Allein mit dem Virus: Wer bin ich, wenn ich alleine bin? – Top News

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Viele Menschen hielten das Alleinsein nicht aus, Stille, sagt der Benediktinerpater Anselm Grün: “Viele Menschen erleben sich als Markthalle.

Da sind Händler, die schreien, die lärmenden Gedanken.

Da sind die Geldwechsler, die Frage, wie werde ich gehandelt auf dem öffentlichen Markt.

Da sind die Rinder, das Triebhafte.

Die Tauben, die herumflattern.

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Und wenn ich so eine Markthalle bin, muss ich das Chaos irgendwo zusammenbinden.

Und viele Menschen sind dann körperlich verkrampft.

Der Rücken ist dann ganz steif geworden.

In Bayern gelten weiterhin sehr strikte Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

Im Allein-Sein sind wir mit der Frage konfrontiert: Wer bin ich, wenn ich mit mir oder meiner Familie allein bin?

“Alles wirkliche Leben ist Begegnung”.

In Zeiten von Corona, Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperre scheint dieser Satz des Religionsphilosophen Martin Buber manchen geradezu zynisch.

Während die einen zu viel Begegnung haben und kaum Rückzugsmöglichkeiten, scheinen die anderen, weil sie allein leben, abgeschnitten von der Welt.

Weil mit der Stille auch die Angst vor der endgültigen Stille kommt: die Angst vor dem Verlust, letztlich die Angst vor dem Tod.

Dabei wussten schon viele antike Philosophen: Erst wenn uns die eigene Endlichkeit vor Augen geführt wird, besinnen wir uns auf das Wesentliche.

Anselm Grün: Wir sind zu abgelenkt, um in die Seele zu blicken.

In der Krise ist es schwierig, selbstbestimmt zu bleiben

Die Last der eigenen Verantwortung

Entspannen kann ich nur, so Anselm Grün, wenn ich äußere Wünsche und Bedürfnisse loslasse.

Dafür muss ich sie aber zunächst kennen und anschauen.

Mich mit ihnen auseinandersetzen.

In einer Konsumgesellschaft nehmen sich dafür viele keine Zeit.

Zu groß sind die Möglichkeiten, sich nicht mit den echten Bedürfnissen, dem, was es wirklich braucht im Leben, auseinanderzusetzen.

Zu leicht ist es, sich abzulenken: mit Freunden was trinken gehen, ins Kino, ins Schwimmbad, ins Konzert.

Zu verlockend die Alternativen, um nicht in den Keller der Seele zu blicken, sagt Anselm Grün:

In Bayern gelten weiterhin sehr strikte Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

Im Allein-Sein sind wir mit der Frage konfrontiert: Wer bin ich, wenn ich mit mir oder meiner Familie allein bin?

In der aktuellen Corona-Krise geht es um ein Aushandeln zwischen Sicherheit und Freiheit.

In diesem Spiel wird es keine Gewinner geben.

Es geht um Abwägung: Menschenleben versus Freiheit, Wirtschaft, Seele.

Oder geht es am Ende einfach um Menschenleben gegen Menschenleben? Denn es wird “Kollateralschäden” geben, wie es Ärzte und andere Fachleute prognostizieren: Sie fürchten eine Bevorzugung einer einzelnen Diagnose, fürchten, dass sich beispielsweise Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten nicht oder zu spät in die Notaufnahmen trauen, fürchten auch, der Umgang mit der Pandemie könnte sich nachhaltig auf die Psyche auswirken – und zwar nicht nur bei labilen Menschen.

Dazu die wirtschaftlichen Folgen, die ihrerseits nicht spurlos an der Seele vorbeigehen werden.

“Philosophieren heißt, sich auf den Tod vorzubereiten”, sagte Cicero.

Auch für die Stoiker war klar: Wer weiß, dass er sterben wird, wird gut zu leben wissen.

Gerade in Krisensituationen stellen Menschen sich existenzielle Fragen, Fragen nach dem Sinn des Lebens.

Was ist es, was zählt im Leben? Nicht der Streit um schmutziges Geschirr.

Auch nicht die offene Zahnpastatube.

Vielleicht aber doch die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, das Leben selbstbestimmt zu leben?

Die Triage, die es derzeit in Deutschland nicht gebe, also dass Ärzte abwägen müssten, wen sie behandeln und wen sie sterben lassen, bezeichnet der Theologe Schaede als einen der elementarsten Abwägungskonflikte.

Daneben gebe es eine Reihe anderer Abwägungsprozesse: “Es kann nicht sein, dass nur die infektionsbiologischen Einsichten steuern, was wir in Deutschland machen.

Wir haben das ja auch schon von Sozialpsychologen eindrücklich geschildert bekommen, wie es Menschen in benachteiligten Schichten in der häuslichen Isolation geht.

Wir haben gehört von Selbstständigen, Freiberuflern, denen es ganz schlecht geht.

Also da sind latente, könnte man sagen, graue Triagen schon unterwegs in der Gesellschaft.

Es gehe immer um Abwägungskonflikte, sagt der Theologe und Philosoph Stephan Schaede, Direktor der evangelischen Akademie Loccum: “Erst mal glaub ich, müssen wir uns dran gewöhnen, dass in der Krise deutlich wird, dass Leben überhaupt endlich ist.

Es ist verletzlich, filigran und längst nicht immer schön.

Wir leben mit einer ganzen Menge von elementaren Abwägungsprozessen, die wir sonst gar nicht zur Kenntnis nehmen.

Das Virus hat sich nicht aussperren lassen aus Ländern, es wird sich auch nicht einsperren lassen mit den Menschen.

Auch jetzt schon – trotz freier Intensivbetten – sterben Menschen an dem Virus.

Vielleicht ist es die kollektive Lernerfahrung, die moderne Gesellschaften, die verhaftet sind im Glauben an Machbarkeit und entsprechendes Management, machen müssen: Ohnmacht und Hilfslosigkeit zu erleben angesichts eines winzigen unsichtbaren Dings.

Allein mit dem Virus: Wer bin ich, wenn ich alleine bin?

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