Beatmungsgeräte: Zuverlässige Lieferung unsicher – Top Meldungen

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Nach Berichten über Unklarheiten bei der Lieferung und Inbetriebnahme von Beatmungsgeräten äußert sich nun Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Erste bestellte Geräte seien ausgeliefert worden, man sei aber auf Unterstützung im Bund angewiesen.

Nachdem BR24 am Donnerstag über die Probleme bei der Beschaffung und den Unklarheiten bei der Lieferung von Beatmungsgeräten berichtet hat, meldet sich nun Bayerns Gesundheitsministerin.

Das Problem ist bekannt: Menschen bei denen die Covid-19 Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt, müssen beatmet werden. Deswegen, so Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) “arbeitet das bayerische Gesundheitsministerium unter Hochdruck an der Beschaffung von zusätzlichen Beatmungsgeräten – aktuell auch ohne Ausschreibungsverfahren.”

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1.400 Geräte seien mittlerweile bestellt worden – bei unterschiedlichen Herstellern, wie die Ministerin betont.

Die ersten 104 Beatmungsgeräte seien inzwischen geliefert und auf verschiedene Krankenhäuser verteilt worden. Probleme sieht die Ministerin jedoch aufgrund “des weltweiten Pandemiegeschehens”, das eine “zuverlässige Lieferung gegenwärtig nicht bei allen Geräten” sicherstelle. Entsprechend sei man auf “Unterstützung durch den Bund” angewiesen.

Bereits am 10. März hatte der Krisenstab der Bundesregierung beschlossen, die Beatmungskapazitäten in der Bundesrepublik zu erhöhen. Kurz danach bestellte die Bundesregierung dafür 10.000 Beatmungsgeräte bei der Lübecker Medizingerätefirma Drägerwerk. Seither hört man wenig über konkrete Lieferdaten und nichts darüber, ob die Hersteller über die entsprechenden Produktions- und Lieferkapazitäten verfügen.

Die Opposition im Bund kritisiert die Zurückhaltung der Behörden in Bezug auf Fragen zu den bestellten Beatmungsgeräten. So wandte sich der baden-württembergische FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann per schriftlicher Anfrage an das Bundesgesundheitsministerium, wollte wissen, wie viele der bestellten Geräte pro Monat bis Ende des Jahres ausgeliefert werden sollen.

Das Gesundheitsministerium antwortete knapp: die Beatmungsgeräte seien bestellt und würden “sukzessive, nach Produktionsstand, ausgeliefert”, so steht es in der Antwort, über die zuerst die Zeitung “Die Welt” berichtete. Konkreter geht das Gesundheitsministerium weder auf die Fragen des Abgeordneten Hoffmann noch auf eine Nachfrage von BR24 ein.

Covid-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf werden in der Regel auf Intensivstationen behandelt. Deutschlandweit sollten, das hatten Kanzlerin Angela Merkel und Bayern Ministerpräsident Markus Söder angekündigt, die Kapazität an Intensivbetten verdoppelt werden.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass dieses Ziel deutschlandweit fast erreicht ist. Aktuell stehen rund 40.000 Intensivplätze zur Verfügung, davon 30.000 mit Beatmungsgeräten. Zwischen 15.000-20.000 dieser Betten sind derzeit nicht belegt.

In Bayern ist die Lage vergleichbar, so Gesundheitsministerin Huml zum BR:

Laut einer Abfrage des Bayerischen Innenministeriums (Stand 02.04.2020) würden “heute bereits ca. 3.000 Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeiten in Bayern betrieben.” Hinzu kämen weitere 1.300 Intensivbetten. In keiner Region herrsche Mangel an Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, so Huml, besonders betroffene Gebiete könnten Intensivpatienten in benachbarte Krankenhäuser übermitteln.

Zusätzlich zum Ausbau der Intensivplätze hatte die bayerische Staatsregierung per Kabinettsbeschluss eine Meldepflicht für Beatmungsgeräte eingeführt. Niedergelassene Ärzte müssten ihre Beatmungsgeräte an die Staatsregierung melden.

Die Zahl der bisher gemeldeten Geräte betrage “über 600 Geräte, die für die Therapie von Covid-19-Erkrankten geeignet sind und bei Bedarf herangezogen werden können.”

Ministerpräsident Söder hatte bereits in Aussicht gestellt, notfalls diese Geräte beschlagnahmen zu lassen.

Aktuell gehen Virologen und Epidemiologen davon aus, dass eine größere Infektionswelle nach den Osterferien zwischen Mai und September zu erwarten ist.

Zugleich weisen Experten darauf hin, dass zusätzlich zu den benötigten Beatmungsgeräten auch Beatmungsschläuche und Masken in hoher Anzahl benötigt werden. Diese Teile werden in Ländern wie der Türkei oder China produziert. Entsprechend abhängig sei man von den ausländischen Produktionsmöglichkeiten, Lieferketten und etwaigen Ausfuhrbeschränkungen.

Ein zusätzliches Problem besteht in der Komplexität der Behandlung von Lungenpatienten mit Beatmungsgeräten. Nur geschultes und erfahrenes Personal könne die Beatmungsgeräte entsprechend bedienen.

Bayerns Gesundheitsministerin will darauf mit Schnell-Ausbildungen des medizinischen Personals an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität reagieren.

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