Nach den tödlichen Glätteunfällen der vergangenen Tage steht Norddeutschland erneut vor einer kritischen Wetterphase. Meteorologen warnen vor einer gefährlichen Kombination aus gefrierendem Regen, Schnee und Minusgraden, die insbesondere Niedersachsen und Teile Nordrhein-Westfalens wieder stark treffen dürfte. Die Lage gilt als angespannt – nicht zuletzt, weil die Infrastruktur vielerorts bereits an ihre Grenzen gestoßen ist.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet am Samstag in weiten Teilen Deutschlands mit einer Mischung aus Regen, gefrierendem Regen und Schnee. Die Temperaturen liegen überwiegend unter dem Gefrierpunkt, lediglich im Westen und Südwesten werden positive Werte erwartet. Laut DWD-Meteorologe Marco Manitta droht vor allem durch überfrierende Nässe erhebliche Glätte. Ab Samstagabend setzt in Südbayern leichter Schneefall ein, der sich weiter nach Norden ausbreitet und lokal ebenfalls in Eisregen übergehen kann.
Unfallfolgen erhöhen den Handlungsdruck
Die Warnungen kommen vor dem Hintergrund schwerer Unfälle. Bereits am Freitag hatte Glatteis in westlichen Teilen Niedersachsens und im nördlichen Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Zusammenstößen geführt. Die Polizeidirektion Osnabrück meldete allein am Vormittag über 300 Verkehrsunfälle mit 17 Verletzten und bezeichnete die Situation als „nahezu katastrophal“. Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten hätten Fahrzeuge die Kontrolle verloren, Straßen sowie Fuß- und Radwege seien spiegelglatt gewesen. Die Polizei rief die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, zu Hause zu bleiben.
Besonders schwer traf es die A44 bei Paderborn: Dort ereigneten sich in der Nacht und am Morgen mehrere Unfälle, bei denen drei Menschen ums Leben kamen und mindestens elf weitere verletzt wurden. Auch in Niedersachsen führten die Witterungsbedingungen erneut zu Schulausfällen, unter anderem in Osnabrück, der Grafschaft Bentheim, im Emsland und im Landkreis Vechta. Der Unterricht an allgemeinbildenden Schulen wurde dort ausgesetzt, eine Betreuung für dennoch erschienene Schülerinnen und Schüler sichergestellt.
Schnee bis Montag, neue Risiken bleiben
Am Sonntag bleibt es nach DWD-Angaben vielerorts trüb, meist trocken, im Nordosten kann etwas Schnee fallen. Am Abend erreicht erneut Schneefall Südbayern und breitet sich bis in die Nacht zum Montag hinein bis zur Mitte und in den Osten Deutschlands aus. Ursache ist ein Tiefdruckgebiet, das von den östlichen Alpen nach Polen zieht und besonders am Montag für winterliche Verhältnisse sorgt. Lokal sind laut DWD fünf bis zehn Zentimeter Neuschnee möglich.
Wie weit diese Schneefälle nach Westen vordringen, ist noch unklar. Sicher ist jedoch: Glatte Straßen sind nahezu überall einzuplanen. Für den äußersten Westen und Südwesten erwarten die Meteorologen ein vergleichsweise ruhigeres Wetter, da dort die Temperaturen überwiegend über null Grad liegen.
Für Niedersachsen gelten weiterhin Unwetterwarnungen, unter anderem für das Emsland, die Grafschaft Bentheim, Stadt und Landkreis Osnabrück sowie den Landkreis Vechta. Nach Einschätzung von Tim Staeger vom ARD-Wetterkompetenzzentrum kann es dort ab der zweiten Nachthälfte erneut zu gefrierendem Regen kommen, der im Verlauf des Vormittags in Schnee übergeht und sich bis Richtung Ostfriesland ausdehnt.
Die Behörden appellieren angesichts der erneuten Wetterverschärfung an die Bevölkerung, Fahrten auf das Nötigste zu beschränken. Nach den jüngsten Unfällen ist klar: Die Glatteisphase ist noch nicht vorbei – und sie bleibt lebensgefährlich.
