Corona-Pandemie in Indien: Massen-Medikamententest im Slum – Top News

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Der Wanderarbeiter Mandal zum Beispiel lebt mit acht weiteren Leuten in nur einem Raum, das hat er der Nachrichtenagentur Reuters erzählt: “Hier kann alles passieren.

Wir haben ja nicht einmal ein eigenes Bad”, befürchtet er.

“Wenn hier jemand Corona hat und auf das öffentliche Klo geht, dann klebt der Virus doch überall.

Wir berühren alle den gleichen Wasserhahn und die gleichen Türgriffe.

Wir sind alle in Gefahr.

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In Mumbais Slums ist Social Distancing unmöglich.

Die Verwaltung will den Menschen deshalb Malaria-Medikamente verabreichen.

Ob sie bei der Corona-Prävention helfen, ist nicht die einzige Frage.

Einer der größten Slums in Asien ist fast komplett abgeriegelt: Dharavi in Mumbai.

Schätzungen zufolge leben hier rund eine Million Menschen auf einer Fläche, die ungefähr so groß ist wie der Tiergarten in Berlin.

Mehr als 200 Menschen haben sich hier schon mit dem Coronavirus angesteckt.

Die Angst ist groß, dass sich das Virus hier schnell ausbreiten wird.

Der Vorsitzende des Verbands der Medikamentenhersteller in Indien sagt, es bliebe keine andere Wahl: “Soziale Distanz kann dort einfach nicht gewährleistet werden”, sagt Ashok Kumar.

“Also sagen wir nun: Lasst es uns versuchen.

Es gibt leichte Risiken, aber der Vorteil des Medikaments könnte für die Menschen überwiegen.

Das ist der Grund, warum wir es ausprobieren wollen.

Jetzt im Moment geht es darum, das Leben von Menschen zu retten.

“Lasst es uns versuchen”

Menschen als Versuchskaninchen?

Slumbewohner haben Existenzsorgen

Das sehen auch die Behörden von Mumbai so: Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, all die Menschen hier nur durch einfache Absperrungen zu schützen.

In Absprache mit Experten und Medizinern hat sich die Stadt dazu entschlossen, rund 100.

000 Menschen in den Slums das Arzneimittel Hydroxychloroquin zu verabreichen.

Dieser Plan ist dann erst einmal verworfen worden.

Dennoch sollen rund 15.

000 Menschen bald das Medikament zu sich nehmen.

In Mumbais Slums ist Social Distancing unmöglich.

Die Verwaltung will den Menschen deshalb Malaria-Medikamente verabreichen.

Ob sie bei der Corona-Prävention helfen, ist nicht die einzige Frage.

Derzeit kommt das Arzneimittel bei sehr unterschiedlichen Krankheiten zum Einsatz: Menschen mit einer bestimmten Form der Arthritis nehmen es ein.

Andere, die eine Immunkrankheit haben.

Außerdem wird es auch bei Malaria verabreicht: Sowohl für die Behandlung, als auch, um sich vor einer möglichen Malaria-Infektion zu schützen.

Aber wird das Medikament wirklich Leben retten? Es gibt berechtigte Zweifel daran.

Zwar wurde es nun schon mehrfach bei Covid-19-Patienten eingesetzt.

Aber die ersten vorläufigen Studien lassen derzeit keine Rückschlüsse darauf zu, dass es sich positiv auf die Behandlung auswirkt.

Bei Tests in den USA scheint sogar eher das Gegenteil der Fall.

Selbst dann müssten mögliche Nebenwirkungen täglich überwacht werden – vor allem, wenn die Menschen noch andere Medikamente einnehmen, sagt Márcio da Fonseca, Spezialist für Infektionskrankheiten bei Ärzte ohne Grenzen.

Auch wenn die Stadt Mumbai all dies gewährleistet könnte, sei bislang nicht einmal das Grundlegendste geklärt: “Eine Prophylaxe gegen das Coronavirus, wie lange würde die dauern? Wir wissen es nicht”, sagt er.

“Sind es ein, zwei oder drei Monate?” Zur Malaria-Prophylaxe geben Ärzte eine Dosis pro Woche – die geeignete Dosis zur Corona-Prävention ist unklar: “Einmal die Woche, das könnte nicht ausreichen.

Oder einmal täglich? Dann wären womöglich die Nebenwirkungen zu groß.

Wir wissen es schlichtweg einfach nicht.

Sind die Menschen in den indischen Slums also eine Art Versuchskaninchen? Diesen Vorwurf weisen die Behörden aus Mumbai weit von sich.

Sie wollen nur Personen das Arzneimittel verabreichen, die älter als 15 und jünger als 60 Jahre alt sind.

Und auf keinen Fall werde jemand gezwungen, das Medikament einzunehmen.

Im Reagenzglas haben Tests ergeben, dass Hydroxychloroquin auch bei Corona-Viren helfen könnte.

Bei Menschen und Tieren sei dieser Nachweis aber noch nicht erbracht worden, sagt Leena Menghaney von der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Neu-Delhi: “Es gibt bislang keinen Beweis dafür, dass es auch bei Corona als Prophylaxe helfen kann.

Und in einer Zeit, in der Covid-19 unsere Gesundheitssysteme ohnehin schon überstrapaziert, wird es schwierig sein, die Kontrolle darüber zu wahren, die vonnöten wäre, wenn Menschen dieses Arzneimittel einnehmen.

Corona-Pandemie in Indien: Massen-Medikamententest im Slum

Hydroxychloroquin wird derzeit tonnenweise in Indien produziert, sowohl für den ausländischen Markt als auch für das Land selbst.

Um Nachschub muss sich also niemand sorgen.

Aber während die Behörden und die Wissenschaftler darum streiten, ob das Arzneimittel überhaupt zum Einsatz kommt, haben die Menschen in den Slums ganz andere Sorgen.

Fast niemand in Dharavi kann derzeit Geld verdienen, weil in Indien seit mehr als vier Wochen eine komplette Ausgangssperre gilt.

Tagelöhnerinnen wie Najma Mohammad wissen nicht, wie sie und ihre Familie über die Runden kommen sollen.

“Jede Mahlzeit bereitet uns Sorgen.

Es gibt nicht einmal mehr Holz, um den Ofen anzuheizen”, sagt sie.

“Vorher habe ich gearbeitet und meinen Kindern dann Essen zubereitet.

Aber jetzt gibt es keine Arbeit mehr, es gibt nur noch Sorgen.

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