Corona-Krise: Schwedischer Weg besser für die Wirtschaft? – Top News

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Vorteil für Schweden – das suggeriert zumindest der flüchtige Blick auf die aktuell vorliegenden Wirtschaftsdaten der europäischen Statistikbehörde EUROSTAT.

Während die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2020 um 2,2 Prozent schrumpfte, sank das schwedische Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Schlussquartal 2019 nur um 0,3 Prozent.

Auch der Blick auf die Börsen bestätigt den Eindruck, dass Schwedens Wirtschaft weniger stark leidet.

Nach starken Einbrüchen startete die Erholungsrallye.

Doch der schwedische Aktienindex OMX steht nur rund drei Prozent unter seinem Vorjahreswert, der deutsche Aktienindex DAX hingegen verzeichnet noch knapp neun Prozent Verlust im Jahresvergleich (Stand: 21.

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05.

2020).

Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme.

“Der Unterschied ist, dass Deutschland seine Wirtschaft zerstört”, begründete ein Regierungsberater kürzlich, warum Schweden auf den Lockdown der Wirtschaft verzichtet hat.

Doch kommt das Land ökonomisch wirklich besser durch die Krise? Eine Analyse.

Schweden geht in der Corona-Krise weniger rigoros vor als Deutschland.

Doch ist der schwedische Weg wirtschaftlich der bessere?

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Die Folgen der Pandemie kamen später in Schweden an.

Während die deutsche Wirtschaft bereits im Januar und Februar unter den Auswirkungen litt, erwischte es Schweden erst im März.

Die Kündigungs-Vorankündigungen für schwedische Arbeitnehmer stiegen um das neunfache im Vergleich zum Januar und Februar.

Auch der als besonders schnell und aussagekräftig geltende Einkaufsmanagerindex der Industrie PMI stürzte von 53,2 im Februar auf 36,7 im April 2020.

So schnell ging der Index noch nie nach unten.

Für das zweite Quartal, dessen Daten im August vorliegen, rechnet die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose bereits mit einem Minuswachstum von 6,1 Prozent, das staatliche schwedische Konjunkturinstitut KI prognostiziert sogar minus sieben Prozent und eine Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent für das Gesamtjahr.

Datenlage spricht für Schweden

Pandemie trifft Schweden später

Vergleichbare globale Verflechtung

Unterschiedliche Wachstumsdynamik im Langzeitvergleich

Dauer der Krise entscheidend

Fazit: Abgerechnet wird am Schluss

“Der Unterschied ist, dass Deutschland seine Wirtschaft zerstört”, begründete ein Regierungsberater kürzlich, warum Schweden auf den Lockdown der Wirtschaft verzichtet hat.

Doch kommt das Land ökonomisch wirklich besser durch die Krise? Eine Analyse.

Schweden ist wie Deutschland stark exportabhängig und kann sich genauso wenig dem Stillstand der Weltwirtschaft entziehen.

Der LKW-Hersteller Scania etwa, der mittlerweile mit dem Münchner Unternehmen MAN zum VW-Konzern gehört, musste Ende März europaweit die Werke schließen.

Weil wichtige Komponenten fehlten, stoppte auch die Produktion in Schweden – ohne Anordnung der Regierung.

Zu Jahresbeginn noch positiv, sank der Außenhandelssaldo im März bereits um zwei Prozent.

Die EU-Kommission erwartet 2020 ein Exportminus von zwölf Prozent.

Schweden läge damit nur minimal unter dem deutschen Minus von 12,1 Prozent.

Die Frage nach der richtigen wirtschaftspolitischen Strategie und den besten Maßnahmen hängt wesentlich mit der Dauer der Krise zusammen.

Die Gefahr einer zweiten Welle steigt, ist real und trifft auf eine weit unterdurchschnittliche Versorgung von nur gut zwei Krankenbetten für 1.

000 Schweden, rund viermal weniger als in Deutschland.

Die schwedische Wirtschaft hat sich seit der Finanzkrise 2009 besser entwickelt als die deutsche und der EU-Durchschnitt.

Seit 2019 kühlt sie sich jedoch ab, wie zum Beispiel das nachlassende Investitionsverhalten der Unternehmen zeigt.

Die Pandemie verstärkt also den Abschwung noch.

Im April sind die Preise zum Vormonat um 0,2 Prozent gesunken, während EUROSTAT für Deutschland noch 0,8 Prozent Inflation angibt.

Anreize, die Kauflaune der Verbraucher zu stärken, greifen in Schweden weniger als in Deutschland.

Die Abgaben sind höher als hierzulande und mehr Schweden haben Baukredite, so dass weniger netto vom brutto bleibt.

Dennoch scheint Schweden bei der Bewältigung der Krisenfolgen besser gerüstet zu sein als der EU-Durchschnitt.

Die vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung erlaubt üppige Rettungsschirme für Arbeitnehmer und Bedürftige.

Arbeiten vom Homeoffice ist für viele Schweden bereits seit Jahren Alltag.

Über den Wechselkurs ihrer Krone können die Schweden in Krisenzeiten besser international wettbewerbsfähig bleiben.

Corona-Krise: Schwedischer Weg besser für die Wirtschaft?

Zudem ist Schweden ein Zentralstaat.

Kompetenzgerangel wie zwischen den deutschen Bundesländern in der Corona-Krise also unwahrscheinlicher.

Wichtig auch: Der unterschiedliche Wahlzyklus lässt der schwedischen Wirtschaftspolitik mehr Zeit.

Der deutsche Bundestag wird 2021 gewählt, der schwedische Reichstag erst ein Jahr später.

Mit den vorliegenden Daten ist nicht zu entscheiden, ob Schweden ökonomisch besser oder schlechter durch die Corona-Krise kommt als Deutschland.

Die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre und unterschiedliche wirtschaftspolitische Möglichkeiten lassen ein eindeutiges “Richtig” oder “Falsch” nicht zu.

Möglich ist sogar, dass Deutschland und Schweden das für sie richtige Modell gewählt haben.

Denn Schweden ist ein großer Flächenstaat mit nur 197 Polizeibeamten auf 100.

000 Einwohner (Deutschland: 298).

Eine Kontrolldichte wie bei uns wäre schon aus diesen Gründen unmöglich, selbst wenn die Schweden dies wollten.

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