Bin ich nach einer Infektion immun gegen das Coronavirus?

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Kann man sich zweimal mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren? Wissenschaftler sagen: Wahrscheinlich nicht. Bislang deutet alles darauf hin, dass man gegen das Coronavirus genauso immun wird wie gegen andere Viren.

Die schlechte Nachricht vorab: Es gibt noch keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Immunität gegen SARS-CoV-2, das neuartige Coronavirus. Aber die gute Nachricht ist: Es gibt auch keinen Hinweis, warum bei diesem Virus das Immunsystem plötzlich anders ticken sollte als normal.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Unser Immunsystem erinnert sich, wenn wir einmal krank waren, zumindest eine Zeitlang: Die Antikörper, die es beim erfolgreichen Kampf gegen Bakterien, Viren oder andere Erreger ausgebildet hat, werden sofort wieder ausgeschüttet, wenn der gleiche Erreger erneut in den Körper eindringt. Das nennt man das immunologische Gedächtnis des Körpers. Jede Aktiv-Impfung basiert auf diesem Mechanismus, indem sie den Körper in abgeschwächter Form auf einen Erreger vorbereitet.

Chinesische Forscher konnten in einer ersten, wenn auch im Umfang noch sehr kleinen Studie feststellen, dass Rhesus-Affen nach einer Infektion mit dem Coronavirus tatsächlich immun waren. Sie infizierten vier Affen mit dem Corona-Virus, worauf die Tiere erkrankten. Ein Tier wurde obduziert, die anderen drei wurden nach ihrer Genesung – vier Wochen nach der ersten Infektion – erneut mit einer hohen Virenlast infiziert und zeigten weder Krankheitszeichen noch Virenlast. Das heißt, sie waren selbst auch nicht mehr infektiös. Da Rhesus-Affen genetisch dem Menschen sehr ähnlich sind, lässt dieser Test die Hoffnung zu, dass auch Menschen nach einer Infektion immun werden.

Auch dazu fehlen noch gesicherte Studien, aber bislang gehen Wissenschaftler davon aus, dass das SARS-CoV-2-Virus eher langsam mutiert. So hat sich Prof. Ortwin Adams von der Uniklinik Düsseldorf im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen geäußert.

Die Virologin Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum erklärte in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur, dass das Corona-Virus weitaus weniger mutiert als beispielsweise das Grippe-Virus:

Bei einer Frau in Japan und bei vier Entlassenen aus einem Krankenhaus im chinesischen Wuhan wurde das Virus nach der Genesung erneut nachgewiesen. Während die japanische Patientin erneut Symptome zeigte, blieben die Fälle in China jedoch symptomfrei. Forscher vermuten, dass die Testergebnisse schlicht am Test selbst liegen: Die vorausgehenden negativen Tests, die zur Annahme einer erfolgten Genesung führten, könnten fehlerhaft gewesen sein. Der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité Berlin betont, dass der PCR-Nachweis bei Infizierten stark schwanken kann und mal positive, mal fälschlicherweise negative Ergebnisse bringt.

Aber auch bei Genesenen kann wieder ein positives Testergebnis auftauchen: Der Corona-Test mittels PCR findet nicht das Virus selbst, sondern nur sein Genom. Reste des Genoms können aber, nach Aussage von Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York, noch lange nach einer akuten Infektion festgestellt werden: “Virale RNA kann oft lange, nachdem das infektiöse Virus verschwunden ist, noch nachgewiesen werden. Aber sobald PCR-Tests für einige Tage negativ sind und der Patient sich erholt hat, gibt es nach heutigem Wissen vermutlich kein Ansteckungsrisiko mehr.” Ähnlich sieht das auch eine weitere Expertin:

Auch dazu gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Studien. Doch das neue Coronavirus ist mit SARS-CoV-1, dem eigentlichen SARS-Virus, eng verwandt. Bei diesem konnten auch nach über drei Jahren noch Antikörper nachgewiesen werden.

Anders als etwa gegen die Masern gibt es gegen SARS-CoV-2 voraussichtlich keine lebenslange Immunität, aber man wird sich auch nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate erneut infizieren. Zudem verschwindet Immunität nicht von jetzt auf gleich, sondern schwächt sich zunächst zu einer Teilimmunität ab, die dafür sorgt, dass Erkrankungen weniger schwer verlaufen.

Ist man gegen ein Virus immun, springt das eigene Immunsystem sofort an, wenn es mit dem Virus in Kontakt kommt. Im eigenen Körper kann sich das Virus dann nicht mehr vervielfältigen. Wer gegen das Coronavirus immun ist, produziert also selbst keine Viren mehr und ist damit auch nicht mehr infektiös.

Überträger kann man natürlich dennoch sein: Wenn ein Corona-Infizierter etwa auf eine Türklinke niest, Sie kurz darauf hinfassen und jemand anderen im Gesicht berühren, ist eine Übertragung theoretisch möglich. Ob diese Möglichkeit praktisch eine Rolle spielt, ist zu bezweifeln.

Je mehr Menschen immun gegen das Corona-Virus sein werden, umso besser. Wer immun ist, kann anderen helfen, ohne jemanden zu gefährden. Sobald 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sind, spricht man von Herdenimmunität: Dann könnte sich das Virus insgesamt nicht mehr exponentiell verbreiten.

Momentan steckt jeder Corona-Infizierte statistisch zwei bis drei weitere Personen an. Wenn aber von drei Personen durchschnittlich zwei schon immun sind, stagniert die Infektionsrate zumindest.

Weil “schnell” im Moment das Hauptproblem ist: Wenn zu viele Personen gleichzeitig infiziert sind, ist auch die Anzahl an schwer verlaufenden Fällen weitaus höher und zwingt das Gesundheitssystem in die Knie. Solange es keinen Impfstoff gibt, muss auch die Herdenimmunität langsam aufgebaut werden. Deswegen gilt vor allem: #FlattenTheCurve! Tun Sie alles, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verlangsamen!

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