Zentralbanker wollen “starke” Reaktion auf Viruskrise – EZB-Geldspritzen in der Diskussion

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London/Frankfurt – Angesichts der weltweit um sich greifenden Coronavirus-Krise bereiten Währungshüter und Regierungen laut dem britischen Zentralbankchef Mark Carney eine starke Reaktion vor.

Die Notenbanker seien dazu in engem Kontakt, sagte er am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss in London. Carney betonte dabei auch die “besonders gute” Kommunikationslinie zum Finanzministerium: “Es ist angemessen, eine Reaktion zu erwarten, die eine Kombination von haushaltspolitischen Maßnahmen und Zentralbank-Initiativen widerspiegelt.” Es gehe um eine “kraftvolle und rechtzeitige” Antwort auf die Krise. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet konkret an gezielten Geldspritzen für Firmen, die von den Folgen der Epidemie betroffen sind, wie drei mit den Überlegungen vertraute Personen Reuters mitteilten.

Die Virus-Epidemie ist der Industriestaaten-Organisation OECD zufolge die größte Gefahr für die Weltwirtschaft seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren und hat Furcht vor einer globalen Rezession ausgelöst. Angesichts dieses Horrorszenarios bereiten die sieben führenden Industriestaaten (G7) eine gemeinsame Erklärung vor, die an diesem Dienstag oder am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Wie aus G7-Kreisen weiter verlautete, sagen die Länder darin eine Zusammenarbeit zu, um den Schaden der Epidemie für die Volkswirtschaften einzudämmen. Die G7-Länder, zu denen auch Deutschland zählt, würden aber lediglich ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit unterstreichen, um die Konjunkturfolgen abzumildern. Ein Insider verwies allerdings darauf, dass sich der Text der Erklärung noch ändern könne.

Die Finanzminister der Europäischen Union werden am Mittwoch Insidern zufolge wahrscheinlich keine konkreten Reaktionen auf die Coronavirus-Epidemie beschließen. Bei einer Telefonkonferenz der 27 Finanzminister mit der Europäischen Zentralbank werde es vor allem darum gehen, Informationen untereinander zu teilen und die besten Notfallmaßnahmen zu beraten, erfuhr Reuters von mit der Situation vertraute Personen: “Ich erwarte keine Entscheidungen”, so einer der Insider.

HILFEN FÜR KLEINE FIRMEN IM FOKUS

Im Kampf gegen die Coronavirus-Krise wird bei der EZB Insidern zufolge geprüft, ob langfristige gezielte Kreditspritzen (TLTRO) besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen sollten. Die Arbeiten seien aber noch nicht abgeschlossen. Der Grund sei, dass kleine und mittlere Unternehmen generell nicht so leicht an Kredite gelangten im Vergleich zu großen Konzernen. Daher bekämen diese auch die Folgen der Viruskrise deutlicher zu spüren. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab. [nL8N2AW2TQ ]

Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann zeigte sich auf einer Veranstaltung in Wien offen gegenüber solchen Schritten. “Das ist definitiv ein Gebiet, über das nachgedacht werden wird,” sagte das EZB-Ratsmitglied. Es sei aber derzeit keine Eile geboten.  Nach Einschätzung des EZB-Experten Frederik Ducrozet vom Schweizer Bankhaus Pictet ist die Geldpolitik angesichts ihrer begrenzten und zeitverzögerten Wirkung auf die Wirtschaft insgesamt nicht gut gerüstet, um auf die Krise zu reagieren.  “Aber das bedeutet nicht, dass Zentralbanken nichts machen sollten. Jede weitere Verschärfung der Finanzierungsbedingungen würde größeren Schaden anrichten.”

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte am Montagabend erklärt, die Notenbank stehe bereit, wenn erforderlich mit angemessenen, gezielten geldpolitischen Schritten auf die Virus-Krise zu antworten. Die nächste Zinssitzung der EZB findet am 12. März in Frankfurt statt.

Anders als die US-Notenbank Fed hat die EZB bei den Zinsen allerdings nicht mehr viel Spielraum. Ihr Leitzins liegt bereits auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Eine Senkung auf unter null wird von den meisten Experten ausgeschlossen. Darüber hinaus müssen Banken bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Gelder parken. Damit soll der Druck auf die Geldhäuser steigen, dass Geld in Form von Krediten auszugeben und damit die Wirtschaft zu unterstützen. Im September hatte die EZB diesen “Einlagensatz” genannten Strafzins verschärft. Er beträgt jetzt minus 0,5 Prozent. Investoren am Geldmarkt halten zu mehr als 60 Prozent für wahrscheinlich, dass die Daumenschrauben hier nochmals angezogen werden – auf minus 0,6 Prozent bei der EZB-Sitzung am 12. März.

Die australische Zentralbank hat bereits auf die negativen Folgen des Coronavirus reagiert und ihren Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Die Währungshüter kappten am Dienstag den Schlüsselzins auf 0,5 Prozent von 0,75 Prozent, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie abzufedern, wie die Reserve Bank of Australia (RBA) bekanntgab. RBA-Chef Philip Lowe sagte, das Coronavirus sei eine “deutliche” Belastung für die australische Wirtschaft.

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