Messengerdienst Telegram: Wo die Verschwörungstheorien sprießen – Top News

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Hier tummeln sich Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme, aber auch Aktivisten in HongKong oder politisch Verfolgte – User*innen, die sich auf anderen Plattformen nicht sicher oder akzeptiert fühlen.

Das hat unter anderem die Amadeu-Antonio-Stiftung in Studien festgestellt: So sind beispielsweise Kanäle von Rechtsextremen, die auf Facebook oder Instagram gesperrt wurden, auf Telegram ausgewichen – und bekommen dort mehr Nutzer.

In der Corona-Krise nutzen die Deutschen verstärkt soziale Medien und Messenger – besonders Telegram hat viel Zulauf.

Die kaum regulierte Plattform scheint vor allem diejenigen anzuziehen, die woanders mit ihren Theorien anecken.

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Viele Verschwörungstheorien und Falschnachrichten im Zusammenhang mit der Corona-Krise werden über Social-Media-Plattformen wie Youtube oder Facebook geteilt.

Doch aktuell erfährt der – von den Nutzerzahlen her – kleine Messenger Telegram immer mehr Zulauf.

Nach eigenen Angaben kommen momentan täglich etwa 1,5 Millionen neue Nutzer und Nutzerinnen zu Telegram.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat der Messenger rund 8 Millionen aktive Nutzer pro Tag, Facebook knapp 30 Millionen, WhatsApp bringt es allein in Deutschland auf 60 Millionen User.

Inhalte werden kaum reguliert

NetzDG greift bei Telegram nicht

Blinder Fleck im NetzDG

Selbstregulierung statt Kontrolle von außen

Kaum noch Unterschied zu Facebook-Seiten

Entwicklung von Parallelgesellschaften

Trotz der Kanäle rund um Verschwörungstheorien und Fake-News, die sich auf Telegram in der Corona-Krise vermehrt bilden, ist der Messenger auch ein seriöser Nachrichtendienst.

Es finden sich dort beispielsweise Accounts vom Bundesgesundheitsministerium oder von Medienhäusern wie Bloomberg.

Während rechtsradikale Äußerungen auf Facebook meist mehr oder wenig schnell gelöscht oder zumindest gemeldet werden können, greift bei Telegram das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) nicht.

Dabei soll das NetzDG helfen, Online-Beiträge zu entfernen, die beispielsweise volksverhetzend oder beleidigend sind, zu entfernen.

Warum also nicht bei Telegram?

In der Corona-Krise nutzen die Deutschen verstärkt soziale Medien und Messenger – besonders Telegram hat viel Zulauf.

Die kaum regulierte Plattform scheint vor allem diejenigen anzuziehen, die woanders mit ihren Theorien anecken.

Telegram gehört also zu den Gewinnern der Corona-Krise, wenn man so will.

Das liegt zum einen daran, dass der Dienst wenig reguliert wird.

So werden zwar Kanäle mit Bezug zum IS-Terror blockiert, aber Telegram betont auf seiner Webseite, dass es Nutzer keinesfalls daran hindere, “auf friedliche Weise alternative Meinungen zum Ausdruck zu bringen.

Das NetzDG gelte für Anbieter, die Plattformen im Internet mit einer “Gewinnerzielungsabsicht betreiben”, sagt Ariane Keitel, Sprecherin des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Plattformen, die zur individuellen Kommunikation seien vom NetzDG ausdrücklich ausgenommen.

Allerdings liegt genau hier auch eine Schwierigkeit, sagt Matthias C.

Kettemann vom Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft der Humboldt-Uni in Berlin (HIIG).

Telegram sei zwar im Kern ein Nachrichtendienst, allerdings kämen immer mehr Gruppen dorthin, weil sie dort mit vielen Menschen kommunizieren könnten.

Dadurch würde Telegram Plattformen wie Facebook sehr, sehr nahe kommen.

Messengerdienst Telegram: Wo die Verschwörungstheorien sprießen

Den strafrechtlich relevanten Inhalten auf Telegram nachzukommen, sei sehr schwierig, sagt C.

Kettemann.

“Wir wollen ja auch nicht, dass der Staat hineinschauen kann in die Kommunikation zwischen Menschen.

Der Geheimnisschutz ist wichtig, die Privatsphäre ist wichtig.

Telegram fällt wie Whatsapp in die Kategorie Dark Social, das heißt halb-öffentliche Kommunikation.

Wenn dort aber nun Kanäle und Gruppen gebildet werden, in denen sich nur einige Menschen mitteilen und der Rest die schweigende Mehrheit bildet, kommt das einer Kommunikation wie in großen Online-Foren oder sozialen Netzwerken wie Facebook sehr nahe.

Hinzu kommt, dass wenig darüber bekannt ist, wer hinter Telegram steckt.

Gegründet wurde der Dienst von dem russischen Unternehmer Pavel Durov, allerdings weist die Seite kein Impressum auf – wer rechtlich dahinter steht, ist also unklar.

Zudem sehe Telegram seine Rolle auch ganz anders beispielsweise Facebook.

“Sie suchen nicht bewusst, wie Facebook in letzter Zeit, den Weg hin in die Öffentlichkeit, um stärker als ein Akteur wahrgenommen zu werden, der seiner Verantwortung gerecht wird”, so Kettemann

Der Internetrechtler sieht hier eine wichtigere Rolle bei der Selbstregulierung.

So hat Telegram bereits zugestimmt, auch bei privaten Kanälen zumindest terroristische Inhalte zu löschen.

Kettemann räumt jedoch ein: “Sie gehen noch nicht gut genug vor gegenüber rechtsextremistischen oder anderen, nicht-islamistischen, terroristischen Inhalten.

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