Wirtschaftsverband kritisiert Merkel wegen Absage von Spitzengesprächen

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München – Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Absage des jährlichen Spitzengespräches der deutschen Wirtschaft infolge der Coronavirus-Epidemie.

“Diese Veranstaltung hätte gerade jetzt stattfinden müssen, um die Signale zu setzen, die viele auch erwarten”, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke am Donnerstag in München. Merkel hätte gemeinsam mit den Chefs der Spitzenverbände ein Zeichen des Zusammenstehens von Politik und Wirtschaft in der wegen des Coronavirus schwierigen Lage setzen können. Bei aller Vorsicht sei es wichtig, deutlich zu machen, dass das Leben nicht zum Erliegen komme. Um aufkommende Hysterie einzudämmen, hätte Merkel mit den Wirtschaftsvertretern nach dem Ausbruch der Epidemie in Deutschland ein Stück Normalität demonstrieren sollen.

Auf der Internationalen Handwerksmesse in München traf sich Merkel in den vergangenen Jahren regelmäßig mit den Präsidenten des ZDH, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Nachdem der ZDH und bayerische Handwerksorganisationen wegen strenger Auflagen zum Gesundheitsschutz wegen des Coronavirus-Ausbruchs die Messe abgesagt hatten, zog Merkel laut ZDH auch ihre Zusage zu dem Spitzentreffen zurück.

Auch die notgedrungene Absage der Messe ist nach ZDH-Angaben ein schwerer Schlag für das Handwerk. Die Veranstaltung mit zuletzt 110.000 Besuchern und rund 1000 Ausstellern ist nach Angaben der Organisatoren einer der wichtigsten Umsatzbringer deutscher Handwerker. Die auf der Messe abgeschlossenen Aufträge brächten manchen Betrieben bis zu einem Fünftel ihres Jahresumsatzes.

Trotzdem hält der ZDH vorerst an seinen Erwartungen an die Umsatzentwicklung deutscher Handwerksbetriebe im laufenden Jahr fest. “Wir sind noch optimistisch, so dass wir für dieses Jahr von einem Umsatzwachstum ausgehen in einer Größenordnung von drei Prozent”, sagte Schwannecke. Bisher gebe es keine belastbaren Daten für eine Korrektur nach unten. Der Umsatz des deutschen Handwerks dürfte laut ZDH im vergangenen Jahr wie erwartet von 612 Milliarden Euro im Jahr 2018 um vier Prozent gestiegen sein.

Schwannecke forderte die Bundesregierung auf, gerade wegen der Einschränkungen durch die Virus-Ausbreitung die Unternehmen nicht mit zusätzlicher Bürokratie zu belasten. Ein Beispiel sei die Arbeitszeiterfassung. “Die Politik darf jetzt nichts machen, was die Unernehmen noch zusätzlich zwiebelt.” Einen Forderungskatalog zum Bürokratieabbau habe der ZDH dem Kanzleramt übergeben.

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