Dringend erforderlich: Neuer Weg zur Bekämpfung des impfstoffbedingten Poliovirus.

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Ein Team von Forschern aus Großbritannien, der Schweiz, den USA und dem Kongo hat festgestellt, dass die Bekämpfung eines aus einem Impfstoff stammenden Poliovirus dringend erforderlich ist. In ihrem in der Zeitschrift Science veröffentlichten Artikel beschreibt die Gruppe ihre Studie über das Impfstoffvirus und ihre Ergebnisse.

Es gibt drei Arten von Polio in freier Wildbahn: Typ 1, 2 und 3. Typ 2 wurde vor etwa fünf Jahren in freier Wildbahn ausgerottet, aber der Impfstoff verursachte ein anhaltendes Problem – ein vom Impfstoff abgeleitetes mutiertes Virus, das sich wie ein Wildtyp-Poliovirus verbreitet und auch infizierte Menschen lähmen kann. Der Impfstoff mit der Bezeichnung OPV2 wurde kurz nachdem festgestellt wurde, dass er ein mutiertes Virus verursacht hatte, aus dem Verkehr gezogen, aber das vom Impfstoff abgeleitete Poliovirus lebt weiter. Und die einzige Möglichkeit, eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern, ist die Impfung mit OPV2, aber die Wiedereinführung des Impfstoffs wird zur Entwicklung weiterer mutierter Viren führen. Aus diesem Grund, so die Forscher, ist ein neuer Impfstoff notwendig. Ihre Arbeit hat gezeigt, wie dringend dieser Bedarf ist.

Im Rahmen der Studie wurden statistische Modelle erstellt, um zu zeigen, wie sich das mutierte Poliovirus wahrscheinlich ausbreiten wird, wenn nicht bald ein neuer Impfstoff entwickelt und eingesetzt wird. Sie stellten fest, dass das Virus irgendwann zwischen 2016 und 2019 zum ersten Mal auftrat. Seitdem hat das Global Polio Laboratory Network 859 Fälle identifiziert, in denen das Virus Menschen in 26 Ländern infiziert hat. Sie stellten ferner fest, dass etwa 65,5 Prozent der Infektionen nach einer Zeit auftraten, die als “Switch” bezeichnet wird – als das Gesundheitspersonal von der Verwendung zweier verschiedener Impfstoffe zur Impfung von Menschen gegen Typ-1- und Typ-3-Polio auf einen einzigen Impfstoff umstellte, der gegen beide Typen wirksam war. Insgesamt identifizierten sie 62 Post-Switch-Ereignisse und 41 Ausbrüche der Poliomutanten. Die Gesundheitsbehörden bekämpften diese Ausbrüche durch die Wiedereinführung von OPV2, was zu weiteren Ausbrüchen von Poliomutanten führte.

Die Forscher halten es für möglich, dass der derzeit für die Typen 1 und 2 verwendete Polioimpfstoff auch das Risiko birgt, Ausbrüche von Poliomutanten auszulösen, weshalb ein neuer Impfstofftyp benötigt wird – ein Impfstoff, der nicht so leicht mutieren kann. Sie weisen darauf hin, dass ein neuer OPV2-Impfstoff derzeit in klinischen Studien der Phase II erprobt wird – und obwohl er auf der gleichen Idee beruht, eine milde Form des Virus einzuführen, um den Körper zum Aufbau einer Immunität zu zwingen, ist er genetisch stabiler und daher weniger geeignet, zu mutieren.

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