Coronavirus: Zwiebeln helfen nicht – und andere Fakes – Top Meldungen

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Gerüchte und Falschmeldungen zu Corona verbreiten sich so schnell wie das Virus selbst. Auch der Papst blieb nicht verschont, und nun sollen auch noch Zwiebeln helfen. Der #Faktenfuchs überprüft laufend Behauptungen. Alle Faktenchecks in diesem Blog.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat Deutschland im Januar erreicht. Seither steigen die Zahlen der Infizierten. Viele Menschen sind verunsichert. Gerade im Internet und den sozialen Netzwerken verbreiten sich Gerüchte, Verschwörungstheorien und Mutmaßungen. Dafür braucht es nicht viel: Ein einzelner Nutzer kann eine Falschbehauptung in die Welt setzen – wenn andere sie aufgreifen, verbreitet sie sich schnell weiter. Der #Faktenfuchs sammelt die Gerüchte hier und klärt auf, was wirklich stimmt.

Derzeit verbreitet sich sowohl auf diversen Webseiten als auch in Messenger-Diensten und auf Facebook die Meldung, das Trinken von Chlordioxid könne den Corona-Virus (Sars-CoV-2) abtöten. Diese Meldung erreichte uns unter anderem aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach. Dort wurde der Aufruf eines Tierarztes geteilt, der empfiehlt, morgens und abends eine kleine Dosis selbst hergestellten Chlordioxids zu sich zu nehmen. Das Trinken von Chlordioxid ist jedoch gesundheitsschädlich und auch kein Mittel gegen Corona. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es aktuell noch kein Mittel gegen das Virus.

Chlordioxid wird in der Industrie als Bleichmittel verwendet. Seit Jahren warnen verschiedene Institute und Ämter davor, Chlordioxid zu sich zu nehmen. Die Faktenchecker von Correctiv weisen in einem längeren Artikel auf die Gefahren hin und führen die Quellen zusammen.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: “Chlordioxid weist stark oxidative Wirkungen auf und wirkt auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend.” In der Industrie wird dieser Stoff als Mittel zur Desinfektion sowie zum Bleichen von Textilien verwendet. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde “bei Menschen von gastrointestinalen Störungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, teilweise mit Blutdruckstörungen und erheblichen Flüssigkeitsverlusten bis hin zu schweren Nierenfunktionsstörungen nach der Einnahme berichtet.”

Fotos von Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal in italienischen Krankenhäusern sind in den vergangenen Tagen tausendfach geteilt worden. Sie zeigen Menschen, deren Gesichter vom Tragen der Schutzmasken und Schutzbrillen dunkelrot unterlaufene Druckstellen aufweisen. Tatsächlich ist zumindest das Bild eines Mannes bearbeitet.

Twitternutzer machten schnell auf Unstimmigkeiten aufmerksam und verbreiteten die Originalaufnahme. Die Kontraste in dem bearbeiteten Bild wirken im Vergleich zum Original deutlich verstärkt. Das gesamte Bild ist aufgehellt. Die Augenpartie weicht im Vergleich zum Originalbild ebenfalls ab. So sind die Augenbrauen runder und leicht nach oben gezogen. Die Augen selbst erscheinen größer und dunkler. Der abgebildete Mann wirkt dadurch traurig.

Ob das Foto mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop bearbeitet wurde, oder ob ein Filter darüber gelegt wurde, ist unklar.

Seit dem Wochenende wird auf dem Messenger-Dienst WhatsApp eine Sprachnachricht verbreitet, in der ein Mann mit bayerischem Dialekt behauptet, gehört zu haben, dass die Polizei zahlreiche Kräfte in München zusammenziehe, da “in den nächsten Tagen 20 000 Flüchtlinge” aus Griechenland per Bahn, Bus und Flugzeug in München ankämen.

Der Zeitpunkt für die Ankunft sei nicht zufällig gewählt, behauptet er zudem. Die Ausgangsbeschränkungen, die in der Sprachnachricht als “Ausgangssperren” bezeichnet werden, hätten zum Ziel, die Ankunft der Geflüchteten zu verschleiern.

Die Polizei München warnt seit Sonntag auf Twitter vor diese Falschnachricht und nennt sie eine Falschmeldung und ein “böswilliges Gerücht”.

Sowohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch die Polizei in München dementieren, dass am Wochenende 20 000 Flüchtlinge aus Griechenland angekommen sind oder entsprechende Pläne vorliegen. Es handle sich um eine eindeutige Falschmeldung, so ein Sprecher des Bamf. Derzeit komme allein durch die europaweit geltenden Reisebeschränkungen kein Flüchtling über die Grenzen.

An zahlreichen Grenzen in Europa herrschen derzeit strenge Kontrollen. So sind die Grenzen nach Bayern nur für Berufspendler, den Warenverkehr und Reisende mit dringendem Reisegrund passierbar. Auf dem Balkan wurden bereits am 13. März die Mehrzahl der Grenzübergänge geschlossen. Der Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien ist seit dem 15. März eingestellt.

Im Netz kursiert ein Bild, das reihenweise Särge zeigt. Diese Särge sollen aus Bergamo stammen, der norditalienischen Stadt, in der es besonders viele Todesfälle durch das Coronavirus gegeben hat. Tatsächlich aber entstand dieses Bild 2013 auf der italienischen Insel Lampedusa. Es handelt sich um die Särge von afrikanischen Flüchtlingen, die auf der Überfahrt nach Italien ums Leben gekommen waren. Es gibt aber auch aktuelle Bilder mit Särgen von Corona-Opfern, die tatsächlich aus Bergamo stammen. Auch die Bilder, die Militär-LkWs zeigen, die Särge mit Corona-Opfern abtransportieren, sind authentisch.

Wolfgang Wodarg, ein deutscher Arzt, behauptet auch in Youtube-Videos, die Corona-Pandemie sei reine Panikmache. Doch die Fakten widersprechen seinen Aussagen, wie der #Faktenfuchs recherchiert hat.

Als ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Lungenarzt finden seine Videos einige Verbreitung Aber Wodarg setzt aktuell viele falsche Behauptungen in die Welt. Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter und ebenfalls Mediziner, kritisierte ihn auf Twitter heftig: “Wodargs Position ist unverantwortlicher FakeNews.”

Wodarg behauptet, dass das neuartige Coronarvirus Sars-Cov-2 nicht neu sei und die Folgen der Infektion nicht schlimmer seien als die jeder anderen Grippe-Saison. Er operiert mit falschen Zahlen, liefert für seine Behauptungen keine Belege. Die Analyse finden Sie im #Faktenfuchs.

Die WHO hat am 19. März ihre Warnung vor Ibuprofen zurückgenommen. “Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab”, teilte die Weltgesundheitsorganisation mit. Das vorläufige Ende einer längeren Kette von Meldungen, die zu Unsicherheit geführt hatte. Am Wochenende vom 14./15. März hatte sich das Gerücht über einen WhatsApp Kettenbrief verbreitet, dass Ibuprofen zu einer Verschlimmerung der Covid-19 Erkrankung führe: eine Einnahme beschleunige die Vermehrung des Virus. Das hätten Forschungen der Universität Wien ergeben, so die Behauptung. Die medizinische Universität Wien hatte die Meldung jedoch dementiert.

Das Gerücht kursierte dennoch über Tage hinweg – und die Verwirrung um die tatsächlichen Fakten half nicht bei der Klärung. Auch auf BR24 spiegelte sich das Hin und Her wieder – angesichts einer Warnung, die die Weltgesundheitsorganisation WHO herausgab. Sie hatte sich darin zunächst der Warnung angeschlossen. Am 19.3. nahm die WHO ihre ursprüngliche Warnung jedoch wieder zurück.

In einem Tweet machte der Chef der Berliner AfD-Fraktion Georg Pazderski am 19. März Jugendliche, speziell Anhänger der Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future (FFF), für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich.

In dem inzwischen gelöschten Tweet hieß es: “Empathielose, dumme Wohlstandskinder, die freitags bei #FFF auf der Straße hüpfen und den Älteren vorwerfen ihre Zukunft zu verspielen, zeigen eindrücklich wie weit ihr Horizont tatsächlich reicht. Aber #SPD #GRÜNE #LINKE wollen Wahlrecht ab 16. #Corona”. Dazu hängte er ein Video an, das eine Reihe Jugendlicher zeigt, die alle am selben Lutscher schlecken.

