Wohnungsnot: Was potenzielle Mieter ertragen müssen – Top Meldungen

0

Wohnung gegen Sex, horrende Ablösesummen, Kinder unerwünscht: Wer in Städten wie München eine Wohnung sucht, erlebt zum Teil Unglaubliches. Wir haben über Facebook nach den schlimmsten Erlebnissen bei der Wohnungssuche gefragt.

Dass es wirklich so schlimm ist, hätte Martina Schreiner* nicht gedacht. Seit Monaten hilft sie ihrer Tochter Julia* bei der Suche nach einer Wohnung im Münchner Osten. Julia beginnt eine Ausbildung zur Pferdewirtin. “Sie muss ausziehen, weil sie es sonst nicht pünktlich zur Arbeit schafft“, erzählt Martina Schreiner.

Julia selbst hat deshalb ein Inserat auf ebay-Kleinanzeigen geschaltet. Antworten bekommt sie viele, doch die Wenigsten haben eine Wohnung oder ein Zimmer zu vergeben. “Date-Anfragen ohne Ende kamen da rein“, sagt Martina Schreiner. Das allein wäre zwar nervig, aber noch nicht so schlimm gewesen.

Tun Sie mir einen Gefallen: Bitte TEILEN Sie diesen Beitrag.

Wem gehören die Wohnungen in Augsburg, München und Würzburg? Wo fließt die Miete hin und wer profitiert von den steigenden Preisen? Gemeinsam mit den Bürger*innen möchten BR und Correctiv den Immobilienmarkt transparenter machen. Helfen Sie mit!


Gehen Sie auf unsere Webseite
br.de/wemgehoert. Teilen Sie uns Adresse und Eigentümer Ihrer Wohnung mit. Laden Sie einen Beleg, zum Beispiel ein Foto Ihres Mietvertrages, hoch. Eingaben überprüfen und absenden.

Doch dann schickt die 17-Jährige ihrer Mutter Screenshots: Ein Mann fragt ihre Tochter nach der Größe ihrer Oberweite und ob sie rasiert ist. Ein anderer bietet Julia an, dass sie umsonst bei ihm in seiner Drei-Zimmer-Wohnung wohnen könnte. Die Gegenleistung: “Würde dich gerne zweimal im Monat für paar schöne Stunden treffen wollen”. “Mir wird jedes Mal schlecht, wenn ich das lese”, sagt Julias Mutter.

Solche Angebote sind kein Einzelfall. Auch auf unseren Aufruf haben sich mehrere Frauen und Männer gemeldet, denen ähnliches passiert ist. In Julias Fall ist so eine Anfrage strafbar, denn Julia ist noch minderjährig – und die potenziellen Vermieter wussten das.

Grundsätzlich sind solche Anfragen aber nicht per se illegal.

Viele User haben uns allerdings noch von einem ganz anderen “Problem” bei der Wohnungssuche berichtet: ihre eigenen Kinder. So schreibt Marina, dass man ihr am Telefon gesagt hätte: “Tiere wären okay, aber ein Kind kommt nicht in die Wohnung.” Und Jenny Oltof schreibt: “Als Alleinerziehende hat man auf dem Markt in München und Umgebung keine Chance mehr eine zu bekommen.” Meist würde sie gar nicht erst zur Besichtigung eingeladen.

In solchen Fällen gibt es leider kaum Möglichkeiten gegen diese Art von Diskriminierung vorzugehen, sagt Franz.

Der Vermieter kann sich dabei auf die Vertragsfreiheit berufen.

Das betrifft auch eine andere Gruppe von Menschen, die auf dem Mietmarkt einer starken Diskriminierung ausgesetzt sind: Ausländer und Menschen mit ausländisch klingendem Namen.

Serafina beispielsweise schreibt, dass sie zu einer Besichtigung eingeladen worden sei, um dann kurz vorher wieder ausgeladen zu werden – nachdem der Vermieter gefragt habe, woher ihr Nachname kommt:

Wer immerhin zur Besichtigung eingeladen wird, könnte dann aber vor einem anderen Problem stehen: Wenn sich beispielsweise herausstellt, dass die Wohnung buchstäblich versteigert wird – so wie es Anika passiert ist.

Zur Besichtigung der 65-Quadratmeterwohnung seien etwa 65 Menschen gekommen. “Der Makler in der Mitte des Raumes – wohlwissend um die Not – verkündete, dass die Mietpreisangabe nur ein “Dummy” war und natürlich nur der Höchstbietende die Wohnung erhalten werde”, erklärt Anika.

Auch das ist rechtlich nicht illegal und über die Vertragsfreiheit abgedeckt, erklärt Anja Franz vom Mieterverein.

Und dann wäre noch ein anderes Problem, das häufig erst bei der Besichtigung zur Sprache kommt: Horrende Ablösesummen für 10 Jahre alte Ikea-Küchen beispielsweise. Oft ist die Übernahme einer Küche Bedingung, damit der potenzielle Nachmieter die Wohnung auch bekommt. Das ist ein beliebtes Mittel von Vermietern, um sich so die Maklergebühren zurückzuholen, sagt Franz.

In diesem Fall kann sich der Mieter aber wehren. Ein Beispiel: In der Wohnung steht eine zehn Jahre alte billige Baumarktküche. Der Vermieter will noch 4.000 Euro dafür haben, allerdings ist sie nur noch 500 Euro wert. Der Mieter kann dem zustimmen, sollte aber einen Ablösevertrag abschließen.

“Dieser Ablösevertrag ist dann bis 3.500 Euro unwirksam“, sagt Anja Franz. Das heißt, der Mieter muss nur 500 Euro zahlen anstatt 3.500. Allerdings muss er belegen, dass die Küche nur 500 Euro wert ist: “Damit das rechtmäßig ist, braucht der Mieter ein entsprechendes Gutachten“, so die Rechtsberaterin.

*Name von der Redaktion geändert

Statt Miete zwei Mal im Monat Sex

“Kind kommt nicht in die Wohnung”

Sie haben einen ausländischen Namen? Dann passt das leider nicht!

Wohnung geht an den Meistbietenden

So wehren Sie sich gegen hohe Ablösesummen

Wohnungsnot: Was potenzielle Mieter ertragen müssen

Share.

Leave A Reply