Corona-Odyssee aus dem Ferienparadies – Top Meldungen

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Ausreiseverbote, gestrichene Flüge, Ausgangssperren: Tausende deutsche Touristen hängen derzeit in aller Welt fest. Ein Paar aus München berichtet über kafkaeske Erlebnisse auf den Philippinen.

Ende März erreicht das Corona-Virus auch die philippinische Trauminsel Bohol. Die Verwaltung verhängte Mitte März eine Quarantäne, niemand darf seitdem die Insel verlassen. Rund 800 Touristen aus Deutschland sollen sich noch auf der Insel aufhalten und kommen nicht mehr weg.

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Füsun Ovat und ihr Mann Bruno Schmidt – angereist am 8. März – verlassen ihr Hotel seit Tagen nur noch stundenweise. Die beiden Münchner hatten zwei Rückflug-Plätze bei der Emirats-Airlines gebucht, doch ihre Maschine wurde kurzfristig gestrichen. Überhaupt ist an einen regulären Heimflug nicht mehr zu denken.

Ihre letzte Hoffnung: Die Rückholflüge der Bundesregierung. “Die Bundesregierung will allen gestrandeten Deutschen eine Rückkehr nach Deutschland ermöglichen”, heißt es im Auswärtigen Amt. “Für den 25. März war ein solcher Flug angekündigt, doch dann kurz vorher wieder gestrichen”, erzählt Füsun Ovat Report München am Telefon.

Seit Mitte März ist der Internationale Flughafen von Bohol geschlossen. Das bedeutet: Touristen, die nach Hause wollen, müssen auf die Nachbarinsel Cebu reisen. Dort ist der Flughafen noch offen. Doch um Bohol verlassen zu können, benötigen sie ein medizinisches Attest. Für Füsun und Bruno beginnt der Tag im Paradies deshalb mit dem Besuch im Medical-Center. Sie müssen sich, wie alle Touristen, täglich auf einer Liste eintragen. Alle Informationen würden dann mit denen der deutschen Botschaft abgeglichen, erklärt ihnen ein Mitarbeiter des Medical-Centers.

Ohne Attest kein Ticket – ohne Ticket darf kein Tourist die Insel Bohol verlassen. Ein bürokratischer Teufelskreis. Zurück im Hotel erreicht Füsun und Bruno dann eine gute Nachricht. Die deutsche Botschaft hat sich ihnen gemeldet. Sie können die Insel Bohol nun auch ohne Flugticket verlassen, in Richtung Cebu, von wo noch Flüge nach Europa starten. Die Botschaft stellt ihnen zudem einen Rückholflug für den 27.03.20 nach Frankfurt in Aussicht. Beide sollen auf der Passagierliste für diesen Flug stehen.

Abfahrt drei Uhr in der Früh. Füsun und Bruno werden mit einem Bus zur Fähre gebracht. Vor Abfahrt werden ihre Personalien aufgenommen, die Körpertemperatur gemessen. Die Fahrt zum Hafen dauert über drei Stunden. Bevor die Fähre losfährt wird bei allen Passagieren nochmal Fieber gemessen. Nach weiteren drei Stunden erreichen sie am späten Nachmittag endlich Cebu. Die beiden haben vorgesorgt und sich ein Zimmer in einem der wenigen offenen Hotels gesichert.

Cebu sei eine Geisterstadt, erzählt Füsun Report München am Telefon. Von 17:00 bis 05:00 Uhr am Morgen herrsche eine strikte Ausgangssperre. Wer auf der Straße angetroffen wird, komme ins Gefängnis.

Hunderte Touristen warten in der Flughafenhalle auf ihre Rückreise nach Deutschland. Die Situation sei angespannt, berichtet Füsun uns per WhatsApp. Sie hatte deutlich weniger Leute am Flughafen erwartet. Doch die Halle ist voller Touristen aus Deutschland und ganz Europa. Lange Menschenschlangen mit kleinen Kindern, älteren Personen. Überall liegt Gepäck im Weg. Keine Chance, Abstand und Distanz einzuhalten. Alle wollen nur nach Hause, es geht ums Ganze.

Jeder, der einen Platz auf einem Rückholflug der Bundesregierung bekommen will, muss sich erneut auf einer Liste eintragen. Füsun und Bruno bekommen zunächst keine Bestätigung, müssen stundenlang warten. Ein quälender Prozess. Am Ende des Tages zerschlagen sich ihre Hoffnungen auf einen Flug – obwohl sie sich seit Tagen auf verschiedenen offiziellen Listen eingetragen hätten. Dabei, so erzählt Bruno uns am Telefon, wären in dem Flieger nicht alle Plätze besetzt gewesen. Freunde, die es auf den Flieger geschafft haben, hätten ihm Fotos von leeren Sitzreihen geschickt. An diesem Abend steigt bei den beiden Münchner der Frust und die Angst, nicht nach Hause zu kommen.

Ganz früh am Morgen fahren Füsun und Bruno zum Flughafen. Die Halle ist wieder mit hunderten von Touristen bevölkert. Viele konnten den Flughafen nicht verlassen. Die meisten Hotels in der Umgebung sind geschlossen oder nehmen nur wenige Touristen auf. Weil viele Touristen kein Englisch sprechen, bieten sich die Münchner dem Bodenpersonal als Hilfskräfte an. Dieses nimmt gerne das Angebot der Touristen aus Deutschland auf. Während Füsun bei der Bearbeitung der Passagierliste für den Flug 7428 hilft, dirigiert Bruno per Megafon die Warteschlange der Touristen. Am späten Nachmittag sind dann alle Touristen aus Deutschland endlich eingecheckt, gleichgültig, ob sie auf einer Liste stehen oder nicht. Zwei Stunden später hebt der Flug 7428 dann Richtung Deutschland ab.

Nach 17 Stunden erreicht der Flug in den Morgenstunden des 30. März Frankfurt am Main. Als Füsun und Bruno angekommen sind, haben beide Tränen in den Augen, erzählt Füsun Report München am Telefon. Gerade noch rechtzeitig: Auf den Philippinen droht die Lage zu eskalieren, Präsident Duterte will bei Verstößen gegen die Ausgangssperre scharf schießen lassen.

Aber Füsun und Bruno sind auch schockiert – denn es gibt keinen Gesundheitscheck bei der Einreise. Und niemand trage hier einen Mundschutz, wundert sich Bruno.

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Der Traumurlaub wird zum Alptraum

25. März 2020: Ohne Attest darf niemand die Insel verlassen

27. März: Aufbruch mit Hindernissen

28. März: Am Flughafen Cebu

29. März: der zweite Versuch

30. März: endlich daheim

Corona-Odyssee aus dem Ferienparadies

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