Dieses Video stammt vom Oktober 2019 – lange vor dem Corona-Ausbruch. Außerdem riss Pazderski es mit seiner Verbreitung völlig aus dem Kontext: Es handelt sich dabei um einen Beitrag zur so genannten Lollipop-Challenge, bei der Nutzer des sozialen Netzwerks TikToks aufgerufen wurden, Videos zu posten, in denen mehrere Personen sich einen Lutscher teilen.

Im Netz kursiert ein Facebook-Post, in dem zur Teilnahme am Mitterteicher Starkbierfest im Landkreis Tirschenreuth (am Samstag, den 7. März, ab 18 Uhr) aufgerufen wird. Dort gebe es der Werbung nach eine “Massenschluckimpfung” mit dem Starkbier “Süffikus”. Der Post ist eine Werbung der Brauerei Hösl aus Mitterteich.

In Mitterteich in der Oberpfalz gilt seit Dienstag (18.3.) eine Ausgangssperre wegen zahlreicher Corona-Infektionen. Wie in der Regierungsansprache von Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch (19.3.) zu hören war, werde derzeit geprüft, ob das Mitterteicher Starkbierfest vom 7. März der Ausgangspunkt für die hohe Infektionsrate in der Ortschaft sei. Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht.

Wie die Brauerei auf BR-Nachfrage bestätigte, handelte es sich bei dem Facebook-Post tatsächlich um eine Werbeaktion der Brauerei, die allerdings nicht der Ausrichter des Fests, sondern nur der Bierlieferant gewesen sei. Ausrichter war der Mitterteicher Burschenverein. Das Starkbierfest am 7. März sei von den örtlichen Gesundheitsbehörden genehmigt gewesen. Die Ausgangssperre in Mitterteich gilt erst seit dem 18. März.

Fazit: Der Facebook-Post ist echt. Die Brauerei hat ihn mittlerweile gelöscht.

Einem Gerücht zufolge sollen Zwiebeln bei der Bekämpfung von Sars-CoV-2 helfen. Denn sie sollen die Coronaviren wie eine Art Magnet aus der Luft herausziehen.

Richtig ist, dass Zwiebeln antimikrobiell wirken. Das heißt, sie schränken die Ausbreitung von Mikroorganismen ein, indem sie diese töten oder deren Wachstum lähmen. Da die im Zwiebelsaft enthaltenen antimikrobiellen Schwefelverbindungen flüchtig sind, können Mikroorganismen durchaus auch in der Luft abgetötet werden.

Aber: Nach Aussage von Haike Antelmann, Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität, sind davon allerdings vor allem Bakterien betroffen. Es gebe bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die antimikrobielle Wirkung der Zwiebel auch bei Viren wirkt.

Fazit: Zwiebeln wirken gegen Bakterien und können sie abtöten. Gegen Viren haben sie solche Heilkräfte nicht.

Quelle: dpa

Grippe oder Corona – was ist gefährlicher?

Auf der Straße und im Netz versuchen viele Menschen, das aktuelle Corona-Virus und seine Gefährlichkeit einzuordnen. Dafür greifen sie oft auf die Frage zurück: Grippe oder Corona – was ist gefährlicher? Eindeutig und abschließend lässt sich das derzeit nicht beantworten. 

Bei den Influenza-Wellen jedes Jahr schätzt man eine Sterberate von 1 bis 2 Verstorbenen auf 1.000 Infizierte, das sind 0,1 bis 0,2 Prozent. Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der TU in München geht bei der Grippe – je nach Saison – von einer Sterblichkeit aus von geschätzten 0,5 Prozent bis fünf bis acht Prozent. 

Der Virologe Christian Drosten vom Berliner Charitè-Klinikum nannte für das aktuelle Corona-Virus eine Sterblichkeitsrate von 0,3 bis 0,7 Prozent der Fälle. Das heißt, dass von 1.000 Infizierten 3 bis 7 sterben. Mit einer weiteren Verbreitung des Virus werde die tatsächliche Rate allerdings eher sinken. 

