Narzissmus: Ab wann das Persönlichkeitsmerkmal krankhaft wird – Gesundheit

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Egoistisch, eingebildet, selbstverliebt.

So würden die meisten wohl Narzissten beschreiben.

Solche Menschen gieren förmlich nach Aufmerksamkeit und Bewunderung.

Ehrgeizig sind sie oft auch.

Tatsächlich haben sie nicht selten eine Führungsposition inne – und leisten Herausragendes.

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Und sie sind sehr von sich selbst überzeugt.

So ein Persönlichkeitsstil ist aber nicht zwangsweise krankhaft.

Kein Mitgefühl, Angst vor Kritik: Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung machen sich groß und andere klein.

Experten erklären, was die Erkrankung kennzeichnet und wo Therapien ansetzen.

Narzisstische Menschen gelten als selbstverliebt und selbstbewundernd.

Meist wird damit eine Person charakterisiert, die stark auf sich selbst bezogen ist und anderen Menschen geringere Beachtung zukommen lässt.

Abzugrenzen ist diese Charaktereigenschaft jedoch von der narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Ab wann wird Narzissmus zur Krankheit?

Eine von hundert Personen entwickelt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung

Wenn Narzissmus krankhaft ist

„Bis zu einem gewissen Maße ist Narzissmus nur ein anderer Begriff für ein gesundes Streben nach Selbstwert“, sagt der Hamburger Psychiater und Psychotherapeut Prof.

Claas-Hinrich Lammers.

Von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist indes die Rede, wenn der Narzissmus bei dem Betroffenen und seiner Umgebung zu Leiden führt.

Lammers schätzt, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat.

Betroffene haben ein überhöhtes, aber zugleich instabiles Selbstwertgefühl.

Das versuchen sie durch übertriebene und realitätsverzerrende Selbstdarstellung auszugleichen.

Sie tendieren dazu, ihre Kompetenzen und Errungenschaften zu überschätzen.

„Ihren Selbstwert erhöhen sie dadurch, dass sie eine übertriebene Anspruchshaltung haben“, so Lammers.

Narzissten gieren nach Aufmerksamkeit

Menschen mit dieser Störung stellen sich über andere.

Konkret versuchen sie, andere zu dominieren und zu kontrollieren sowie deren Leistungen und Errungenschaften klein zu halten oder abzuwerten.

„Ein solches Verhalten führt unweigerlich zu Konflikten“, so Prof.

Sabine Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Sie zeigen wenig Mitgefühl und Interesse für andere.

Werden ihre Wünsche nicht erfüllt, hagelt es Kritik.

Stellen sich Misserfolge ein, reagieren sie mit Ärger, Aggression oder abwertenden Äußerungen.

„Interesse an anderen haben Betroffene nur, wenn diese zur Erreichung ihrer Ziele beitragen oder sie bei anderen auf Bewunderung stoßen“, erläutert Claas-Hinrich Lammers.

Das führt zu einem Dilemma, so Lammers: So wenig Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung Interesse für andere Menschen aufbringen, so sehr sind sie auf deren Aufmerksamkeit und Bewunderung angewiesen, um ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren.

Der Anfang der Therapie kann schwer sein.

„Therapeuten brauchen häufig viel Zeit, um an den Patienten überhaupt heranzukommen“, sagt Claas-Hinrich Lammers.

Krankhafte Narzissten gehen mit ihnen zunächst genauso um, wie mit anderen Menschen in ihrem Umfeld auch: Sie wollen ihre Überlegenheit demonstrieren, indem sie ihr Gegenüber abwerten.

„Ein großes Problem ist, dass Betroffene oft nur ein sehr geringes Krankheitsbewusstsein haben“, sagt Sabine Herpertz, die im Vorstand der Fachgesellschaft DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) sitzt.

Wer an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erkrankt ist, begibt sich häufig erst wegen Folgeerkrankungen wie Depressionen, Essstörungen oder wegen einer Sucht in eine Psychotherapie.

So entsteht ein Leidensdruck: Erstens aus den Spannungen und Konflikten mit anderen.

Und zweitens aus der immer größer werdenden Kluft zwischen der Realität einerseits sowie der Anspruchshaltung und Selbstidealisierung andererseits.

Werden Betroffene in ihre Schranken gewiesen, können sie in existenzielle Krisen geraten.

Tekk.tv Gesundheit 

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