“Alarmstufe Rot bis Dunkelrot” für Clubs – Top News

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Erhard Grundl: Wir wollten aufmerksam machen auf die fortschreitende Verdrängung der Clubs in den Metropolen, aber auch auf dem gar nicht so flachen Land.

Ich nenne als zwei Beispiele den Knaack Club in Berlin, der nach 58 Jahren schließen musste, oder das Bogaloo in Pfarrkirchen in Niederbayern, wo wir wirklich gekämpft haben, damit es erhalten bleibt.

Und auch da ist es so gewesen, dass die Clubs verdrängt wurden.

Prinzipiell geht es um die heranrückende Bebauung.

Da haben die Investoren natürlich kein Interesse, den alteingesessenen Clubs hier Raum zu bieten.

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Das Ziel war also, die Clubs als Kultur zu definieren, um ihnen dadurch einen Schutz zukommen zu lassen.

Es wird an Open-Air-Konzepten für Clubs gefeiert, mit strengen Hygiene-Regeln.

Was sind das für Konzepte und halten Sie die für umsetzbar?

Knut Cordsen: Bevor wir auf die coronabedingten Nöte der Clubs zu sprechen kommen: Sie haben als Mitglied der grünen Bundestagsfraktion im November 2019 einen Antrag eingebracht, der überschrieben war mit “Last Night a DJ Saved My Life – Clubkultur erhalten – Clubs als Kulturorte anerkennen”.

Was war das Ziel dieses Antrags?

Na ja, die braucht es definitiv, um das Erlebnis, den Schweißaustausch zu haben.

Das ist jetzt, in Zeiten der Pandemie, sehr, sehr schwierig.

Aber Clubkultur geht einfach auch über das reine Musikhören hinaus.

Es ist bühnenzentriert, und ich glaube, man kann sich das zwar auch zuhause anschauen, aber es ist etwas völlig Anderes, dem live beizuwohnen.

Das wird jeder bestätigen.

Und jeder hofft, dass das jetzt einfach ein Weg ist, um uns durch die Pandemie zu bringen.

Aber natürlich ist es ganz wichtig, dass wir auf jeden Fall die Rückkehr zur Live-Kultur im Auge haben.

Hunderttausende Fans nutzen die Live-Streams, mit denen Musikclubs die Zeit der Pandemie überbrücken, aber das kommt niemals ans analoge Erlebnis heran.

Erhard Grundl (Bündnis 90/Die Grünen), der schon lange gegen das Clubsterben kämpft, im Gespräch.

Für die Musikszene und die Clubszene ist die Corona-Zeit – wie für viele Kulturbranchen – eine extrem harte Zeit, denn die Clubs sind bundesweit geschlossen.

Sie behelfen sich mit Aktionen wie “United We Stream”.

Aber ein Live-Stream im Netz, mit DJs in menschenleeren Clubs, ist nur ein Notbehelf.

Schon vor Corona bangten etliche Clubs um ihre Existenz.

Die Pandemie hat das Problem verschärft.

Darüber hat Knut Cordsen mit dem bayerischen Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl gesprochen.

Grundl sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Parlament und macht sich bereits seit einiger Zeit gegen die Verdrängung der Club-Szene stark.

Was entgegnen Sie denen, die sagen: Ist doch toll, wenn das auch alles digital daheim im Wohnzimmer geht, da braucht‘s die analoge Clubfläche gar nicht mehr.

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Ich habe eingangs die Spendenaktion “United We Stream” erwähnt, an der sich auch Clubs aus München und Nürnberg beteiligen.

Eine Aktion, die ja immerhin dazu geführt hat, dass bisher Gelder in Höhe von etwa einer halben Million Euro eingetrieben werden konnten, aber das dürfte keinen Club retten, oder?

Naja, ich erwarte auf jeden Fall eine substanzielle Unterstützung.

Bisher gab es ja im besten Fall Ankündigungen, die wurden dann auch wiederholt.

Es gibt einige Bundesländer, Hessen zum Beispiel, wo sie jetzt ganz konkrete Maßnahmen vorgeschlagen und auch schon eingeleitet haben.

In Bayern gibt es gute Überlegungen.

Allerdings ist man hier über Ankündigungen noch nicht hinausgekommen.

Und ganz einfach gesagt: Es müssen jetzt den Worten Taten folgen.

Viele, über die wir hier sprechen, stehen mit dem Rücken zur Wand nach acht Wochen Pandemie.

Nach den Rückmeldungen kann man das leider nur mit Ja beantworten.

Es sind schwierige Verhältnisse für die Clubs.

Und jetzt fällt ihnen natürlich jede Art von Einnahme weg, und die meisten von ihnen haben sehr wenig Fleisch auf den Knochen, wirtschaftlich gesehen.

Und da ist natürlich jetzt Alarmstufe Rot bis Dunkelrot.

Was erwarten Sie sich für die Club-Szene von der morgigen Konferenz der Kulturminister, die sich ja besonders um die Belange der Kultur drehen soll?

Versetzt das Virus Covid19 vielen Clubs jetzt den endgültigen Todesstoß?

Das ist natürlich von Club zu Club sehr, sehr verschieden.

Soweit mir das bekannt ist, wird der Einlass nur mit Mundnasenschutz erlaubt sein und es geht nur über ein personalisiertes Online-Ticket-System mit Registrierung, mit Händewaschen und der ganzen Palette.

Das ist natürlich auch ganz wichtig, so sehr wir jetzt für die Clubs kämpfen: Der Gesundheitsschutz steht über allem.

Aber wir müssen auch an die denken, die keine Außenflächen haben.

Da müssen wir dann bei den Städten und Kommunen schauen: Was kann man zur Verfügung stellen? Ich finde es wichtig, dass man an diesen Konzepten arbeitet.

Aber die Gegebenheiten sind von Club zu Club sehr unterschiedlich.

Hunderttausende Fans nutzen die Live-Streams, mit denen Musikclubs die Zeit der Pandemie überbrücken, aber das kommt niemals ans analoge Erlebnis heran.

Erhard Grundl (Bündnis 90/Die Grünen), der schon lange gegen das Clubsterben kämpft, im Gespräch.

Definitiv.

Es gab spöttische Münder, die haben gesagt, das sind dann die ganzen Leute, die nicht in die Clubs reinkommen.

Aber Sie haben recht.

Es ist natürlich eine wunderbare solidarische Aktion und zeigt wirklich, dass eine Clubkultur für viele Leute zum Kulturleben essentiell dazugehört.

Gerade wenn ich an kleinere Clubs denke, sind das die Labore des kulturellen Lebens.

Und so was muss unbedingt erhalten bleiben.

Was mich erstaunt hat: 383.

000 Fans haben kürzlich per Live-Stream einen Abend im Berliner “Kater Blau” verfolgt – das sind ja enorme Zahlen.

Illustrieren die für Sie auch, wie erhaltenswert der Kulturort Club also solcher ist?

Naja, da muss man sich die laufenden Kosten der Clubs anschauen, die belaufen sich auch bei mittleren Größen auf mehrere zehntausend Euro im Monat.

Die Solidarität, die kommt, ist natürlich fantastisch.

Die hilft auch, die unmittelbare Existenzbedrohung vielleicht ein bisschen abzufedern.

Aber es ist keine Maßnahme, die wirklich den Fortbestand der Clubs sichern kann.

“Alarmstufe Rot bis Dunkelrot” für Clubs

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