Aber Achtung: Ein Vergleich dieser beiden – geschätzten – Sterberaten ist kaum zielführend, da die Zahlen unterschiedlich erhoben werden. Bei der Grippe nehmen Wissenschaftler die sogenannte Übersterblichkeit: Wie viele Menschen mehr sterben während der Grippesaison als in den restlichen Monaten des Jahres? Bei SARS-CoV-2 hingegen wird die Sterblichkeit bei gesicherten Infektionsfällen betrachtet – ein wesentlicher Unterschied. 

Der aktuelle Corona-Virus-Typ ist aus mehreren Gründen besonders gefährlich: Es überträgt sich leichter als etwa das gefährliche Sars-1-Virus. Es ist krankheitserregender als bisherige Coronaviren und sogar als Influenza. Zudem gibt es nach wie vor keine Behandlung, keine Impfung, anders als bei Grippe und anderen Infektionen. Viele Menschen infizieren sich, ohne zu erkranken, stecken aber genau deshalb ältere und immungeschwächte Personen an, die daran schwer erkranken und sterben können. Der explosionsartige, exponentiell ansteigende Infektionsverlauf (anders als bei Influenza) kann eine Überlastung der Krankenhäusern herbeiführen, so dass auch hier die Todesfallzahlen steigen können.

Die Corona-Pandemie ist ein Schwerpunkt auf der Verschwörungs-Website Klagemauer-TV. Hier gibt es (Stand 20.3.) zehn Videos, die Unwahrheiten über das Coronavirus verbreiten, oft in alarmistischem Ton. Zum Beispiel, dass das Coronavirus eine biologische Waffe sei. Dieses Video wurde auch auf Facebook stark verbreitet, bis die Plattform einen Faktencheck von Radio Canada einblendete, der diese Behauptung als falsch einstuft. Auch BR24 widerlegte diese auch von anderen Accounts gestreute Behauptung (siehe den Eintrag “Das Virus wurde als Kampfstoff im Hochsicherheitslabor in Wuhan entwickelt” weiter unten in diesem Artikel).

Hinter Klagemauer-TV steckt die Sekte “Organische Christus Generation (OCG)”, die der Schweizer Prediger Ivo Sasek führt. Der Web-Sender produziert Inhalte in 43 Sprachen, Studios unterhält er zum Teil auch in bayerischen Städten. Die Seite bezichtigt die “Hauptmedien” einer “konsequenten Unterdrückung von Gegenstimmen”. Politiker werden bei der hinter Klagemauer-TV stehenden Sekte OCG in Freundes- und Feindeslisten eingeteilt, wie eine BR-Recherche im Januar zeigte.

Im Netz wird ein Dokument des Deutschen Bundestags verbreitet: Im “Bericht zur Risikoanalyse zum Bevölkerungsschutz 2012” vom 3. Januar 2013 geht es neben dem Risiko eines Schmelzhochwassers auch um eine Analyse einer möglichen Pandemie durch ein Virus. Dabei wurden sehr hohe Sterblichkeitszahlen genannt. Sie passen aber nicht zur aktuellen Entwicklung um das Coronavirus. Der “Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012” war eine Risikoanalyse mit einem Worst-Case-Szenario. Die dort für möglich erachtete Sterblichkeitsrate entspricht nicht der aktuellen Situation um SARS-CoV-2. Beides in Zusammenhang zu setzen, ist Desinformation und Panikmache.

Vor allem auf WhatsApp kursieren Kettenbriefe mit Tipps, wie man sich selbst auf das Coronavirus testen und eine Ansteckung vermeiden kann. Die Luft über zehn Sekunden anhalten zu können, ist kein Beweis dafür, sich nicht infiziert zu haben. Alle 15 Minuten zu trinken schützt nicht vor einer Infektion. Die Tipps sind laut Ärzten nicht korrekt. Generell sollte man vorsichtig mit Selbsttests und Verhaltenstipps zum Coronavirus umgehen, die nicht direkt bei einer vertrauenswerten Quelle zu finden sind.

Viele Halter von Haustieren fragen sich, ob das Coronavirus vom Menschen zum Tier übertragen werden kann – und umgekehrt. Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass mit dem aktuellen Coronavirus infizierte Menschen das Virus auf ihr Haustier übertragen haben, wie der #Faktenfuchs recherchierte. Auch für den umgekehrten Weg – die Übertragung des SARS-CoV-2 von einem heimischen Haustier auf Menschen – gibt es keine Beweise. Dennoch empfehlen Behörden und Forschungsinstitute Menschen, die in Kontakt mit Haustieren sind, besonders auf Hygiene zu achten.

