Attacken auf Kamerateams: Nimmt Gewalt gegen Journalisten zu? – Top News

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Miller berichtet häufig von Demonstrationen.

Er sei es gewohnt, “beleidigt und teilweise auch bespuckt” zu werden.

Eine solche Attacke hatte er aber nicht erwartet.

Bevor sich Jonas Miller wieder orientieren kann, ist der Angreifer bereits verschwunden.

Doch er wird gefasst und vom Landgericht Nürnberg verurteilt: zu einer Bewährungs- und einer Geldstrafe.

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Drei Angriffe auf Kamerateams innerhalb einer Woche haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Alle drei Attacken fanden auf Demonstrationen statt.

Nimmt die Gewalt gegen Journalisten zu? Und sind Demos besonders gefährlich?

BR-Reporter Jonas Miller kann sich an den letzten tätlichen Angriff noch genau erinnern.

Es ist Mai 2016 – der heute 31-Jährige berichtet von einer Kundgebung der AfD in Nürnberg.

Dann geht alles sehr schnell:

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Die Polizei nahm kurz nach dem Angriff sechs verdächtige junge Männer und Frauen fest, die am Tag darauf wieder freigelassen wurden, da die Beweislage nicht ausreichte oder es keine Haftgründe gebe.

Nach polizeilichen Erkenntnissen seien sie teilweise der “linken Szene” zuzurechnen.

Ebenfalls am 1.

Mai soll eine junge Kameraassistentin von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen worden sein.

Die Polizei ermittelt intern.

Der dritte Angriff ereignete sich Mitte der Woche auf einer unangemeldeten Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen.

Laut Polizei demonstrierten am Mittwoch etwa 400 Teilnehmer vor dem Reichstag.

Angriffe auf Journalisten – das Thema ist brandaktuell: Allein in den vergangenen Tagen sind drei Vorfälle bekannt geworden, die sich alle am Rande von Demonstrationen in Berlin ereigneten.

Am 1.

Mai wurde ein Kamerateam der ZDF-“heute show” attackiert.

15 Vermummte hatten auf das Team eingeschlagen, sechs Mitarbeiter mussten laut ZDF vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden.

Drei Angriffe binnen einer Woche

Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios nennt Angriffe “widerlich”

2015 bis 2019: Sachsen in Negativrangliste vor Bayern

Attacke auf das ZDF-Team wie ein “Zombiefilm”

Morddrohungen auch gegen BR-Journalisten

Drei Angriffe auf Kamerateams innerhalb einer Woche haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Alle drei Attacken fanden auf Demonstrationen statt.

Nimmt die Gewalt gegen Journalisten zu? Und sind Demos besonders gefährlich?

Ein Demonstrant trat nach einem Tontechniker der ARD, erwischte dabei nur die Mikrofon-Angel, die einen Kameramann im Gesicht traf.

Der Verdächtige wurde vorläufig festgenommen, später jedoch wieder freigelassen.

Dem Team gehe es gut, twitterte die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel, doch “solche Angriffe gegen die Presse sind widerlich”.

Der ARD-Chefredakteur Rainald Becker äußerte sich ebenfalls auf Twitter zu dem Angriff und sprach von einem Angriff auf die Demokratie.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, ist nach den Attacken alarmiert:

Das Fazit der Studie: “Wenn aber im Durchschnitt mehr als zwanzig Journalistinnen und Journalisten in jedem Jahr seit 2015 geschlagen, geschubst, getreten, mit Laserpointern geblendet oder bespuckt werden, dann hat sich dieses Level messbarer Aggressivität als neue Normalität etabliert.

Eine wissenschaftliche Analyse des European Centre for Press and Media Freedom bestätigt das: Besonders gefährliche Orte für die Berichterstattung sind Demonstrationen.

In 77 Prozent der dokumentierten Fälle hatten die Täter eine rechte Gesinnung, in neun Prozent eine linke, im Rest der Fälle war die politische Motivation nicht eindeutig.

Und: In den meisten Fällen sind Täter und Opfer jeweils Männer.

Die meisten Angriffe ereigneten sich zwischen 2015 und 2019 in Sachsen (55), die zweitmeisten (10) in Bayern.

Insgesamt sind in den vergangenen fünf Jahren 119 Angriffe dokumentiert worden.

Deutschland hatte sich erst in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von “Reporter ohne Grenzen” um zwei Plätze auf Platz 11 verbessert.

Der Grund: Die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten war im Jahr 2019 deutlich gesunken.

Die Zahl der Angriffe sei dennoch auf einem “hohen Niveau”, sagt Frank Überall, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes.

Er ist selbst noch journalistisch aktiv und vermutet, dass die Dunkelziffer weit darüber liegt.

Denn nicht alle Vorfälle würden angezeigt oder könnten dokumentiert werden.

Attacken auf Kamerateams: Nimmt Gewalt gegen Journalisten zu?

Harald Ortmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma, die das Kamerateam für die Dreharbeiten gestellt hat, spricht von einem Überfall, der sich anfühle wie eine Vergewaltigung.

Es sei nicht mehr “fünf vor zwölf”, sondern schon längst zwölf.

Ortmann appelliert an die Bevölkerung, “Schwarz-Weiß-Denken” nicht länger zu tolerieren.

Der Deutsche Presserat sieht den Staat in der Pflicht, die Pressefreiheit und damit Journalisten zu schützen.

Das sei seine “verfassungsgemäße Aufgabe”, sagt der designierte Sprecher Johannes Endres.

Besonders schockierend ist die Brutalität, mit der das Team der ZDF-“heute show” angegriffen wurde.

Heute-Show Kabarettist Abdelkarim sprach im ZDF-Interview von Szenen wie im “Zombiefilm“.

So etwas habe er noch nie erlebt.

Die Täter seien “tollwutartig” auf das Team losgegangen.

Auch BR-Reporter Jonas Miller erhält Hassmails und Morddrohungen.

Einmal haben mutmaßlich Rechtsextreme sein Auto angezündet, in der Nähe seines Wohnorts wurden Graffitis mit Aussagen wie “Jonas bald Hausbesuch” gesprüht.

Nicht nur körperliche Attacken nehmen zu, auch Beleidigungen und Bedrohungen.

Zählt man letztere als Angriff, sind im vergangenen Jahr 60 Prozent der Journalisten in Deutschland angegriffen worden.

2017 waren es noch 42 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer Befragung der Universität Bielefeld.

322 Pressevertreter haben an der Befragung teilgenommen, sie ist nicht repräsentativ.

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