Die Studie zeigt große geschlechtsspezifische Unterschiede im sozialen Gehirn des Menschen.

0

Ein Team von Forschern aus Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden hat Hinweise darauf gefunden, dass es große geschlechtsspezifische Unterschiede im menschlichen sozialen Gehirn gibt. In ihrer in der Zeitschrift Science Advances veröffentlichten Arbeit beschreibt die Gruppe, wie sie Informationen in der britischen Biobank-Datenbank untersucht haben und was sie über soziale Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern herausgefunden haben.

Frühere Forschungen zum Sozialverhalten von Primaten, einschließlich des Menschen, haben zu einer Theorie geführt, die als “Sozialhirn-Hypothese” bezeichnet wird. Sie basiert auf der Idee, dass der Grund dafür, dass Primaten so große Gehirne haben, in der Notwendigkeit liegt, sehr große Mengen an sozialen Informationen zu verarbeiten. In diesem neuen Versuch haben die Forscher Hinweise gefunden, die darauf hindeuten, dass mit dem Wachstum des Primatengehirns Geschlechtsunterschiede in den Teilen des Gehirns entstanden, die an der Verarbeitung sozialer Informationen beteiligt sind.

Die Arbeit umfasste die Analyse von Daten in der britischen Biobank-Datenbank – der Schwerpunkt lag auf Hintergrunddaten und MRT-Scans der Gehirne von 10.129 männlichen und weiblichen Teilnehmern. Durch den Vergleich von Hirnscans mit Hintergrunddaten konnten die Forscher soziodemographische und Lebensstil-Faktoren erkennen, die dem einen oder anderen Geschlecht gemeinsam sind. Genauer gesagt untersuchten sie 36 Teile des Gehirns, die nach den bisherigen Forschungsergebnissen an der Verarbeitung von sozialen Hinweisen und Verhaltensweisen beteiligt waren, und verglichen die Ergebnisse mit Faktoren wie der Anzahl der Personen in einem Haushalt, der Verheiratetheit einer Person, dem Ausmaß ihrer Beziehungen und dem Grad ihrer sozialen Unterstützung.

Bei ihren Vergleichen zwischen den Geschlechtern fanden die Forscher deutliche Unterschiede in Hirnregionen, wie denjenigen, die das limbische System, den ventromedialen präfrontalen Kortex und die Amygdala ausmachen. Sie berichten von deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschieden in Bereichen, die mit sozialen Aktivitäten wie Bindungen oder intensiven sozialen Kontakten in Verbindung gebracht werden könnten. So fanden sie zum Beispiel neuroanatomische Assoziationen in der Amygdala, die bei sozial stimulierten Frauen vorherrschend, bei den meisten Männern aber kaum vorhanden waren. Umgekehrt fanden sie Unterschiede im Volumen des ventromedialen präfrontalen Kortex von Männern, die allein lebten, im Vergleich zu denen, die sozial stimuliert waren – Variationen, die im Gehirn der untersuchten Frauen im Allgemeinen nicht zu sehen waren. Die Forscher stellen abschließend ein gewisses Maß an Geschlechtsunterschieden in allen untersuchten Regionen fest, was darauf hindeutet, dass es große geschlechtsspezifische Unterschiede im menschlichen sozialen Gehirn gibt.

Share.

Leave A Reply