Erwiesen ist hingegen, dass das Coronavirus von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Ungeklärt ist, ob das aktuelle SARS-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder ob es einen weiteren tierischen Zwischenwirt gegeben hat.

Die Faktenchecker von Correctiv wiederum prüften eine etwas andere Frage: nämlich ob das Coronavirus Hunde und Katzen mehr als Menschen gefährde. Das wurde im Titel eines Artikels behauptet, der am 29. Februar bei der Frankfurter Neuen Presse veröffentlicht wurde. Dafür gibt es laut Correctiv bisher keine Hinweise. Zwar übertragen sich manche Coronaviren auf Haustiere – ob das auch für SARS-CoV-2 gilt, war aber auch laut diesen Faktencheckern Anfang März noch unklar.

Der Account “AfD Kreisverband Kelheim” behauptete auf einer Bildtafel: “Grüne gibt ernsthaft AfD Schuld an Corona-Pandemie!” Diese Behauptung bezieht sich auf die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche, die während einer Aktuellen Stunde im Februar im Bundestag sagte: “Verschwörungstheorien und Rassismus fördern die Verbreitung von Viren, und zwar nicht nur in China, sondern auch hier bei uns.” Sie sagte weiter: “Der WHO-Chef rief dieser Tage zur globalen Solidarität auf. Genau das ist die richtige Antwort zur Vermeidung einer Pandemie, und nicht, meine Damen und Herren von der AfD, Hass und Hetze; die sind genau das Gegenteil von einer vernünftigen Antwort.”

Die Behauptung der AfD verzerrt den Inhalt der Aussage. Schulz-Asche sagt nicht, die AfD sei die Ursache der Pandemie. Sie sagte vielmehr, die AfD habe aus ihrer Sicht die falsche Antwort zur Vermeidung einer Pandemie.

Auf einer Nachrichten-Webseite wird behauptet, der Papst und zwei Assistenten hätten sich mit Corona infiziert. Angeblich habe der Vatikan das offiziell bestätigt. Die Behauptung ist falsch. Die Fake News kursiert derzeit in Sozialen Netzwerken und Messengern. Aber: “Es gibt keine Anzeichen, die uns dazu veranlassen, etwas anderes als eine leichte Erkrankung zu diagnostizieren”, sagte ein Vatikan-Sprecher zu Journalisten am Sonntag, den 1. März. Wegen einer Erkältung – so der Papst zuvor selbst – könne er nicht an einer mehrtägigen Klausur mit der römischen Kurie teilnehmen. Bei seiner Ansprache auf dem Petersplatz hatte der Papst mehrere Hustenanfälle. Außerdem auffällig: Die Webseite, auf der der Fake-News-Artikel erschien, ging erst vor fünf Tagen online und ist derzeit nicht erreichbar. Das könnte daraufhin deuten, dass sie eigens für die Verbreitung von Fake News erstellt wurde.

In den Kommentarspalten von BR24, auf Youtube und Twitter teilen Nutzer Links zu Videos, in denen vor allem zwei Behauptungen auftauchen:

1. Ein Vitamin-D-Mangel mache Menschen anfälliger für das neuartige Coronavirus, die Ausbreitung von Corona könne daher mit der Gabe von Vitamin D bekämpft werden.

2. Vitamin C könne helfen, Corona zu heilen.

Barbara Schmidt, Professorin am Institut für Mikrobiologie und Hygiene in Regensburg, sagt dazu auf Anfrage von BR24: “Beides ist völlig absurd.” Richtig sei zwar, dass viele Menschen in West- und Mitteleuropa einen Vitamin-D-Mangel hätten. Ein Vitamin-C-Mangel sei dagegen in West- und Mitteleuropa sehr ungewöhnlich. Dass ein Vitamin-Mangel Ursache einer Erkrankung mit dem neuen Coronavirus sei, lasse sich aber nicht nachweisen. Auch dafür, dass sich diese Virusinfektion mit Vitamin C oder D behandeln lasse, gebe es bisher keine Belege.

Das Robert Koch Institut empfiehlt stattdessen auf seiner Webseite die folgenden Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen:

“Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen Husten- und Nies-Etikette, gute Händehygiene sowie Abstand zu Erkrankten (ca. 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten.”

