Es beginnt oft unscheinbar: zu wenig Bewegung, ein paar ungünstige Essgewohnheiten, vielleicht jahrelanges Sitzen. Doch genau diese Mischung macht Blutgerinnsel – medizinisch Thrombosen – zu einem der größten, aber meist unterschätzten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Fachleute warnen seit Jahren: Erkrankungen, die durch Thrombosen ausgelöst werden, haben hohe Erkrankungsraten, hohe Invaliditätsraten und eine hohe Sterblichkeit.
Besonders dramatisch sind die Folgen, wenn ein Blutgerinnsel das Gehirn betrifft. Ein sogenannter Hirnthrombus kann die Blutversorgung blockieren, das betroffene Areal erhält nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe – es droht ein Hirninfarkt, der die Lebensqualität massiv einschränken oder sogar tödlich enden kann.
Vereinfacht gesagt ist ein Thrombus nichts anderes als eine halbfeste, gerinnselartige Masse im Blut. Er entsteht vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: eine raue Gefäßinnenwand, eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, ein verlangsamter Blutfluss oder Verwirbelungen in den Gefäßen. Genau hier setzen Mediziner und Ernährungsfachleute an – und rücken Ernährung und Lebensstil stärker in den Mittelpunkt der Prävention.
Was auf dem Teller landet, beeinflusst das Risiko
Eine vernünftige Ernährung kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern. Dabei geht es weniger um einzelne Wundermittel als um ganze Lebensmittelgruppen, die nachweislich günstig wirken.
Eine wichtige Rolle spielen Öle mit Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure. Dazu zählen vor allem Leinsamenöl und Perillaöl. Im Alltag gilt: weniger gesättigte Fettsäuren, mehr ungesättigte – das schont die Gefäße.
Ebenfalls empfohlen werden ölsäurereiche Öle wie Olivenöl, Teeöl, Avocadoöl, hochölsäurereiches Erdnuss- oder Sonnenblumenöl sowie Rapsöl mit niedrigem Erucasäuregehalt.
Für die Versorgung mit DHA raten Ernährungsexperten vor allem zu Fisch. Besonders geeignet sind Makrele, Lachs, Wolfsbarsch, kleiner Gelber Kroaker und Aal. Der chinesische Ernährungsleitfaden empfiehlt, 300 bis 500 Gramm Fisch pro Woche zu essen – mindestens zweimal wöchentlich.
Ein weiterer Baustein sind Lebensmittel mit Beta-Glucan, einem wasserlöslichen Ballaststoff, der viel Wasser bindet, die Blutviskosität senkt und so nicht nur Thrombosen, sondern auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann. Reichlich enthalten ist er in Hafer, Gerste und Hochlandgerste.
Auch frisches Obst und Gemüse gehört täglich auf den Speiseplan. Dunkel gefärbte Sorten enthalten besonders viele antioxidative Stoffe – etwa Rotkohl, lila Süßkartoffeln, Karotten, Kürbis, Spinat und Rapsgrün. Der chinesische Ernährungsleitfaden empfiehlt 300 bis 500 Gramm Gemüse pro Tag, mehr als die Hälfte davon in dunkler Farbe.
Nicht zu vergessen: Sojabohnen und Sojaprodukte. Sie enthalten Sojalecithin, sind cholesterinfrei und liefern Pflanzensterine, die das „schlechte“ Cholesterin senken und auch das Risiko für koronare Herzkrankheit reduzieren können. Praktisch ist der tägliche Griff zu Tofu oder Sojamilch: Empfohlen werden 15 bis 25 Gramm Sojabohnen pro Tag in Form von Produkten – das entspricht etwa 350 Gramm Sojamilch, 100 bis 150 Gramm Tofu, 40 bis 50 Gramm Tofu-Streifen oder rund 20 Gramm getrocknetem Yuba.
Eine eher weniger bekannte, aber viel untersuchte Substanz ist Resveratrol. Studien zeigen, dass es die Verklumpung von Blutplättchen hemmen, den Fettstoffwechsel regulieren, Gefäße erweitern und das Herz bei chronischem Sauerstoffmangel schützen kann, indem es die Infarktfläche verkleinert. Enthalten ist Resveratrol unter anderem in Trauben, Maulbeeren, Ananas, Erdnüssen, Kakaopulver, Bambussprossen, Spinnenblume und Wasserkastanien.
Drei Gewohnheiten, die über Risiko oder Schutz entscheiden
Ernährung allein reicht jedoch nicht. Ärzte betonen, dass Bewegung, Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol entscheidend sind.
Zu langes Sitzen erhöht das Thromboserisiko deutlich. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung, senkt die Blutdicke und reduziert die Neigung der Blutplättchen, sich zusammenzulagern. Besonders eindrücklich: Wenn sich ein arterielles Gerinnsel in den Herzkranzgefäßen bildet, entsteht eine koronare Herzkrankheit. Durch angemessene körperliche Aktivität lässt sich dieses Risiko um 20 bis 30 Prozent senken.
Rauchen schädigt nicht nur die Lunge, sondern auch die Gefäße. Eine große chinesische Multiregionen-Studie zu kardiovaskulären Risikofaktoren zeigt: Bei Rauchern ist das Risiko für akute koronare Herzkrankheit um das 1,75-Fache, für ischämischen Schlaganfall um das 1,37-Fache und für hämorrhagischen Schlaganfall um das 1,21-Fache erhöht. 19,9 Prozent der akuten Herzinfarkte und 11,0 Prozent der akuten ischämischen Schlaganfälle lassen sich dem Rauchen zuschreiben.
Auch Alkohol spielt eine Rolle. Analysen zeigen, dass eine Zufuhr von mehr als 100 Gramm Alkohol pro Woche die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich der koronaren Herzkrankheit, deutlich erhöht. Alkohol kann zudem das Risiko für Hirnthrombosen steigern – etwa, weil er Herzrhythmusstörungen oder abnorme Bewegungen der Herzwand auslöst, die zu Embolien führen, die Blutplättchenaggregation verstärkt, das Gerinnungssystem aktiviert, die Hirngefäße verkrampft oder den Stoffwechsel im Gehirn verändert und so die Durchblutung verringert.
Ein Risiko, das man nicht spürt – bis es zu spät ist
Mediziner bezeichnen Thrombosen oft als „stille Killer“: Sie können lange unbemerkt entstehen und dann plötzlich lebensgefährlich werden. Wer nicht möchte, dass dieses Risiko zuschlägt, sollte deshalb nicht nur auf Medikamente vertrauen, sondern Ernährung, Bewegung und Lebensgewohnheiten ernsthaft überdenken. Denn im Alltag entscheidet oft genau das, was auf dem Teller liegt – und wie viel man sich bewegt – darüber, ob das Blut frei fließt oder gefährlich stockt.
