Baxter Dury gibt den Cockney-Crooner mit Straßenköter-Attitüde – Top Meldungen

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Schmuddel-Dandy oder Schmierenkomödiant? Bei Baxter Dury kann man sich da nicht so sicher sein. Sicher ist aber, er ist ein unterhaltsamer Entertainer – auch auf seinem neuen Album “The Night Chancers”.

“I’m not your fucking friend”, singt Baxter Dury zur Eröffnung seines neuen Albums “The Night Chancers”. Dass er das auch so meint, daran lässt er keinen Zweifel. Aber Baxter Dury ist ein unsteter Geselle und am Ende ist er doch ganz nett. Nur im Verlauf des Albums müssen wir uns viel von ihm anhören.

Eine halbe Stunde lang wandelt Baxter Dury durch den Kosmos seiner Identitäten. Er kann den Crooner und mimt den sleazy Verführer. Aber es scheint doch immer wieder der Straßenköter durch. In den zehn Songs des Albums scheppern 80 Jahre Schlagzeug Kaskaden, ebenso nach gestern klingende Synthesizierflächen, dazu beste Georgio-Moroder-Verweise, zu denen Baxter Dury in seinen Cockney-Slang vor sich grummelt. Der Referenzen gäbe es viele, aber welche stimmt denn nun eigentlich?

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Baxter ist nicht zu trauen. Man mag ihn nicht als Feind haben. Er spuckt Gift und Galle gegen das, was er hasst und säuselt Sympathiebekundungen in seiner stets leicht schmierig wirkenden Art. Untermalt werden seine Texte von häufig eingesetzten, schwülstigen Streichern und französisch und englisch singenden Frauenchören, aufgezogen als Klischee, das Baxter aber immer wieder durchbricht.

Ganz so schmuddelig wie er tut, ist er dann doch nicht. Kurz vor wirklich unangenehmer Laszivität rettet sich Baxter Dury in gefälschten Gainsbourg-Pop, pendelt zu der lässigen Monotonie eines Ghostpoet, rotzt wie die Sleaford Mods und beendet das Album mit einem versöhnlichen Mantra: “Baxter loves you.”

Schon als kleiner Junge posierte Baxter Dury in viel zu großen Schlaghosen mit seinem Vater Ian Dury auf dessen Plattencover “New Boots And Panties”. Das Album erschien 1977 und begann mit dem Song: “Wake Up and Make Love with Me”. “Sex And Drugs And Rock’n’Roll” war ein weiterer Hit von Ian Dury, der sich ebenfalls als Zoten reißender Gossendichter gerierte und damit nicht nur in der Punkszene zu Ruhm und Ehr kam. Er starb vor fast genau 20 Jahren, am 27. März 2000.

Mit seinen 48 Jahren und auf seinem sechsten Album gibt sich Ian Durys Sohn Baxter nun so, wie er es bereits auf fünf Alben vorher getan hat. Er ist unverkennbar, trotz seiner scheinbar wechselnden Identitäten, und bestätigt seinen Ruf als unterhaltsamer Entertainer.

The Night Chancers” von Baxter Dury ist auf Pias erschienen.

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Schmuddel-Dandy oder Schmierenkomödiant?

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Baxter Dury gibt den Cockney-Crooner mit Straßenköter-Attitüde

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