Die Weltgesundheitsorganisation sammelt auf ihrer Webseite Mythen rund um Corona-Therapie. Wieder das ernüchternde Fazit: Weder Knoblauch noch Alkoholsprays oder UV-Desinfektions-Lampen sind geeignete Mittel, um Corona-Viren zu bekämpfen.

Ein unbekannter Urheber hat per Whatsapp im Namen des Portals Onetz von Oberpfalz-Medien eine gezielte Falschmeldung verbreitet. Demnach solle es zwei Corona-Infizierte in Weiden geben.

Oberpfalz-Medien hat die Meldung auf der Seite onetz.de als Fake zurückgewiesen. Laut dem Artikel hätten der oder die Unbekannten ein Bild “geklaut” und einen Bildautoren dazu erfunden. Ein Klick auf den Link leitete User zunächst nach Zentralafrika, später nach Österreich weiter.

Chefredakteur Kai Gohlke sagte dem BR, das sei ärgerlich, “weil wir nicht viel dagegen tun können”. Juristen prüften gerade, ob das Verbreiten der Falschmeldung im Namen von Oberpfalzmedien strafrechtlich relevant sei. Aber rechnen müsse man mit sowas immer, so Gohlke. So eine Falschmeldung könne jeder Zwölfjährige herstellen. Das Gesundheitsamt Weiden/Neustadt bestätigt, es gebe keine Fälle von Corona-Virus in Weiden und dem Landkreis.

Die Astrid-Lindgren Grundschule in Rosenheim hatte zwei Tage lang geschlossen, weil so viele Kinder krank waren. Daraufhin kam im Internet und auf Social Media das Gerücht auf, die Schule habe wegen des Coronavirus geschlossen. Zudem wurden Beziehungen konstruiert zu dem Ort Siegsdorf – dem Ort, in dem eine vom Coronavirus betroffene Familie lebt.

Das Landratsamt Rosenheim dementierte das Gerücht und sprach von einer Verschwörungstheorie. Es gebe bei keinem einzigen Fall den Nachweis oder den Verdacht auf den Coronavirus und auch keine Beziehungen nach Siegsdorf, betonte Pressesprecher Michael Fischer. Die Kinder seien entweder stark erkältet oder vom Magen-Darm-Virus geplagt gewesen.

Ein User namens “Odysseus” lud im Januar auf Youtube ein Video zum neuartigen Coronavirus hoch – es verbreitete sich hunderttausendfach über Youtube und Whatsapp. Der Hauptvorwurf darin: Medien und Regierung würden wichtige Informationen zum Coronavirus zurückhalten, die “Coronavirus-Pandemie” sei weitaus schlimmer als berichtet.

Das Video war für viele Nutzer auch deshalb schwer als Desinformation zu erkennen, weil einige richtige mit vielen falschen Informationen vermischt wurden. Das Video ist inzwischen gelöscht (Stand 19.02.2020), Behauptungen daraus halten sich allerdings hartnäckig.

💡 Was macht der #Faktenfuchs?

Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund – und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich “Faktenfuchs”? Wir arbeiten mit einer Software, dem “factfox”. Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.

Richtig ist, dass es bisher keine spezifische Therapie für den neuartigen Coronavirus gibt. Auch eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht; allerdings gibt es Fortschritte bei Impfstoffen gegen MERS-Coronaviren, die momentan in klinischen Studien erprobt werden, aber noch nicht zur Anwendung zur Verfügung stehen. Die meisten Patienten in Deutschland können allerdings auch ohne spezifisches Medikament gut behandelt werde – denn sie weisen bisher nur normale Erkältungssymptome auf.

Als teilweise richtig hat sich inzwischen die Behauptung des Erstellers erwiesen, dass das neuartige Coronavirus schlimmer ist als SARS. Durch die Atemwegserkrankung SARS sind 2002/2003 in Festlandchina und Hongkong fast 650 Menschen gestorben, weltweit 774. Durch das neuartige Corona-Virus sind weltweit schon mehr als 2000 Menschen verstorben (Stand: 19.02.2020), der weitaus größte Teil davon in China. Aktuelle Fallzahlen der Weltgesundheitsorganisation finden sich hier.

