Noch bevor die endgültigen Daten aus den Flugschreibern ausgewertet sind, zeichnet sich im Fall des Absturzes eines libyschen Militärflugzeugs in der Türkei ein klares technisches Bild ab: Die Maschine zerbrach nicht in der Luft, sondern schlug mit hoher Geschwindigkeit und laufenden Triebwerken in ein Bergmassiv ein. Das geht aus einem nun vorgelegten vorläufigen Untersuchungsbericht türkischer Behörden hervor, der am 22. Januar bekannt wurde und mehrere bisher kursierende Spekulationen zurückweist.
Für die türkischen Ermittler ist dieser Zwischenstand von großer Bedeutung, weil er zwei zentrale Szenarien ausschließt: Weder gab es eine Explosion in der Luft, noch stoppte eines der Triebwerke aufgrund eines mechanischen Defekts. Stattdessen deuten die Daten darauf hin, dass das Flugzeug bis zum Aufprall unter Leistung stand und mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs war.
Was die ersten technischen Daten zeigen
Laut dem Bericht traf die Maschine einen 1.252 Meter hohen Berg in der Region Haymana südlich von Ankara. Beim Aufprall war der Rumpf noch intakt und hatte sich nicht bereits in der Luft aufgelöst. Erst die enorme Aufprallenergie führte demnach dazu, dass das Flugzeug beim Kontakt mit dem felsigen Untergrund heftig explodierte und in zahlreiche Trümmerteile zerlegt wurde, die sich über ein weites Gebiet verteilten.
Die technischen Gutachter halten zudem fest, dass es vor dem Absturz keine Anzeichen für ein Feuer im Inneren der Kabine gab. Die am Unglücksort festgestellten Brandspuren seien erst infolge des Aufpralls entstanden. Auch die Triebwerksdaten sprechen laut Analyse dafür, dass die Motoren bis zum Moment der Kollision in Betrieb waren.
Der Absturz selbst ereignete sich bereits am 23. Dezember 2025. An Bord der „Falcon 50“, eines Geschäftsreiseflugzeugs, befand sich unter anderem der libysche Armeechef Mohammed Ali Ahmed al-Haddad, der einen offiziellen Besuch in der Türkei beendet hatte und mit seinem Gefolge nach Libyen zurückfliegen wollte. Die Maschine startete vom Flughafen Ankara-Esenboğa, stürzte jedoch kurz nach dem Abheben rund 70 Kilometer südlich von Ankara in der Region Haymana ab. Alle acht Insassen, darunter al-Haddad, kamen dabei ums Leben.
Bereits zuvor hatte das türkische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur am 7. Januar 2026 angekündigt, den Flugdatenschreiber und den Cockpit-Stimmenrekorder zur genaueren Auswertung nach Großbritannien zu schicken. Dort sollen die Geräte technisch aufwendig repariert und die gespeicherten Daten ausgelesen werden, um den Ablauf der letzten Minuten vor dem Absturz präzise zu rekonstruieren.
Die türkische Staatsanwaltschaft und die Luftfahrtsicherheitsbehörden setzen ihre Untersuchungen derzeit fort und gleichen die nun vorliegenden Erkenntnisse mit den Daten aus den Flugschreibern ab. Im Zentrum steht dabei die noch offene Frage, warum das Flugzeug nach der Meldung einer „elektrischen Störung“ mit hoher Geschwindigkeit in das Bergmassiv flog. Erst der Abschlussbericht soll klären, welche Kette von Ereignissen letztlich zu der Katastrophe führte.
