der Münchner Obdachlosenhilfe der Abtei Sankt Bonifaz. Benediktiner Frater Emmanuel Rotter leitet die Einrichtung und erklärt, dass es seit Montag hier nur noch ein Notprogramm gibt. Der normale Betrieb musste wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus eingestellt werden: “Mir zerreißt es das Herz, dass ich das so machen muss, aber die Infektionsgefahr, die Ängste sind zu groß. Ich muss das so weit runter fahren”, so Frater Emmanuel. Dem Konvent und den Mitarbeitern tun diese Maßnahmen sehr leid: “Wenn ich das sehe, dann krieg ich Zustände. Das ist mir nicht leicht gefallen, aber ich kann es nicht anders machen”, sagt er.

Das warme Essen, die Aufenthaltsmöglichkeit für tagsüber, die Duschen und die Kleiderkammer: all das kann die Münchner Obdachlosenhilfe, die der Benediktinermönch leitet, momentan nicht mehr anbieten. Das Angebot steht und fällt durch die Mithilfe von Freiwilligen. Viele von ihnen aber sind über 70 Jahre alt und die müssen nun geschützt werden vor einer möglichen Ansteckung, sagt Frater Emmanuel. “Die Familien sagen: Du darfst nicht mehr hingehen, Oma, Du hast Vorerkrankungen!’ Wenn man das alles mitbekommt vom Gesundheitsamt, dann halten wir das ein und versuchen zu verhindern, dass sich Mitarbeiter, aber auch die Bedürftigen selber anstecken.”

Trotz allem – eine Notfallversorgung für Obdachlose und Bedürftige bietet Sankt Bonifaz noch an. Vormittags werden Lunchpakete verteilt, es gibt eine telefonische Sozialberatung und auch die Arztpraxis ist noch geöffnet.

Dennoch fehlt den Obdachlosen das Angebot. Das merken auch diejenigen, die am Münchner Hauptbahnhof für die Obdachlosen da sind. Barbara Thoma etwa ist eine der beiden Leiterinnen der Münchner Bahnhofsmission. Die Teestube an Gleis 11 hat noch offen – hier ist es nun voller als sonst, meint Thoma: “Heute früh haben wir gemerkt, dass große Einrichtungen wie St. Bonifaz geschlossen haben und da waren in den ersten 50 Minuten 120 Personen da. Das hat dann schon den Rahmen gesprengt. Wir müssen jetzt schauen, was wir machen und dass es jetzt eher Brot und Tee ‘to go’ gibt und dass die Menschen kommen können und etwas mitnehmen.”

Die Räume der Bahnhofsmission sind nicht groß. Umso wichtiger sei es, darauf zu achten, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig in einem Raum sind und dass sich alle an die Hygienevorschriften halten, sagt Thoma. Ihre Kollegin Bettina Spahn unterstreicht, wie wichtig die Einrichtung auch in diesen Tagen ist: “Die ganzen Probleme, alle Themen, für die wir sonst da sind, die gibt’s ja nach wie vor – Corona kommt da jetzt nochmal on top und ich glaube schon, dass sich dadurch jetzt nochmal einiges verschärfen wird.”

Trotz Corona für die Bedürftigen da sein, will auch Karin Lohr. Sie ist die Geschäftsführerin der Münchner Straßenzeitung BISS. Zum Schutz aller ist der Verkauf der Zeitung mit dem roten Logo zwar vorerst eingestellt worden, aber die festen Verkäufer bekommen weiterhin ihr Gehalt, sagt Lohr: “Ich glaube dass die Leute Geld brauchen zum einen, aber auch gute Worte. Wir sind ansprechbar. Wir lassen da niemanden hängen.” Noch zeigen die Bedürftigen viel Verständnis für die Einschränkungen, obwohl es für sie oft besonders schwer ist. Und dazu kommt die Frage: Wie lange wird das so bleiben? Diese Frage kann ihnen niemand beantworten.

Oma soll ja nicht mehr helfen

Brot und Tee “to go”

Geld und gute Worte

Wer hilft eigentlich den Obdachlosen in Zeiten von Corona?

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