Auch die Inkubationszeit ist bei SARS-CoV-2 mit bis zu 14 Tagen (Robert Koch Institut) länger als bei SARS (zwei bis 10 Tage). Allerdings scheint die Mortalitätsrate – also der Anteil der Infizierten, der verstirbt – beim neuartigen Coronavirus geringer zu sein als bei SARS. Einer aktuellen Studie des Chinesischen Zentrums für Krankheitsvorsorge- und kontrolle zufolge liegt er bei etwa zwei Prozent, bei SARS ging man von etwa 11 Prozent aus.

Nicht verifizierbar oder falsch sind hingegen einige der weiteren Behauptungen, die in dem Video verbreitet werden:

1. Kein “juckender Hautausschlag mit roten Punkten, in der Mitte mit schwarzem Punkt, der sich verhärtet und stark juckt”: Hartmut Hengel, Virologie-Professor am Universitätsklinikum Freiburg und Präsident der Gesellschaft für Virologie, bewertet diese Aussage als falsch. “Meiner Kenntnis hatten Patienten weder bei SARS noch beim neuartigen Coronavirus einen Hautauschlag, geschweige denn so einen spezifischen”, sagt der Virologe.

Das Robert Koch Institut listet folgende Symptome auf: “Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber (…), einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen.”

2. Fallen die Menschen in China einfach auf der Straße um? Das wird in dem Video behauptet und mit eingebetteten Videoschnipseln, die angeblich aus Wuhan stammen, “belegt”. Quellen werden nicht genannt. Faktenchecker von Correctiv, einem renommierten deutschen Recherchezentrum, haben versucht die eingebetteten Videos zu überprüfen, konnten aber nicht verifizieren, ob sie tatsächlich aus Wuhan stammen.

Auch ob die gezeigten Bilder wirklich mit dem Coronavirus in Zusammenhang stehen, bleibt unklar. Einige der Videos wurden in Boulevardmedien aufgegriffen oder in Blogbeiträgen verlinkt. “Mehr können wir aktuell nicht zu den Videos sagen”, so das Fazit von correctiv.

In der Social-Media-App “Jodel” hat eine Falschmeldung über einen angeblichen Corona-Fall in Passau die Runde gemacht. Wie die Universität Passau in einer Mitteilung schrieb, war in der App ein Screenshot eines gefälschten Artikels der Süddeutschen Zeitung verbreitet worden. Der Screenshot zeigte einen gefälschten Artikel der “Süddeutschen Zeitung” mit der Schlagzeile “Coronavirus in Passau: Verdacht bestätigt sich.” Das Titelbild zeigte den Passauer Campus, sodass der Eindruck entstand, dass es einen Coronavirus-Fall an der Uni gegeben hätte. Die Passauer Polizei ermittelte zunächst wegen der Falschmeldung – musste die Ermittlungen schließlich aber einstellen, da keine Straftat vorlag. Die Polizei weist allerdings in einer Pressemitteilung darauf hin, dass aus solchen Falschmeldungen resultierende Polizeieinsätze den Verursachern in Rechnung gestellt werden können.

Im Internet kursiert die Theorie, das neuartige Coronavirus sei in Laboren entwickelt und dann ausgesetzt worden, um Impfungen zu vermarkten. Der “Beweis”: Im Internet lassen sich Patente auf Coronaviren finden.

Tatsächlich existieren Patente auf bestimmte Gensequenzen der Coronaviren. Allerdings sind die Corona eine große Familie von Viren und keines der Patente bezieht sich auf die neue in China aufgetretene Variante 2019-nCoV. Der Virologe Matthew Frieman von der Universität Maryland sagte der Seite factcheck.org, dass eine der Gensequenzen während des SARS-Ausbruchs 2003 isoliert und patentiert worden sei. Ein anderes Patent existiere hingegen für eine mutierte Form des Virus, das Geflügel befällt. Die abgeschwächten Virus-Mutationen würden patentiert, um daraus Impfstoffe herzustellen.

Eine spezifische Form dieses Gerüchts bringt Bill und Melinda Gates mit dem Corona-Virus in Verbindung. Angeblich wollten auch sie Geld mit einer Impfung verdienen. Die Verbindung: Das amerikanische Forschungs-Institut Pirbright hält ein Patent auf eine Form des Coronavirus; das Institut wurde 2019 unter anderem von der Bill & Melinda Gates-Stiftung gefördert.

