60 werden in Corona-Zeiten: Bedford-Strohm feiert Geburtstag – Top Meldungen

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An diesem Montag wird Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm 60 Jahre alt und zwar ganz ohne Gratulantenschar. Für den sonst so nahbaren Oberhirten ein ungewöhnliches Fest.

Keine große Gratulantenschar, stattdessen Ruhe und innere Einkehr – so wird Heinrich Bedford-Strohm an diesem Montag seinen 60. Geburtstag feiern. Diese erzwungene Ruhepause wird er laut Nachrichtenagentur epd aber sehr genießen. Denn gewöhnlich halten den Theologen, der aus einer bayerischen Pfarrersfamilie stammt, gleich zwei Terminkalender auf Trab: Als Landesbischof steht er an der Spitze der knapp 2,4 Millionen evangelischen Christen in Bayern, zugleich ist er als Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Repräsentant von 23 Millionen Protestanten in der gesamten Bundesrepublik.

Seine Präsenz und Prominenz gepaart mit einer guten Portion Leutseligkeit stehen für die Fortführung dessen, was er als Professor für Systematische Theologie an der Universität Bamberg vertrat: Theologie müsse öffentlich sein, Kirche dürfe sich nicht hinter Mauern verschließen, sondern müsse in die Welt hineinwirken.

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Und das tut der nun 60-Jährige seit Jahren: 2011 folgte er dem bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich nach, 2014 dann dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Eindeutig positioniert er sich bei Fragen von Flucht und Migration. Es war auch seine Idee, dass die EKD ein zusätzliches Rettungsschiff im Mittelmeer unterstützt. Vor wenigen Wochen taufte Bedford-Strohm in Kiel die “Sea-Watch 4” und setzte sich damit auch der Kritik aus den eigenen Reihen aus. Aber auch durch Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen lässt er sich nicht von seiner Haltung abbringen.

“Christsein heißt immer verantwortliches Handeln für die Welt als ganze”, ist er überzeugt. Schon seine Doktorarbeit beim späteren EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber verfasste Bedford-Strohm, der in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA) Theologie studiert hatte, zum Thema “Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit”.

Als Kirchenoberhaupt erhebt Heinrich Bedford-Strohm, der das in sozialen Netzwerken aktivste Kirchenoberhaupt Deutschlands sein dürfte, deshalb seine Stimme für den Klimaschutz. Er steht an der Seite von “Fridays-for-Future”, formuliert eine klare Position zum aktuellen Sterbehilfeurteil, das seiner Überzeugung nach keinesfalls die unantastbare Würde des Menschen gefährden darf, und setzt sich für Menschen am Rand der Gesellschaft und in Notlagen ein.

Auch bei Fragen der Ökumene oder zum Umgang mit Homosexuellen scheut er die Kritik aus den eigenen, konservativen Reihen nicht. “Die katholische Kirche muss genauso evangelisch werden, wie die evangelische Kirche katholisch werden muss. Denn evangelisch heißt, sich am Evangelium zu orientieren, und katholisch bedeutet die eine und universale Kirche”, erklärte Bedford-Strohm, der lebt, was er predigt: In der bayerischen Landeshauptstadt sieht man den dreifachen Familienvater, der seit 35 Jahren mit einer amerikanischen Psychotherapeutin verheiratet ist, immer wieder mit dem Fahrrad zu Terminen radeln. Und Bedford-Strohm geht zu den Menschen: Als ehemaliger Verteidiger kickt er noch immer bei manchem Benefiz-Spiel. Mit Obdachlosen unterhält er sich genauso angeregt wie mit politischen Amtsinhabern.

Nicht jeder seiner Schritte wird dabei wohlwollend goutiert: Als die Evangelische Kirche Deutschlands über friedensethische Positionen debattierte, reiste er in den Irak und forderte Waffen für die Peschmerga. 2016 entbrannte eine Debatte, als er zusammen mit seinem katholischen Kollegen und Ökumenepartner, Kardinal Reinhard Marx, beim Besuch des Tempelbergs in Jerusalem sein Kreuz abgelegt hatte. Kritiker von Marx und Bedford-Strohm werteten das als Unterwerfungsgeste.

Ob der nun 60-Jährige im kommenden Jahr mehr Zeit für seine Familie und das erste Enkelkind haben wird, ist ungewiss. 2021 steht die Wahl des EKD-Ratsvorsitzenden an. Wird Bedford-Strohm dem Vorbild seines katholischen Kollegen Marx folgen, der sich nicht mehr zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wählen lassen wollte? Diese Frage lässt der sonst so kommunikative Bischof unbeantwortet.

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