Wie Telefonseelsorger jetzt alten und einsamen Menschen helfen – Top Meldungen

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Immer mehr Menschen wählen seit Beginn der Coronakrise die Nummern der Telefonseelsorge. Vor allem Kranke und Ältere fürchten die Isolation und wollen reden. Warum es so wichtig ist, dass jemand zuhört.

Von der Welt abgeschnitten, einsam, ängstlich. So fühlen sich viele ältere Menschen im Moment. Sie bleiben zu Hause, um sich vor der Ansteckung mit Corona zu schützen – und sind dort häufig alleine. Immer mehr suchen Trost, aber auch Rat bei der Telefonseelsorge, sagt Pfarrer Norbert Ellinger: “Die meisten Älteren sorgen sich tatsächlich auch um ihre Gesundheit und dass soziale Kontakte abbrechen. Die Enkel dürfen nicht mehr zu Besuch kommen, man darf sich nicht mehr so nahekommen, man darf sich die Hand nicht mehr geben. Also lauter Dinge, die eigentlich so zum normalen Umgangston gehören. Und das entfernt die Leute voneinander.” Norbert Ellinger hat in den letzten Tagen mit vielen älteren Menschen gesprochen, die die Situation mit Corona belastet und die sich deshalb bei der evangelischen Telefonseelsorge München gemeldet haben. Gut die Hälfte der Anrufer beschäftigt dieses Thema.

Dass Redebedarf über die Corona-Krise besteht, zeigen die Zahlen der Telefonseelsorge in ganz Deutschland. Es herrsche große Verunsicherung, so Pfarrer Norbert Ellinger, und gerade unter älteren Menschen Angst, dass sie nun noch einsamer sind als sowieso schon im Alter. “Sonst haben sie ein Netz um sich aufgebaut, können noch reden mit diesem und jenem auf der Straße. Aber wenn sie jetzt überhaupt nicht mehr raus können, dann geraten die in Panik.” Kein Wunder. Denn gerade für ältere Menschen seien soziale Kontakte enorm wichtig, so Dr. Jens Benninghoff, Arzt für Gerontopsychiatrie im Zentrum für Altersmedizin in Haar: “Wir sehen ja auch in den sozialen Kontakten wichtige Resilienzfaktoren zum Beispiel gegen Depression im Alter, gegen die Tatsache, dass man vielleicht alleine lebt.”

Soziale Kontakte stärken also die Psyche und deren Widerstandskraft in Krisenzeiten. Deshalb ist es wichtig, dass ältere Menschen auch in häuslicher Isolation ihre Beziehungen pflegen – nur eben auf andere Weise als sonst. Jens Benninghoff hat Tipps, wie man fehlende persönliche Kontakte so gut es geht, ersetzen kann: “Fotos, dass man die präsenter hat von seinen Liebsten, dass man die aufstellt. Dass man klar überlegt: Was sind die schönen Ereignisse? Dass man gemeinsame positive Erinnerungen immer wieder aufrechterhält und dass man damit dann durch den Tag geht.” Jede Form des Austauschs, die nichts mit körperlichem Kontakt zu tun habe, sei sinnvoll: Auch E-mails schreiben – oder auch mal wieder den guten alten Brief.

Träger der Telefonseelsorge sind die Evangelische und die Katholische Kirche in Deutschland. Unter diesen kostenlosen Nummern erreichen Sie an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr die Telefonseelsorge:

0800/111 0 111

0800/111 0 222

116 123

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Furcht vor Isolation

Fotos aufstellen und Briefe schreiben

So erreichen Sie die Telefonseelsorge

Wie Telefonseelsorger jetzt alten und einsamen Menschen helfen

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