Zerrissene Lieferketten – Korona trifft deutsche Unternehmen mit Verzögerung

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Berlin/Hamburg – Die Folgen der Virus-Krise durch stockenden Nachschub und unterbrochene Lieferketten werden die deutsche Wirtschaft mit Verzögerung treffen.

Als erstes spüren dies die Häfen, wo Lieferungen sehnlich erwartet werden: “Da eine Schiffslieferung von China nach Hamburg etwa vier bis sechs Wochen dauert, trifft uns die Coronavirus-Epidemie mit einer gewissen Zeitverzögerung”, sagte Axel Mattern, Chef der Marketingorganisation des Hamburger Hafens, am Dienstag zu Reuters. Die Auswirkungen dürften Deutschlands größten Seehafen ab Mitte März “mit voller Wucht treffen”. Aufs Jahr gerechnet rechnet Mattern mit gewaltigen Einbrüchen im Containerverkehr. Aktuell belaufe sich der Rückgang bei den Schiffskapazitäten bereits auf 40 Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht davon aus, dass die Auswirkungen auf die Lieferketten erst in den nächsten Wochen vollständig sichtbar werden. Davon seien nicht nur große Konzerne, sondern vor allem mittelständische Unternehmen betroffen. Die Bundesregierung plant zusätzliche Investitionen, um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie in Grenzen zu halten. Das Kabinett brachte im Schnellverfahren zudem einen Gesetzentwurf auf den Weg, mit dem Kurzarbeit erleichtert werden kann.

ERSTE ZEICHEN EINER ENTSPANNUNG IN CHINA

Völlig unklar ist, wie lange die wirtschaftliche Schwächephase dauern und wie ausgeprägt sie sein wird. “Was wir von vor Ort in Shanghai hören ist, dass es langsam Zeichen einer Normalisierung gibt”, sagte Hafen-Marketing-Chef Mattern. So seien in Shanghai inzwischen mehr als die Hälfte der Beschäftigten zur Arbeit zurückgekehrt. “Das zeigt aber auch, dass wir immer noch weit entfernt vom Normalzustand sind.” Durch den anhaltenden Rückgang im Schiffsverkehr von und nach China herrsche mittlerweile ein Mangel an Leercontainern in allen Märkten. Dies bekämen auch Hamburger Unternehmen zu spüren. “Die bekommen einfach keine Container mehr. Wer momentan einen Container verschiffen möchte, muss derzeit mit höheren Preisen rechnen.”

China, wo die ansteckenden Lungenkrankheit Covid-19 ausgebrochen war, ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die Unternehmen sind sowohl von der chinesischen Nachfrage als auch von den Lieferungen von dort abhängig. Mehr als ein Viertel der 9,3 Millionen an den Kaimauern in Hamburg bewegten Standardcontainer kam 2019 aus China oder wurde dorthin verschifft.

TEILE WERDEN NOTFALLS PER FLUGZEUG GEBRACHT

Besonders betroffen von Verzögerungen ist die Automobilindustrie, die von pünktlichen Lieferungen aus ihrem weltweiten Netz von Zulieferern abhängt. Continental hatte unlängst berichtet, Teile für die Produktion würden notfalls per Flugzeug oder auf der Straße zu den Abnehmern gebracht. Schwierig werde es, wenn ein chinesisches Zulieferwerk nicht produziere. Dann habe man einen zeitlichen Puffer von vier bis sechs Wochen, in dem noch Container per Schiff zu den Kunden unterwegs seien. “Wenn aber der letzte Container angekommen ist, kommt das Problem”, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Dann müssten Lieferketten umgebaut werden. Man versuche dann, Teile aus anderen Regionen zu organisieren, was bei Systemen mit bis zu 300 Zulieferteilen eine komplexe Aufgabe sei.

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