Das Institut hält allerdings nur ein Patent für eine abgeschwächte Form des Coronavirus, das als Impfstoff gegen Bronchitis bei Geflügel eingesetzt werden soll (siehe oben).

Andere Social-Media-User vermuteten, dass das Virus aus dem Hochsicherheitslabor in Wuhan stammen könnte. Dort ist das Nationale Chinesische Labor für Biosicherheit angesiedelt. So kam in der “Washington Times” am 26. Januar ein israelischer Geheimdienstler zu Wort, dessen Ansicht nach sich das Labor wahrscheinlich zumindest in Teilen mit biologischen Waffen befasst habe.

Das Labor gibt es tatsächlich. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Labor und dem neuartigen Coronavirus gibt es hingegen nicht. Trevor Bedford, Teil einer internationalen Gruppe von Forschern, die derzeit Genanalysen am Coronavirus durchführen, um seine Verbreitung besser zu verstehen, schloss Mitte Februar mit Sicherheit aus, dass das Virus künstlich im Labor hergestellt worden sei. Die Mutationen des neuen Coronaviruses entsprächen einer natürlichen Evolution.

Derzeit nehmen Experten des Robert Koch Instituts an, dass der Vorläufer des SARS-CoV-2 von Wildtieren stammt. Als wahrscheinlich gilt, dass sich die ersten Patienten Anfang Dezember auf einem Markt in Wuhan angesteckt haben. Der Markt wurde am 01.01.2020 geschlossen.

Die Behauptung verbreitet sich auf Twitter. Tatsächlich waren kurzzeitig zwei Grundschulen im Landkreis Starnberg sowie die Mittagsbetreuung in Weßling und der Hort in Hochstadt geschlossen. Mit dem neuartigen Coronavirus habe das allerdings nichts zu tun, sagte ein Sprecher des Staatlichen Schulamtes Starnberg auf BR24-Anfrage. Die Schulen wollten eine Ausbreitung des Influenza-Virus verhindern, weil sich offenbar viele Schüler mit der Grippe angesteckt hatten. Auch der BR hatte darüber berichtet.

Dieser Text beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien, Gerüchten und Behauptungen rund um das neu aufgetretene Coronavirus. Der Text wird laufend erweitert, wenn wir von neuen Verschwörungstheorien erfahren.

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24. März: Chlordioxid ist kein Mittel gegen Corona – es ist gesundheitsschädlich

23. März: Verfälschte Bilder von Medizinpersonal

23. März – Falschmeldung über angebliche Flüchtlingsmassen in München

20. März: Särge, die an Corona verstorbene Menschen zeigen

19. März – Arzt setzt viele falsche Behauptungen in die Welt

19. März – Gerüchte-Kette um Ibuprofen

19. März – AfD-Politiker beschuldigt Fridays for Future

19. März – Facebook-Post zu “Massenschluckimpfung”

18. März – Zwiebeln wirken nicht gegen Viren

17. März – Was ist gefährlicher: Influenza oder Corona?

16. März – Coronavirus als Biowaffe

13. März – Desinformation: Verwendung der Risikoanalyse von 2012

12. März – Gefährliche Kettenbriefe auf Whatsapp

6. März – Überträgt sich Corona zwischen Mensch und Tier?

2. März – Falschbehauptung über Grünen-Abgeordnete

2. März – Fake News zu Papst und Corona

19. Februar – Vitamine gegen das Coronavirus?

18. Februar – Falsche Onetz-Nachricht verbreitet

18. Februar – Gerüchte um Schulschließung in Rosenheim

Ende Januar: Ein Video mit Verschwörungstheorien

28.01.2020 – Falschmeldung über Corona-Infektion in Passau

Ende Januar – “Das Virus wurde in Laboren entwickelt (und Bill Gates profitiert davon)”

Ende Januar – “Das Virus wurde als Kampfstoff im Hochsicherheitslabor in Wuhan entwickelt”

24.01.2020 – “Grundschulen in Starnberg wurden wegen des Virus geschlossen”

Coronavirus: Zwiebeln helfen nicht – und andere Fakes

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